Erneuerbare Wärmeversorgung mit einem innovativen kalten Nahwärmenetz

Stichworte: Kalte Nahwärme, kalte Fernwärme, bidirektionales Kalt-Wärme-Netz (bKWN), Eisspeicher

In Vorbereitung auf eine erneuerbare Wärmeversorgung der Gemeinde Fischerbach hat die Bürger Energie Fischerbach in einem Pilotprojekt ein Neubaugebiet mit einem innovativen kalten Nahwärmenetz ausgerüstet. Solar gespeist und mit einem Saisonspeicher (Eisspeicher) ausgerüstet, versorgt das System alle 24 Gebäude des Baugebiets.

Auch in der kleinen Gemeinde Fischerbach mit 1.700 Einwohnern hat man sich Gedanken zu den Möglichkeiten einer erneuerbaren Wärmeversorgung gemacht. Damit will sich die Gemeinde für die Reduzierung von Treibhausgasen einsetzen. Außerdem kann die Gemeinde so der zunehmenden Verteuerung der Rohstoffe begegnen, indem die Wertschöpfung in der Region gehalten wird.

Ursprünglich war in Fischerbach die Umsetzung eines mit Hackschnitzel befeuerten BHKWs für das Nahwärmenetz geplant. Doch es hatten sich nicht genügend Bewohner für den Anschluss an die Nahwärmeversorgung entschieden. So war ein Nahwärmenetz für Fischerbach auf dieser Basis unwirtschaftlich. So kam 2012 die innovative Eisspeichertechnik in Kombination mit einem kalten Nahwärmenetz zur Sprache. Zur Minderung der Skepsis in der Bevölkerung konnte die Genossenschaft ein gerade zur Erschließung freigegebenes Neubaugebiet mit der neuen Technik ausrüsten. Dort wurden bereits 2013 die ersten beiden Gebäude angeschlossen und mit Wärme versorgt.

Gemeinsam mit dem Ingenieurbüro Ottensmeier aus Paderborn wurde ein bidirektionales Netz entwickelt, das jedem Teilnehmer nicht nur die Abnahme, sondern auch die Einspeisung von Energie ermöglicht und mit dem Eisspeicher verbindet. Ein Heizungsbauer aus der Region übernahm den Einbau der Technikzentralen in jedem Gebäude. Die Investitionskosten beliefen sich auf knapp 1,1 Millionen Euro.

Die Genossenschaft beliefert mit einem Contracting-Vertrag über wahlweise 10 oder 20 Jahre die Abnehmer mit erneuerbarer Wärme. Die Wartung übernimmt der lokale Heizungsbauer im Auftrag der Genossenschaft. Ablesung und Abrechnung übernimmt die Genossenschaft selbst. Die Kunden zahlen einen jährlichen Grundpreis sowie verbrauchsbasierte Wärmekosten. Indizierte Preisklauseln in den Wärmelieferverträgen egalisieren das Inflationsrisiko bei den langen Contracting-Verträge.

Hürden und Risiken

Die innovative Technik bereitete den zu Beginn einbezogenen Planern und Lieferanten teils unerwartete Schwierigkeiten. Auch war man bei der Preisgestaltung sehr vorsichtig, um potentielle Bauherren nicht abzuschrecken. Ein gewinnabwerfendes Pilotprojekt konnte also nicht erwartet werden. Die Gemeinde sowie die Genossenschaft sind sich jedoch einig, dass am Plan zur erneuerbaren Versorgung der Gemeinde festgehalten werden soll.

Chancen und Erfolgsfaktoren

Als weitere Projekte stehen die Versorgung:

  • der Hauptstraße mit den öffentlichen Gebäuden Rathaus, Schule, Kindergarten, Sporthalle, Bauhof und Feuerwehr und einem Industriebetrieb
  • eines weiteren Neubaugebiets mit ca. 40 Gebäuden an.

Die Möglichkeiten der kalten Nahwärme sind noch längst nicht ausgeschöpft, da Energie in niedrigem Temperaturbereich an vielen Stellen abgegriffen und eingebunden werden kann.

Details zu Kalt-Wärme-Netz

Das bidirektionale Kalt-Wärme-Netz (bKWN )besteht aus einem ungedämmten Rohrleitungsnetz, einem Saisonspeicher (Eisspeicher) und elektrischen Wärmepumpenanlagen in jedem Gebäude.

Kalte Nahwärme zeichnet sich durch niedrige Systemtemperaturen im Netz aus. Dadurch ergeben sich mehrere Vorteile:

  • Weder Leitungsnetz noch Saisonspeicher müssen isoliert werden.
  • Dadurch erreicht man statt eines Leitungsverlustes im Jahresmittel einen geothermischen Energieeintrag in das System.
  • Wärmequellen mit Temperaturen ab durchschnittlich 5°C können als Energiequelle eingebunden werden.
  • Der Eisspeicher bietet im Sommer die Möglichkeit zur Raumtemperierung ohne zusätzlichen Energieeinsatz

Das System hat eine summierte Leistung von 220 kW. Jedoch wird durch die dezentralen Wärmepumpen immer nur die Leistung abgerufen, die gerade benötigt wird.

Durch den kontinuierlich wachsenden Teil erneuerbarer Energien in der Stromerzeugung reduzieren sich die CO2-Emmisionen des Heizungssystems über die Jahre immer weiter. Bereits jetzt werden Einsparungen von über 40 Prozent im Vergleich zu EnEV-konformen solarunterstützen Gasheizungen realisiert.

Material und Fotos

Mehr Informationen zum Projekt auf der Website der Genossenschaft 

Funktionsweise eines bidirektionalen Kalt-Wärme-Netzes (bKWN)

Ansprechpartner für Rückfragen
Bürger Energie Fischerbach eG
Hauptstraße 38
77716 Fischerbach
www.buerger-energie-fischerbach.de

Vorstand Wärme:
Arnold Schmid
Telefon: 07832/994692
Fax: 07832/9789516
E-Mail: info@innovativ-schmid.de

 

 

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