Bürgerwindpark mit zwei Windkraftanlagen in Nüdlingen

Stichworte: Windkraft, Bürgerwindpark, Kooperation

Die Nüdlinger Energie-Genossenschaft eG in Unterfranken hat in Eigenregie einen Bürgerwindpark mit zwei Windkraftanlagen Nordex N117 mit jeweils 2,4 Megawatt Leistung errichtet und Ende 2014 in Betrieb genommen. Die beiden Standorte liegen im Wald und sind Eigentum der Gemeinde Nüdlingen, die Empfängerin der Pachtzahlungen ist. Bürgerinnen und Bürger profitieren von der Anlage, dass sie den Windpark über Nachrangdarlehen mitfinanziert haben.

Die Gruppe der Freien Wähler (Bürgerblock Nüdlingen) hat schon viele Jahre das Thema Energieeffizienz in der Gemeinde vorangetrieben, Vorträge gehalten, drei Bürgergesellschaften zum Betrieb von Photovoltaikanlagen auf fremden Dächern gegründet. 2010 hat die Gruppe in einem Vortrag ausgelotet, ob sich eine Genossenschaft findet, die eine ökologische Stromerzeugung mit Windrädern realisieren kann. Im Gemeindegebiet war bereits eine Vorbehaltsfläche ausgeschrieben und Ziel war, dass die Bürgerinnen und Bürger vor Ort gemeinschaftlich von der Wertschöpfung profitieren.

Die Resonanz war positiv. Die Nüdlinger Energie-Genossenschaft eG wurde am 5. April 2011, 14 Tage nach dem Atomunfall in Fukushima, gegründet und hat Ende 2015 insgesamt 391 Mitglieder.

In der Gründungsversammlung am 5. April 2011 haben sich bereits 134 Bürgerinnen und Bürger in die Gründungsliste eingetragen. Bis Ende Juni 2011 wuchs die Mitgliederzahl auf 333 Personen und Institutionen an. Allein aus den gezeichneten Anteilen konnte die Genossenschaft am 30. Juni 2011 ein Startkapital von 184 TEUR verzeichnen. Damit konnten die gesamten Ausgaben bis zur Genehmigung des Bauvorhabens im Januar 2014 bezahlt werden.

Die politische Unsicherheit über die Förderung der Windkraft zu diesem Zeitpunkt setzte viele von Projektgesellschaften bereits reservierte Windanlagen frei. So konnte der Wunschlieferant Nordex umgehend eine Lieferzusage noch für das Jahr 2014 geben.

Im Februar 2014 wurde in einer sehr gut besuchten Versammlung das Konzept einer Finanzierung über Nachrangdarlehen der Mitglieder vorgestellt. Die Darlehen haben eine Laufzeit von 15 Jahren und eine Verzinsung von 3,5 Prozent. In sehr kurzer Zeit konnte ein Drittel der Baukosten von über acht Millionen Euro über die Darlehen der Mitglieder geworben werden, der Rest wurde mit langfristigen Bankdarlehen finanziert. Ab 2000 Euro konnten sich die Bürgerinnen und Bürger am Windpark beteiligen. Zu diesem Zeitpunkt traten weitere 64 Personen der Genossenschaft bei.

Die einzelnen Gewerke beim Bau der Anlagen wurden in eigener Regie geplant, ausgeschrieben und vertraglich geschlossen. Optimal war, dass die Naturstrom AG zum gleichen Zeitpunkt in unmittelbarer Nähe weitere fünf Windkraftanlagen gebaut hat. So konnte die Genossenschaft die technische Bauleitung an Naturstrom übertragen. Die Anzahl von insgesamt sieben Anlagen, die zur gleichen Zeit gebaut wurden, hat dann viele Synergie-Effekte freigesetzt und die Baukosten auf einem niedrigen Niveau gehalten.

Am 21. November 2014 wurden beide Anlagen an das Stromnetz angeschlossen und in Betrieb genommen.

Zurzeit arbeitet der Vorstand an der Direktvermarktung des erzeugten Stroms zusammen mit bavariastrom.

Hürden und Risiken

Die ursprüngliche Planung sah den Bau von drei Windanlagen vor. Es bildete sich jedoch eine kleine Bürgerinitiative, denen die dritte Anlage mit 1.000 Meter Entfernung von den ersten Wohnhäusern zu nahe erschien. Bürgermeister und Gemeinderat haben dann zur Wahrung des Dorffriedens das dafür vorgesehene Grundstück nicht zur Pacht freigegeben. Ein geeigneter Ausweichstandort war ebenfalls nicht vorhanden, somit wurde das Projekt auf den Bau von zwei Anlagen reduziert.

Dank der Naturstrom AG konnte das Dilemma gelöst werden, dass die Genossenschaft beim Abschluss des Kaufvertrages noch nicht den notwendigen Finanzierungsnachweis vorlegen konnte. Zu diesem Zeitpunkt waren noch keine Darlehensverträge abgeschlossen. Eine kurzfristige Konzernbürgschaft von Naturstrom für wenige Wochen hat die notwendige Brücke gebaut und die Fortführung des Projekts ermöglicht.

Erfolgsfaktoren

Wichtigster Erfolgsfaktor war die Bereitschaft vieler Bürgerinnen und Bürger, aktiv und persönlich an der Energiewende teilzunehmen, dafür Geld zu investieren und ein unternehmerisches Risiko einzugehen. Nahezu alle Mitglieder der Energiegenossenschaft wohnen in Nüdlingen, stammen aus Nüdlingen oder haben einen anderen meist familiären Bezug zum Dorf.

Die Genossenschaft konnte mit der Gemeinde Nüdlingen einen günstigen, langfristigen Pachtvertrag abschließen.

Ebenso wichtig war die Bereitschaft einer kleinen Gruppe von Personen, die Umsetzung dieses Projektes aktiv zu begleiten. Nur mit der Bereitschaft, die Ämter der Vorstände und Aufsichtsräte für lange Zeit zu bekleiden und vorhandenes Sachwissen und viel persönliches Engagement einzubringen, konnte dieses Projekt begonnen und Ende 2014 zu einem guten Abschluss geführt werden.

Technische Details

Anlagentyp:     Nordex N-117-2.4
Turm:              Hybrid-Bauweise  Beton-Stahl der Firma Bögl
Turmhöhe:      140 Meter, davon  85 Meter Betonturm und 55 Meter Stahlturm
Rotorblatt:       58 Meter lang
Rotorfläche:    10.715 Quadratmeter 

Material und Fotos

Details zur Windanlage

Ansprechpartner für Rückfragen
Nüdlinger Energie-Genossenschaft eG
Haardstr. 71c
97720 Nüdlingen 
Tel. 0971 - 64569
E-Mail: info@nospamnuedlinger-energie-genossenschaft.de
www.nuedlinger-energie-genossenschaft.de

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