25. Mai 2017

Schüler machen Energie

Die Schülergenossenschaft Öko-E an der Gesamtschule in Windeck/Sieg wirbt Stromkunden für die Bürgerwerke eG in Heidelberg, betreibt das Internetportal www.eco-ferien.de und betreut Streuobstwiesen in der Region. Der Gewinn für die Jugendlichen: Sie erleben in Schülergenossenschaften Selbstwirksamkeit.

13 Schülerinnen und Schüler im Alter von durchschnittlich nur 12 Jahren, das ist die Schülergenossenschaft Öko-E. „Die Schüler handeln mit größter Ernsthaftigkeit in ihrem genossenschaftlichen Unternehmen“, sagt der projektbetreuende Lehrer Holger Siems.

Für ihren Kooperationspartner, die Bürgerwerke eG, will die Schüler*innengenossenschaft Stromkunden gewinnen, in den ersten Monaten waren es acht Stromkunden. Auf dem Internetportal eco-ferien bietet Öko-E derzeit 103 Unterkünfte mit Nachhaltigkeitskriterien an. Außerdem verkaufte die Genossenschaft 94 Flaschen Apfelsaft und pflanzte auf einer Streuobstwiese der Gemeinde Waldeck/Rosbach drei neue Obstbäume. Das klingt für Erste nicht viel. „Doch zunächst steht auch die Qualifizierung der jungen Schülergenossen im Vordergrund unserer Arbeit“, sagt Holger Siems.

Realitätsnahes Arbeiten - die Idee

Mit den Schülergenossenschaften wird eine Rechtsform geschaffen, die ein sehr realitätsnahes Arbeiten ermöglicht. Ein Genossenschaftsverband prüft bei der Gründung den Geschäftsplan und die Einhaltung rechtlicher Vorgaben und dann am Ende jedes Geschäftsjahres die Genossenschaft – wie bei einer echten Genossenschaft. Zudem stehen „Patengenossenschaften“ den Schülerinnen und Schülern mit ihrem Praxiswissen beratend zur Seite und unterstützen den Gründungsprozess auch finanziell, da Schülerfirmen keine Kredite aufnehmen dürfen. Die „Patengenossenschaften“ der Öko-E sind die Rosbacher Raiffeisenbank eG und die Energiegenossenschaft Maxwäll eG. Die Öko-E hat auf einen höheren Betrag je Genossenschaftsanteil der Mitglieder verzichtet, damit auch z. B. Flüchtlingskinder Zugang zu diesem Projekt haben. Deshalb stammt auch eines der Vorstandsmitglieder aus Aleppo.

Stromkunden werben für die Bürgerwerke eG

Für 2017, das erste volle Geschäftsjahr, haben sich die Schülerinnen und Schüler einiges vorgenommen. Sie bieten – zunächst im Umfeld der Schule – jeden Donnerstagnachmittag zwei Stunden eine persönliche Beratung anhand der letzten Stromabrechnung an. Dabei versuchen sie die Interessenten davon zu überzeugen, dass es nicht nur darum gehen kann, den aktuell billigsten Anbieter zu finden, sondern auch auf andere Qualitäten zu blicken. Das sind z. B. unbefristete und gerecht bezahlte Arbeitsplätze, faire Kündigungsfristen, auf Dauer möglichst gleichbleibende Preise mit transparenter Kostenaufstellung und schließlich insbesondere eine möglichst geringe Umweltbelastung. Zudem haben die jungen Genossinnen und Genossen die Einwohner Rosbachs mit Flyern der Bürgerwerke und Presseberichten auf das Beratungsangebot aufmerksam gemacht. Auch die Anbieter von Ferienunterkünften auf www.eco-ferien.de haben mit dem Versand der Rechnungen Informationen über das Angebot der Bürgerwerke bekommen. Auf dem Schulfest Anfang Juli, dem „Rosbacher Sommernachtstraum“ werden Eltern, Großeltern und das Lehrpersonal der Schule das Öko-Strom-Angebot aufmerksam gemacht. Im neuen Schuljahr plant die Schülergenossenschaft einen Newsletter. Der soll auch aktuelle Nachrichten aufgreifen, z. B. die Schwierigkeiten bei der Suche nach einem atomaren Endlager, Neuigkeiten von den Bürgerwerken oder den Energiegenossenschaften in der Region, Protestaktionen gegen Braunkohletagebaue im Rheinland und so weiter.

Internetportal www.eco-ferien.de

Auf dem Internetportal können sich ausschließlich Anbieter von Naturcampingplätzen, Bio-Pensionen und Bio-Hotels eintragen, damit Urlauber bei ihrer Feriengestaltung auch auf Umweltaspekte (z.B. Ökostrom, ökologische Bauweise von Gebäuden, energetische Gebäudesanierung, umweltschonende Freizeitangebote etc.) achten können.

Selbstwirksamkeit erleben

Durch die praktische Zusammenarbeit mit dem Schulträger/der Kommune lernen die Jugendliche früh die Mitarbeiter in der Verwaltung sowie politische Amtsträger kennen. Nach den Landtagswahlen in NRW wollen die jungen Schülergenossinnen und -genossen Kontakt zu den Abgeordneten in der Region aufnehmen und diese zu einer Diskussionsrunde einladen. „Junge Menschen, die gelernt haben, wie Wirtschaft funktioniert und wie man politische Forderungen formuliert und adressiert, werden sich als junge Erwachsene eher ehrenamtlich für öffentliche Belange einsetzen“, sagt der projektbetreuende Lehrer Holger Siems. „Denn Jugendliche erleben in Schülergenossenschaften Selbstwirksamkeit.“

Zur Website von Öko-E

Ansprechpartner
Holger Siems, projektbetreuender Lehrer
Gesamtschule Windeck
Hurster Str. 12 51570 Windeck-Rosbach
Tel.: 02292 5162  E-Mail: siems-wissen@nospamt-online.de 

 

 

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