Bürgerwerke – Starke Gemeinschaft für die Energieversorgung in Bürgerhand

Die Vorstände der beteiligten Energiegenossenschaften bei der Generalversammlung der Bürgerwerke 2016. Foto: Bürgerwerke eG

Stichworte: Stromlieferung, Direktvermarktung, Dachgenossenschaft

Eine erneuerbare, regionale und unabhängige Energieversorgung in Bürgerhand, das ist die Idee der Bürgerwerke eG. Der größte Verbund von Bürgerenergiegenossenschaften in Deutschland beliefert Kunden in ganz Deutschland mit Bürgerstrom aus Erneuerbaren Energien.

Die Bürgerwerke im Überblick

Im Dezember 2013 schlossen sich neun Energiegenossenschaften zusammen und gründeten die Bürgerwerke. Zu den Bürgerwerken gehören 60 Mitgliedsgenossenschaften mit mehr als 10.000 Mitgliedern (Stand Juni 2016). Die Mitgliedsgenossenschaften kommen aus Oldenburg im Norden über Dresden im Osten bis hin zu Herrsching südlich von München. Die meisten Mitglieder zählen die Bürgerwerke derzeit in Baden-Württemberg. Im Netzwerk der Bürgerwerke kann jeder die Energiewende aktiv mitgestalten – sei es durch Strombezug aus Bürgerenergieanlagen, als Mitglied einer Energiegenossenschaft oder als Eigenerzeuger. Die Vision der Bürgerwerke ist, dass Bürgerinnen und Bürger sich selbst mit Energie aus Bürgeranlagen vor Ort versorgen. „Die Bürgerenergiewende braucht eine breite Basis an Unterstützern, die Ökostrom aus Bürgerhand beziehen. Die Zukunft unserer Energieversorgung ist erneuerbar, regional und unabhängig – genau das bieten die Bürgerwerke schon jetzt“, so Bürgerwerke-Vorstand Kai Hock.

Neue Geschäftsfelder wie die Stromversorgung in der eigenen Region erfordern Geld, Personal und Kompetenzen. Die Risiken sind für einzelne Bürgerenergiegenossenschaften zu hoch. Die Dachgenossenschaft der Bürgerwerke ermöglicht deshalb für alle beteiligten Energiegesellschaften in Bürgerhand regionale Stromlieferungen von Ökostrom zum Teil aus Anlagen der angeschlossenen Genossenschaften.

Ein Teil der Erlöse aus dem Stromverkauf gehen an die Genossenschaften vor Ort, damit diese ihren Strom jenseits der Einspeisevergütung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes vermarkten und neue Anlagen bauen können. Mit einem anderen Teil der Erlöse wird die Arbeit der Geschäftsstelle finanziert. Die Mitarbeiter der Geschäftsstelle betreuen die Mitgliedsgenossenschaften, übernehmen administrative sowie energiewirtschaftliche Aufgaben und organisieren Vertrieb, Marketing und Öffentlichkeitsarbeit im Auftrag der beteiligten Genossenschaften. Die Energiegenossenschaften überzeugen ihre Mitglieder davon, sich mit Bürgerstrom zu versorgen, und gewinnen mit Aktionen rund um die Bürgerstromversorgung weitere Menschen für die Energiewende in Bürgerhand.

Transparente Stromherkunft statt Anonymität

Strom ist für die meisten Bürger bisher ein anonymes Produkt und bei den meisten Anbietern ist unklar, aus welchen Kraftwerken der Strom stammt. Dabei stehen inzwischen viele Anlagen direkt in der Nachbarschaft: Überall in Deutschland sind dezentrale Wind- und Solarenergieanlagen entstanden – davon fast die Hälfte in Bürgerhand. Viele Verbraucher möchten ihren Strom aus Erneuerbaren-Energien-Anlagen beziehen und wissen, wo der Strom herkommt.

Genau das bieten die Bürgerwerke an: Auf ihrer Internetseite stellen sie jede Erzeugungsanlage und die engagierten Bürger, die diese gebaut haben, vor. „Endlich können wir den Strom aus unserer Bürgersolaranlage auch direkt an Endverbraucher liefern", so Georg Dukiewicz, Vorstand der EnerGeno Heilbronn-Franken eG, die Mitglied der Bürgerwerke ist.

Strommix, Preise und Konditionen

Der Strom der Bürgerwerke stammt zu 100 Prozent aus Erneuerbaren-Energien-Anlagen in Deutschland. Ein Zehntel liefern Bürgerwind- und Bürgersolarkraftwerke von beteiligten Energiegenossenschaften, der Rest wird aus einem Wasserkraftwerk in Bayern bezogen. Im Laufe des Jahres 2016 werden im Zuge der neuen Direktvermarktungsangebote für Bürgerwerke-Mitglieder weitere Anlagen der Energiegenossenschaften in das Bürgerstrom-Angebot integriert.

