Landkreis Ebersberg treibt Energiewende in Bürgerhand voran

Stichworte: Landkreisgenossenschaft,  PV-Direktlieferung, Energieeffizienz, Kälteanlage

Mit zwei landkreisweiten Energiegenossenschaften, einer Energieagentur, einem Energienutzungsplan  u.a. will der Landkreis Ebersberg 100 % regenerativ werden.

Bis 2030 will der Landkreis Ebersberg östlich von München „frei von fossilen und anderen endlichen Energieträgern“ sein. Dieses Ziel soll in erster Linie durch Effizienzmaßnahmen und Einsparen von Energie erreicht werden. Der verbleibende Anteil an Energie soll dezentral und regenerativ in unserer Region erzeugt werden.

REGE eG und BEG – Zwei landkreisweite Genossenschaften

Die ökonomisch tragfähigen Projekte sollen mit lokalen oder regionalen Ressourcen geplant, realisiert und insbesondere finanziert werden. Der überwiegende Teil der ökonomisch sinnvollen Projekte soll „vor Ort" in lokaler Eigentümerschaft umgesetzt werden.

Zu diesem Zweck wurden zwei landkreisweite Energiegenossenschaften gegründet. Die Regenerative Energie Ebersberg eG (REGE eG) wird als Dachgenossenschaft von 19 Landkreisgemeinden und dem Landkreis selbst getragen. Jede Gemeinde leistete eine Einlage von 5000 Euro. Projekte, die von   Kommunen angestoßen werden, sollen in der Regel von der REGE umgesetzt werden. Welche Genossenschaft die möglichen Projekte realisiert, wird zwischen den Vorständen besprochen und einvernehmlich entschieden.

In der „Bürgerenergie im Landkreis Ebersberg eG“ (BEG eG) können alle Bürgerinnen und Bürger mitmachen. Daneben gibt es für die Gemeinden Vaterstetten und Zorneding (3e eG) sowie in Markt Schwaben weitere Bürgerenergiegenossenschaften.

Die Projekte

Die regulatorischen Rahmenbedingungen erschweren es, „einfache“ nach EEG vergütete Energieprojekte erfolgreich umzusetzen. Photovoltaikanlagen sind nur noch dann wirtschaftlich, wenn es gelingt, einen hohen Eigenverbrauchsanteil zu generieren. So hat die REGE eG für die Kläranlage der Gemeinde Glonn eine 65 kWp-Photovoltaikanlage errichtet, deren Strom zu über 95 Prozent direkt von der Kläranlage selbst verbraucht wird. Die BEG eG betreibt eine 40 kWp-Photovoltaikanlage auf der neuen Mehrzweckhalle des Wintersportvereins Glonn. Auch diese Anlage ist so konzipiert, dass ein Großteil des erzeugten Stromes in der Halle selbst verbraucht wird.

Mit Unterstützung der Stadt Ebersberg hat die  BEG eG im Sommer 2016 auf dem Dach des neuen städtischen Wertstoffhofes eine Photovoltaikanlage mit knapp 100 kWp installiert. Das Dach wird der BEG für die ersten 5 Jahre kostenfrei überlassen, um die Installationsinvestition zu entlasten.  Die BEG hat als Eigentümerin die Photovoltaikanlage vollständig mit Nachrangdarlehen von Bürgern finanziert und wird sie auch betreiben.

Ein Beispiel für Effizienzmaßnahmen ist das Eisstadion in Grafing. Mit Zuschüssen von Stadt und Kreis wurde die Beleuchtung auf LED umgestellt. Das reduziert den Stromverbrauch im Stadion um 60 bis 70 Prozent, die eingesparten Stromkosten liegen zwischen 7.900 und 9.200  Euro. In 3,8 bis 4,4 Jahren wird sich die Investition von etwa 35.000 Euro amortisiert haben.

Die neue Kälteanlage im Eisstadion in Grafing ist das zweite große Effizienz-Projekt der Bürger-Energiegenossenschaft. Mehr als eine halbe Million Euro investieren der Eishockeyverein EHC Klostersee, die Stadt Grafing sowie der Landkreis Ebersberg in die neue Kälteanlage. Um die Finanzierung zu sichern, hat die Bürgerenergie im Landkreis Ebersberg eG ein Fünftel der Investitionssumme bereitgestellt. Innerhalb von 12 Tagen konnte die BEG eG die vorgesehenen 100.000 € einwerben.

Die Investition war nötig, weil die alte Anlage 30 Jahre alt und reparaturanfällig war. Die Anschaffung einer neuen Anlage ist auf die Jahre hochgerechnet günstiger als die Instandhaltung der alten Anlage, so die Kalkulation. Zudem sind die Betriebskosten der modernen, neuen Anlage nur noch halb so hoch. Die Investition wird sich, je nach Energiepreisen, in zehn bis 15 Jahren amortisieren. Für das Contractingmodell mit dem EHC Klostersee wurde eine eigene Betreibergesellschaft gegründet.

Derzeit planen die REGE und BEG mit Partnern die Umsetzung eines größeren Nahwärmeprojektes in einer Gemeinde des Landkreises Ebersberg.

Die REGE ist intensiv mit dem Ausbau seines Virtuellen Kraftwerks beschäftigt. Bisher sind sechs Biogasanlagen sowie eine Windkraftanlage unter Vertrag. Für 2017 ist der Vertrieb des Regionalstroms unter dem Namen EBERstrom geplant.

Zusammenspiel von Landkreis, Kommunen und den beiden Genossenschaften

Der Klimaschutzmanager des Landkreises, Hans Gröbmayr, ist einer der beiden Vorstände der REGE eG. Als Bindeglied zu den Kommunen organisiert er regelmäßige Sitzungen eines „Genossenschaftsbeirates“. Dem gehören neben den Vorständen der REGE eG und der BEG eG auch ein Kaufmann sowie weitere Fachleute aus verschiedenen Bereichen an. Dieses Gremium erörtert mögliche Projekte und diskutiert Umsetzungsmöglichkeiten. Jede Genossenschaft kann alleine Projekte umsetzen. Über eine Betreibergesellschaft können Projekte auch gemeinsam angepackt werden.

Das derzeitige politische und wirtschaftliche Umfeld erleichtert die Arbeit in Energiegenossenschaften nicht. Dies gilt sowohl für das derzeit geltende EEG, u.a. mit der hohen Hürde Ausschreibung für größere Energieprojekte, wie auch für die für Kommunen äußerst günstigen Konditionen bei Banken. Mit dem derzeitigen erheblichen Zinsvorteil für Kommunen können Energiegenossenschaften kaum konkurrieren.

Kontakt
Regenerative Energie Ebersberg eG
Eichthalstraße 5, 85560 Ebersberg
Hans Gröbmayr, Vorstand und Klimaschutzmanager des Landkreises Ebersberg
E-Mail: hans.groebmayr@nospamrege-ebe.de
Website Energiewende Ebersberg: http://energiewende-ebersberg.de

Bürgerenergie im Landkreis Ebersberg eG  (BEG eG)
Heinrich-Vogl-Str. 21, 85560 Ebersberg
Vorstand: Kurt Scholz (kurt.scholz@beg-ebe.de) , Karl Behmer
E-Mail:  info@nospambuergerenergie-ebersberg.de
www.buergerenergie-ebersberg.de 

Infos zum Landkreis: Der Landkreis Ebersberg östlich von München zählt mit knapp 550 Quadratkilometern zu den kleineren Landkreisen in Deutschland. Mit 131.000 Einwohnern ist die Bevölkerungsdichte überdurchschnittlich.

Stand: Dezember 2016

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