29. März 2017

Das Energiesystem wird dezentraler – die passenden Gesetze dafür fehlen

Dezentralität wird ein dauerhaftes Strukturmerkmal des Stromsystems und kann Mehrwert generieren. Dafür braucht es einen gesetzlichen Ordnungsrahmen, so die Agora Energiewende.

Foto: Rainer Lange, Netzwerk Energiewende Jetzt

Das Strom- und Energiesystem entwickelt sich zu immer dezentraleren Strukturen. Doch die heutigen Regelungen zu Dezentralität bei Netzentgelten, Steuern, Abgaben und Umlagen seien chaotisch. Das legt der Thinktank Agora Energiewende in einer ausführlichen Analyse dar. „Wir haben keinen zweckmäßig gestalteten Rahmen, in dem dezentrale Lösungen sinnvoll den zentralen Strommarkt ergänzen könnten“, so Dr. Patrick Graichen, Direktor von Agora Energiewende.

Eine ausschließlich zentrale Steuerung verbunden mit immer mehr Netzausbau reiche nicht aus. Ökonomisch liege der Mehrwert dezentraler Strukturen z.B. in vermiedenem Netzausbau und Regionalität in der Stromversorgung. Dafür gebe es jedoch noch keinen Marktrahmen, etwa für die regionale Grünstromvermarktung.

Die Autorinnen und Autoren beleuchten und diskutieren die unterschiedlichen Dimensionen der Dezentralität: Eigenversorgung, die regionale Verteilung von Erzeugung und Verbrauch, die regionale Vermarktung von Ökostrom, regionale Smart Grids beziehungsweise Smart Markets sowie die Rolle der Bürgerenergie und kommunaler Unternehmen.

Die Experten identifizieren drei Treiber der Dezentralität: den massiven Ausbau von Wind- und Solaranlagen, immer mehr Stromproduzenten und technologische Entwicklungen wie Stromspeicher, Elektromobilität und Wärmepumpen sowie die Digitalisierung. Smart Grids und Smart Markets kommen in der Energiewende die wichtige Aufgabe zu, die Millionen dezentraler Anlagen durch eine intelligente Steuerung in den Netzbetrieb zu integrieren. Die Agora Energiewende kritisiert hier, dass es im deutschen Energierecht bisher noch nicht einmal eine Definition des Smart Grids gebe.

Die klassische Verteilung der Rollen in Erzeuger und Verbraucher seien heute schon teilweise aufgehoben und die Prosumer, also die eigenerzeugenden Verbraucher, treiben die Transformation doppelt voran. Sie sind für einen Teil des Ausbaus der Erneuerbaren Energien mitverantwortlich und stützen „durch ihre Beteiligung die Transformation auch aus der Gesellschaft heraus“, so die Expertise.

Dr. Patrick Graichen skizziert im Ausblick am Ende der Expertise sechs Thesen zu einem Ordnungsrahmen der Dezentralität. Er plädiert dafür, drei Ebenen zu unterscheiden, auf denen zeitgleich Erzeugung und Verbrauch synchronisiert werden: Zum einen unmittelbar vor Ort, ohne dass öffentliche Netze genutzt werden. Zweitens Strom, der innerhalb einer Region produziert und verbraucht wird. Die Agora Energiewende schlägt 20 bis 40 solcher Regionen in Deutschland vor. Schließlich die überregionale und bundesweite Ebene, bei der Strom von einer Region in andere transportiert wird. Durch die ordnungspolitische Gestaltung von Steuern und Abgaben solle der lokale und regionale Verbrauch günstiger werden.

Zum kostenfreien Download der Studie

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