Preislich unterscheiden sich die Bürgerstrom-Tarife nach Postleitzahlgebiet. Dies hängt vor allem mit der Höhe der Netzentgelte für die jeweilige Region zusammen. Im Durchschnitt liegt der Bürgerstrom-Preis deutlich unter den jeweiligen Grundversorgungstarifen und ist auch im Vergleich zu anderen Anbietern konkurrenzfähig. Dies liegt u.a. daran, dass die Bürgerwerke und ihre Genossenschaften den Bürgerstrom-Kunden flexible und faire Tarifkonditionen anbieten. Dazu gehört eine Preisgarantie bis zum jeweiligen Jahresende, eine sehr kurze Kündigungsfrist von einem Monat und ein persönlicher Kundenservice. Seit Mitte 2016 trägt der Bürgerstrom der Bürgerwerke außerdem das Siegel „Geprüfter Ökostrom“ des TÜV Nord.

Hürden

Der Wettbewerb um Stromkunden ist hoch. Große Energiekonzerne, Stadt- und Gemeindewerke, Stromdiscounter und Ökostromanbieter werben um die Gunst der Stromkunden – mit und ohne Ökostromtarifen. Die Kundengewinnung ist daher die Schlüsselaktivität. Für den Vertrieb brauchen Genossenschaften andere Fähigkeiten als bisher für die Projektierung: dazu gehört vor allem Überzeugungskraft und die Lust neue Menschen anzusprechen. Die nötige Vertriebskompetenz zu erwerben dauert unterschiedlich lang. Die Bürgerwerke unterstützen die Mitgliedsgenossenschaften deshalb zum Beispiel bei der Erstellung von professionellem Werbematerial, mit Vorlagen für Pressemitteilungen und mit Kommunikationsschulungen für den Aufbau des neuen Geschäftsfelds.

Der Einstieg in die Stromversorgung ist für Energiegenossenschaften kein Selbstläufer. Stromversorgung ist ein langfristiges Geschäft und für die Kundengewinnung und -bindung ist im Idealfall ein dauerhafter finanzieller sowie personeller Aufwand bereitzustellen. Viele Menschen finden es zwar attraktiv, von einer regionalen Energiegenossenschaft Strom zu beziehen. Der Wechsel des Stromanbieters ist allerdings angstbehaftet und wird als kompliziert und aufwändig wahrgenommen. Bis zum tatsächlichen Wechsel gehen häufig mehrere Wochen ins Land. „Es ist wichtig, Interessenten zu erinnern und sie beim Wechsel zu unterstützen. Für viele ist es eine große Hürde, sich die alte Rechnung herauszusuchen und das Wechselformular auszufüllen. Dabei geht das online in nur fünf Minuten“, so Andreas Gißler, Vorstand der HEG Heidelberger Energiegenossenschaft eG. Nach dem Wechsel übernimmt die Geschäftsstelle der Bürgerwerke die gesamte Abrechnung und den Kundenservice, sodass auf die Energiegenossenschaft keine weitere Arbeit zukommt.

Chancen und Erfolgsfaktoren

Grundlegend für jeden Stromversorger ist, das Vertrauen der Kunden zu gewinnen. Hier haben Energiegenossenschaften einige Vorteile:

  • Energiegenossenschaften haben mit ihren eigenen Mitgliedern eine Kernzielgruppe, die sie gut erreichen können und die die Idee einer dezentralen Energiewende in Bürgerhand teilen.
  • Sie sind regional verankert und können glaubwürdig die Idee einer Erzeuger-Verbaucher-Gemeinschaft vertreten.
  •  Viele Menschen erleben Stromversorgung bzw. ihre Stromanbieter als undurchsichtig. Der Bürgerstrom der Bürgerwerke bzw. der beteiligten Genossenschaften ist hingegen bewusst transparent gestaltet. 
  • Mit der Gewinnung von Stromkunden haben Energiegenossenschaften auch die Chance, weitere Mitglieder zu gewinnen und zu aktivieren. Ein erfolgreiches Beispiel hierfür ist die Neue Energie Bendorf eG, die seit Bestehen ihres regionalen Bürgerstomangebots ihre Mitgliederanzahl von ca. 100 auf über 210 Mitglieder mehr als verdoppeln konnte. Mittelfristig sollen die Einnahmen aus der Stromversorgung auch dazu dienen, den meist ehrenamtlich geführten Energiegenossenschaften eine Basis für hauptamtliche Mitarbeiter zu ermöglichen.

