Gülle-Veredelungsanlage der Energie + Umwelt eG

Stichworte: Biomasse, Stromerzeugung, Wärme, Veredelung der Gülle

Die Energie + Umwelt eG nutzte im Jahr 2014 die Chance zur Investition in ein neues und bis dato für Energiegenossenschaften unbekanntes Geschäftsfeld. Mit engagierten Landwirten baute und investierte die Energiegenossenschaft in eine gemeinsame Gülleveredelungsanlage mit 75 kW Leistung auf einem landwirtschaftlichen Anwesen in Buchen.

Schon seit Jahren besteht eine nachhaltige und erfolgreiche Zusammenarbeit mit den Landwirten durch die vielfache Installation von Photovoltaikanlagen. Über 600 kWp wurden auf verschieden Dächern bereits installiert.

Gemeinsam stellte man Überlegungen an, welche Optimierungsmöglichkeiten es gibt regenerativ etwas zu bewegen, nach dem Motto: „Aus der Region – für die Region“. Am Hof anfallende Wirtschaftsdünger (Gülle und Mist) sind in ausreichendem Maße vorhanden, sodass sich die Frage stellte: Was tun damit? Das Ergebnis war der Bau einer Gülleveredelungsanlage mit 75 kW Leistung.

Gemeinsam informierten sich Genossenschaft und Landwirte bei renommierten Fachfirmen für Planung und Bau von Biogasanlagen, um dann zu entscheiden, mit welchen Profis das Projekt umgesetzt wird. Auch die betriebswirtschaftliche Seite wurde durch Experten geprüft und positiv begleitet.

Die Wahl der richtigen Unternehmensform war eine der wichtigsten Entscheidungen, die vor der Gründung getroffen werden musste. Nach ausführlicher Prüfung sahen die Beteiligten von der Rechtsform der GbR aus haftungsrechtlichen Gründen ab und gründete die Gülle-Veredelungsanlage Buchen GmbH& CO.KG.

Geschäftsführung, Finanzen sowie die Bereitstellung der Investitionssumme übernahm die Energie + Umwelt eG, die Landwirte sorgen für die Substratlieferungen und den technischen Betrieb. Alle rechtlichen Rahmenbedingungen wurden in einem Konsortialvertrag geregelt. Um die Privilegierung als Landwirt und Anlagenbauer zu erhalten, wurden die Anteile zu 50,1 % an die Landwirte und 49,9 % an die Genossenschaft verteilt.

Die Kosten zur Investition in eine solche Anlage belaufen sich durchschnittlich auf 800 bis 850 T Euro. Daneben hängt das Volumen der zu tätigenden Investitionen von den Gegebenheiten ab. Ein Beispiel ist eine Trafostation, die evtl. ebenfalls finanziert werden müsste. Der erzeugte Strom wird bei dieser Anlage zu einem kleinen durch die Anlage selbst verbraucht (8%) und zum überwiegenden Teil durch einen Direktvermarkter verkauft und ins Netz eingespeist. Ein Eigenverbrauch ist natürlich ebenso möglich, erfolgt hier jedoch nicht. Die überschüssige Wärme wird zur Beheizung der Hofgebäude genutzt. Hierfür wurden Leitungen gelegt. Die Wärme stellt einen zusätzlichen Nutzen dar.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Baubeginn war im August 2014, die Inbetriebnahme erfolgte bereits im Februar 2015. Die Anlage benötigt sowohl Gülle aus als Mist. Es gibt aber auch Anlagen, die nur mit Gülle betrieben werden können.

Die Gülle wird aus dem Stall in den Fermenter (Stahlbetonrundbehälter mit Betondecke 1.200 m³) gepumpt, Festmist wird über einen Spezialeintrag in den Fermenter eindosiert, Der Fermenter wird mit Abwärme des BHKWs (Biogasmotor) beheizt, durch Luftabschluss und Wärme entsteht Biogas im Fermenter. Im Anschluss wird das Biogas getrocknet und im BHKW (Biogasmotor) verbrannt, der wiederum den Generator mit einer Leistung von 75 kW antreibt, sodass Strom entsteht. Der Gärrest wird in einem Güllebehälter (3.200 m³ Stahlbetonbehälter) mit Emissionsschutzabdeckung gelagert und bedarfsgerecht als Dünger auf die Felder ausgebracht. Die Emissionsabdeckung des Gärrestlagers dient gleichzeitig als Gasspeicher (Gasspeicherhaube). 

Durch den Bau der Gülle-Veredelungsanlage erzielen wir einen doppelten Klimaschutzeffekt. Erstens durch die Produktion von erneuerbarer Energie zum Ersatz fossiler, zweitens durch Reduzierung von Immissionen in der Landwirtschaft durch Güllevergärung (aktiver Klimaschutz). Daneben sind noch weitere positive Nebeneffekte zu nennen:

  • die Gülle verliert durch die Vergärung an Geruch
  • bessere Verfügbarkeit der Nährstoffe für Pflanzen
  • Erhöhung der regionalen Wertschöpfung
  • Nutzung anfallender Reststoffe vom landwirtschaftlichen Betrieb

Die Energie + Umwelt eG hat bereits eine zweite Anlage gebaut, die ebenfalls schon im Betrieb ist, weitere sollen folgen.

Hürden und Risiken

Eine Hürde bestand in der richtigen Wahl der Rechtform. Erst nach genauer Prüfung wurde sich für die Rechtsform einer GmbH & Co. KG entschieden, bei der die Genossenschaft als Kommanditistin 100% der Kapitaleinlagen einbrachte, aber weniger als 50% der Stimmrechte erhielt.

