05. Juli 2012

Windkraft: Genossenschaften sind Akzeptanzmotor

Energiegenossenschaften fördern mehr Bürgerbeteiligung beim Ausbau der Windkraft.

Burghard Flieger: Genossenschaften bieten Chance echter Bürgerbeteiligung. (Foto: Lange)

Mit einem Aufruf an die Landespolitik zu mehr Bürgerbeteiligung beim Ausbau der Windkraft endete am Freitag, den, 29. Juni, die 3. Fachtagung „Energiewende jetzt“ in Mannheim.  „Die Bürger vor Ort wollen an der Energiewende beteiligt sein und selbst davon profitieren“, sagte Dietmar von Blittersdorff von der veranstaltenden Evangelischen Kirche der Pfalz.  Windkraftprojekte würden zukünftig ohne Rückhalt der Bürger immer schwieriger zu realisieren sein. 

Veranstalter der Tagung waren  das Netzwerk „Energiewende jetzt – Energiegenossenschaften gründen“, die innova eG, die Evangelische Kirche der Pfalz und als Kooperationspartner der Bundesverband WindEnergie e.V. Das Wirtschaftsministerium Rheinland-Pfalz förderte die Tagung.

Energiegenossenschaften bieten im Unterschied zu Investoren und großen Projektentwicklern die Chance echter Bürgerbeteiligung bei Windkraftprojekten, so Dr. Burghard Flieger, Vorstand der innova eG, in seinem Vortrag. „Bürgerinnen und Bürger sind über die Genossenschaft Betreiber und Miteigentümer. Sie haben Mitsprache, übernehmen die Geschäftsführung und die Kontrollrechte.“ 

Derzeit boomt der Ausbau der Windenergie vor allem im Süden. In Rheinland-Pfalz will das Land die Stromerzeugung aus Windenergie bis 2020 auf etwa 7500 Megawatt verfünffachen, das Land Baden-Württemberg will im gleichen Zeitraum den Anteil der Windenergie von derzeit 0,8 auf  10 Prozent steigern. Rheinland-Pfalz setzt beim „Megathema Energiewende“ auch auf Bürgerenergiegenossenschaften.

Dabei erleben die Bundesländer einen Kampf um die Windkraft-Standorte. „Alle machen Flächensicherung, teilweise mit unrealistisch hohen  Pachtversprechen“, sagte Sylvia Pilarsky-Grosch, Vizepräsidentin des Bundesverbandes WindEnergie e.V. in ihrem Vortrag. Bürgerenergiegenossenschaften haben hier Nachteile, weil sie nicht die gleichen personellen und finanziellen Ressourcen wie Wettbewerb haben. Die Chance für Genossenschaften sah Pilarsky-Grosch in der regionalen Verwurzelung. „Sie können ein Akzeptanzmotor beim Ausbau der Windkraft sein.“ Investoren und große Projektentwickler kämen mit fertigen  Konzepten, Genossenschaften hingegen können frühzeitig Bürger einbinden, um dann den besten Standort umzusetzen. 

Wertschöpfung in der Region
Den mehr als 60 Verantwortlichen von Energiegenossenschaften auf der Tagung empfahl die Vizepräsidentin des Bundesverbandes WindEnergie e.V., in den Kommunen die Vorteile von Bürgerwindrädern für die regionale Wertschöpfung deutlich zu machen. „Die Gesellschaft ist vor Ort, die Kommune erzielt Gewerbesteuereinnahmen, Bürger sind am Windrad beteiligt und lokale Unternehmen am Bau.“   

Allerdings sei die Projektierung von Windkraftanlagen ein risikoreiches Unterfangen. Für die Realisierung sei ein gutes Projektmanagement erforderlich, um die Sicherung des Grundstückes,  die Standortanalyse, die Finanzierung, das Genehmigungsverfahren, den Bau usw. gut zu bewältigen. Dabei sei es sinnvoll und notwendig, Profis von außen hinzuzuziehen. Die Verantwortlichen in der Genossenschaft bräuchten einen langen Atem. „Es ist ein schwieriges Verfahren, das Personen mit Beharrungsvermögen braucht, die auch in schwierigen Situationen sagen: Weiter.“

Burghard Flieger stellte in seinem Vortrag verschiedene Modelle vor, wie Energiegenossenschaften Windkraftprojekte realisieren, beginnend mit der finanziellen Beteiligung an Anlagen als Kommanditist.  Manche Genossenschaften gehen mit Partnern die Projektentwicklung systematisch an. Ein Beispiel lieferte in einem der Workshops nachmittags die hessische Energiegenossenschaft Starkenburg aus Heppenheim. Zusammen mit der Odenwälder Energiegenossenschaften finanzierten und betreiben die Starkenburger zwei Windräder. 

Damit sie Windkraftprojekte erfolgreich umsetzen können, müssten Genossenschaften die eigenen Wertschöpfungspotentiale in der Entwicklung und Planung optimieren, so Flieger. „Das Entscheidende für die Genossenschaft ist Erkundung und Flächensicherung,  dann kann sie auch auf die Entwicklung des Projektes Einfluss nehmen.“

Das Geld des Dorfes dem Dorfe
Gunnar Gantzhorn von der Agrokraft GmbH berichtete in einem Workshop über die Friedrich-Wilhelm Raiffeisen Windpark Streu & Saale eG. Die Genossenschaft wurde im März 2012 im Landkreis Rhön-Grabfeld von sechs Ortsenergiegenossenschaften gegründet, um das Projekt Windpark "Streu & Saale" umsetzen. Dort sollen 18 Windenergieanlagen mit einem Investitionsvolumen von etwa 90 Millionen Euro gebaut werden.

Die Idee: Die Friedrich-Wilhelm Raiffeisen Windpark Streu & Saale eG finanziert und betreibt die Windenergieanlagen. Über die sechs Ortsgenossenschaften der an den Park angrenzenden Gemeinden können sich interessierte Bürger durch ein nachrangiges Darlehen an den Windrädern beteiligen und profitieren damit direkt von deren Ertrag. 

„Es gibt keine Organisationsform, die besser auf die Bedürfnisse und Ängste der Bürger bei der Energiewende eingeht als die Genossenschaft“, sagte Burghard Flieger im Resümee zur Tagung. 

Pressebericht als Download

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