Mit der Stromversorgung generieren die Energiegenossenschaften regionale Wertschöpfung, die vor Ort in neue Energiewende-Projekte zu sein. Gleichzeitig treiben sie die Energiewende nicht nur auf der Stromerzeugungs-, sondern auch auf der Stromversorgungsseite voran – ein wichtiger Baustein für die Umstellung auf 100 % Erneuerbare Energien, da der Versorgungssektor immer noch in der Hand weniger, großer Unternehmen ist, die bisher wenig Interesse an der Energiewende zeigen.

Regionale Stromtarife gefragt

Bürgerstrom Osnabrücker Land, Schwarzwaldstrom und Leipziger Bürgerstrom – so heißen einige der über 40 regionalen Stromtarife (Stand Juni 2016), die Mitglieder der Bürgerwerke anbieten. Dabei sollte das Wertversprechen für die Kunden in der Kommunikation so einfach wie möglich, klar und verständlich sein. „Werde als Genosse dein eigener Stromkunde“ ist z.B. das Wertversprechen der Neue Energie Bendorf eG.

Die HEG Heidelberger Energiegenossenschaft eG gewann bis Juni 2016 rund 200 Stromkunden für ihr Regionalstromangebot. „Wir sind sehr zufrieden mit dem Heidelberger Bürgerstrom. Wir bauen uns damit einen eigenen Absatzmarkt auf und sichern mittelfristig konstante Einnahmen für die Genossenschaft“, sagt HEG-Vorstand Andreas Gißler. Die Stromkunden reichen von Genossenschaftsmitgliedern und Unternehmen über Menschen, die sich der Region verbunden fühlen, bis hin zu Interessierten, die die regionale Energiewende in Bürgerhand voranbringen möchten.

Es zeigt sich, dass das Bürgerstromangebot auch bei Gewerbekunden ankommen kann. So versorgt die Neue Energie Bendorf eG Weingüter aus der Region Mayen-Koblenz und die BürgerEnergiegenossenschaft Adersbach-Sinsheim-Kraichgau eG ist inzwischen die erste Adresse für Stromlieferungen für lokale Apotheken, die grünen Strom beziehen möchten.

 

Bürgerwerke als Plattform für Bürgerenergie

Der Verbund bietet Chancen über die Stromversorgung hinaus, ist sich Bürgerwerke-Vorstand Torsten Schwarz sicher. Es gebe schon zahlreiche Ideen, die Vorteile für die beteiligten Mitgliedsgenossenschaften bieten würden. So übernehmen die Bürgerwerke für ihre Mitgliedsgenossenschaften ab dem Frühjahr 2016 zum Beispiel Leistungen rund um die Direktvermarktung von Erneuerbaren-Energien-Anlagen.

In Zukunft sollen die Bürgerwerke auch verstärkt als Netzwerk und gemeinsame Plattform für Bürgerenergiegenossenschaften dienen. Bei den vielen verschiedenen Expertisen, die im Bürgerwerke-Verbund vorhanden sind, ist es nur logisch, dass bei gemeinsamen Workshops Erfahrungen und Umsetzungswissen ausgetauscht wird.

Darüber hinaus sollen zukünftig auch Energieprojekte gemeinsam geplant, finanziert und umgesetzt werden. „Wir können die Synergien bei der Entwicklung neuer Energieprojekte mit mehreren Energiegenossenschaften einer Region nutzen“, so Torsten Schwarz. Ein Beispiel hierfür gab es bereits im Jahr 2015, als vier Energiegenossenschaften zusammen die Bürgersolaranlage Kirchardt bei Sinsheim finanzierten und so über 1.100 Bürger an der Anlage beteiligen konnten.

Preise und Auszeichnungen

Die Bürgerwerke wurden im Februar 2016 vom Rat für Nachhaltige Entwicklung für ihren innovativen Ansatz mit dem Qualitätssiegel „Werkstatt N“ ausgezeichnet. Im Juni 2016 wurde der Zusammenschluss Preisträger im „Deutschland – Land der Ideen“-Wettbewerb, der unter dem Jahresthema „Gemeinschaft als Erfolgsmodell“ stand. Außerdem erhielten die Bürgerwerke den baden-württembergischen Genossenschaftspreis 2015 in der Kategorie „Ökologisches Handeln“.

Material

Kontakt

Bürgerwerke eG
Hans-Bunte-Straße 8-10
69123 Heidelberg
Tel.: 06221 39289 20
E-Mail: info@nospambuergerwerke.de
www.buergerwerke.de 

Ansprechpartner für Energiegenossenschaften
Torsten Schwarz (torsten.schwarz@nospambuergerwerke.de)

 

Foto: Bürgerwerke eG

 

 

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