Ein großes Risiko wiederum besteht in der Abhängigkeit von den landwirtschaftlichen Betrieben. Eine Prüfung auf Arbeitsweise und Solvenz zur gemeinsamen perspektivischen Arbeit auf 20 Jahre ist von Vorteil. Zudem betreiben die Landwirte gegen Vergütung die Anlage, die Genossenschaft ist zum Betrieb nicht in der Lage. Der Betrieb der Anlage umfasst ebenso die Wartung. Erst ab einer gewissen Betriebsstundenzahl wird ein Dienstleister zur Wartung hinzugezogen. Man hat sich vertraglich bezüglich der Vergütung der Personalkosten für die Landwirte auf einen Fixbetrag geeinigt. Daneben wurde vereinbart, dass den Landwirten ab einer bestimmten Gewinnhöhe 90 Prozent des zusätzlichen Gewinns zugeht. Dies bedeutet für die Landwirte konkret: Je besser die Anlage läuft, desto höher sind ihre Erträge.

Ein weiteres Risiko besteht in dem Ausfall von Vieh und Personal über Zeit. Bei Vieherkrankungen in größerem Maßstab müssten Substrate aus der Region zugekauft werden, was die Kosten erhöhen würde, da die Substratpreise in der Regel höher liegen als bei den eingebundenen Landwirten.

Erfolgsfaktoren

Das enorme Vertrauen seitens der Genossenschaftsmitglieder in der Region war und ist ein besonderer Faktor. Dies wird von den Landwirten registriert und schafft bei diesen die Selbstverpflichtung zur Erbringung einer guten und nachhaltigen Arbeit.

Die guten Erfahrungen und das aufgebaute Know-how ermöglichen weitere Anlage dieser Art in der Region. Es sind zwei bis drei weitere Anlagen geplant, in deren Erstellung die aufgebauten Kontakte zu Firmen, die bestehende kaufmännische Erfahrung sowie weitere Teile der Planung einfließen können.

Die Vielzahl an von der Genossenschaft umgesetzten PV-Dach-Anlagen hat das Fundament für die Realisierung der Gülleveredlungsanlage gelegt. Würde man lediglich solche Anlagen bauen, ohne bereits ertragreiche andere EE-Anlagen im Portfolio von Genossenschaften aufweisen zu können, so bestünde ein erhöhtes Risiko. Weitsicht und Interesse am Aufbau einer energetisch autarken Region haben die Realisierung der Anlage wesentlich begünstigt.

Details zum Projektbeispiel 

Technische Daten

Planung, Koordination und Baubegleitung

Energie + Umwelt eG, Landwirte

Finanzierung, Investition

Energie + Umwelt eG

Kaufmännische Betriebsführung

Energie + Umwelt eG

Verpachtung Grundstück

Landwirt

Lieferung der Rohstoffe zum Betrieb

Landwirte

Technische Betriebsführung

Landwirte

Daten zum landwirtschaftlichen Anwesen

Tiere auf dem landwirtschaftlichen Anwesen

301

1 Großvieheinheit produziert im Jahr

durchschnittlich ca. 22 m³ Gülle

durchschnittlich ca. 0,4 t Mist

Gülle p.a.

6.200 m³

 

Mist p.a.

1.200 t

 

Investitionsvolumen

Genehmigung, Gutachten, Vertragserstellung

ca. 18.000 €

Erdarbeiten, Wegebau, Begrünung

ca. 85.000 €

Betriebsgebäude

ca. 60.000 €

GülleVeredelungsAnlage inkl. BHKW

ca. 750.000 €

Trafostation 20 KV, Netzanschluss, Telefonanschluss

ca. 120.000 €

Photovoltaikanlage 500 kWp

ca. 970.000 €

Investitionen in Erneuerbare Energien

auf dem Hof Schönit

ca. 2.003.000 €

Versorgung mit grünen Strom (4 Pers.- Haushalte)

300

Anlagedaten Gülle-Veredelungsanlage Buchen:

Größe

75 kW

Inbetriebnahmen

Februar 2015

Gülle verarbeitet p.a.

6.200 m³

 

Mist verarbeitet p.a.

1.200 t

 

Stromproduktion p.a.

ca. 630.000 kWh

140 x 4-Personen-Haushalte können mit grünem Strom versorgt werden

Wärmeproduktion p.a.

keine Daten

Abnahme durch die GVA und Wärme für Wohnhaus

Substratproduktion p.a.

ca. 5.240 t

verbesserter Düngewert – weniger Nitratausstoß

Co2- Einsparung p.a.

ca. 580 t

ca. 470 t

durch Emissionsschutzwirkung

durch Ersatz fossiler Energie

Ansprechpartner für Fragen 
Energie + Umwelt eG
Jürgen Böhm
Walldürner Str. 17
74722 Buchen
http://www.epueg.de
Tel.: 06281/406-9850
E-Mail: juergen.boehm@vb-mosbach.de 

Fotos: Energie + Umwelt eG

Stand: Januar 2018

@ 2019 Netzwerk Energiewende jetzt | Links | Impressum | Datenschutzerklärung | Kontakt
Ev. Arbeitsstelle Bildung und Gesellschaft
Dietmar Freiherr von Blittersdorff (Projektleitung)
Kronstraße 40 | 76829 Landau
Tel.: 06341-9858-16 | Fax: 06341-9858-25
info@energiegenossenschaften-gruenden.de