28. November 2016

Ideen, Austausch und Schwung für neue Projekte

Quartierskonzept, Batteriespeicher, Erneuerbare Wärme aus dem Moor, Energiepartnerschaft mit Unternehmen. Das Netzwerktreffen 2016 von Energiewende Jetzt in Leipzig bot viele Impulse.

Foto: von Blittersdorff / Netzwerk Energiewende Jetzt e.V.

Passend zum Veranstaltungsort im Leipziger Westen machten zwei Sanierungsmanager des Energetischen Sanierungsmanagements in Leipzig den Auftakt des Netzwerktreffens. Die Ingenieure analysierten die Energie- und CO²-Bilanz in den Stadtteilen Lindenau-Plagwitz und Alt-Schönefeld, ermittelten Potenziale für eine sozialverträgliche energetische Sanierung herausarbeiten und entwickelten Handlungsfelder. Bei der Umsetzung erleben die Sanierungsmanager derzeit eine abwartende Haltung: „Wir warten auf Akteure, die sagen. Wir wollen etwas umsetzen.“ Das Fazit der anschließenden Diskussion: Vielleicht können Energiegenossenschaften diese Akteure sein.

Über 20 Projektentwickler/-innen für Energiegenossenschaften und Mitglieder des Netzwerkes Energiewende Jetzt waren zum 4. Netzwerktreffen am 11. und 12 November nach Leipzig gekommen.

Dr. Matthias Mattiza stellte die gastgebende Energiegenossenschaft Leipzig eG (EGL) vor. Im Juni 2015 ging das erste Projekt der Leipziger in Betrieb, eine PV-Anlage auf dem Ludwig-Hupfeld-Center mit einem Direktverbrauch von etwa 70 Prozent. Aktuell wirbt die Genossenschaft Kunden für den Leipziger Bürgerstrom. Die Presse-AG der EGL arbeitet derzeit an einem Werbefilm für den Bürgerstrom. Die Herausforderungen der Genossenschaft: Wie kommen wir an motivierte Mitglieder, die in Schlüsselbereichen wie Wind, Wärme, Speicher fit sind bzw. sich darin einarbeiten wollen? Und wie entwickeln wir die Genossenschaft trotz des Dauerhemmnisses Zeitmangel weiter? In einer intensiven Runde diskutierten Teilnehmer Wege zur Professionalisierung: Die Einstellung von Minijobbern, freiberufliche Mitarbeiter auf Provisionsbasis, die Gründung von Tochtergesellschaften, die die Projektentwicklung übernehmen.

Der Samstag bot ein kompaktes Programm mit acht Themen, jeweils 20 Minuten Vortrag und 20 Minuten Diskussion. Hier die einzelnen Beiträge.

Quartiersversorgung  mit Wärme, Strom und Mobilität. 

Projektentwickler Felix Duffner vom Verein Energiewende e.V. in Furtwangen stellte die Versorgung von fünf städtischen Gebäuden mit Wärme und Strom aus Sonne, Holz und Kraft-Wärme-Kopplung vor. Die Bewohner nutzen zudem gemeinschaftlich ein E-Mobil. Die Erweiterung steht schon an. Ein Neubau eines Studentenwohnheims an der anderen Straßenseite soll an das Wärmenetz angeschlossen werden.

Ein Bericht über das Projekt ist auf der Praxisplattform Geschäftsmodelle eingestellt.

Batteriespeicher – zukünftiges Geschäftsfeld für Energiegenossenschaften

Energiespeicher sind der Schlüssel für die Systemstabilität einer dezentralen Energieversorgung, sagte Dietmar Geckeler in seinem Vortrag. Für Energiegenossenschaften sieht er Potentiale in Bezug auf die Nutzungsvielfalt. Eigenversorgungsmodelle in Verbindung mit PV-Anlagen und Blockheizkraftwerke können ebenso interessant sein wie die Bereitstellung einer unterbrechungsfreien Stromversorgung und Spitzenlastkappung im Gewerbe durch Leistungsspeicher.

Erneuerbare Wärme aus dem Moor

Deutschland sind 99 Prozent der Moore entwässert und emittieren genauso viel Treibhausgase wie der gesamte Flugverkehr in Deutschland. Intakte Moore hingegen sind Kohlenstoffspeicher. Anke Nordt vom Greifswald Moor Centrum präsentierte das Konzept der Paludikultur (lat. palus - Sumpf), eine nachhaltige klimaschonende Bewirtschaftung von Mooren. Dabei werden an hohe Wasserstände angepasste Pflanzen wie .B. Seggen, Schilf, Rohrkolben mit angepasster Technik genutzt. Diese nachwachsenden Rohstoffe können für die Nahwärmeversorgung genutzt werden. So nutzt das Biomasseheizwerk Malchin als Pilotanlage Heu aus der Paludikultur als Brennstoff.

Genossenschaftliche Eigenmarken bei Energieeffizienzprodukten

Die Arbeitshypothese von Projektentwickler Franz Streibl, die er am Beispiel Waschmaschinen erläuterte: Energiegenossenschaften können gemeinsam langlebige Energieeffizienzprodukte als Eigenmarken vermarkten. Verbunden mit einem dezentralen Reparaturnetz schont das Ressourcen, vermeidet Elektroschrott und bindet regionale Kunden an die Genossenschaft.

Fruchtbare Energiepartnerschaft: Mittelständige Unternehmen und Energiegenossenschaften

Aufsichtsrat Michael König und Vorstand Christoph Würzburger präsentierten das Projekt Energiepartnerschaft der Urstrom eG in Mainz. Einige Geschäftsmodelle von Energiegenossenschaften sind für Unternehmen und Gewerbebetriebe interessant: Planung, Finanzierung, Bau und Betrieb von PV-Anlagen, Direktverbrauchs- oder Anlagenpachtmodelle mit Reststrombezug, Beleuchtungscontracting, Beratung zum Lastmanagement u.a. Die guten Argument für die Energiepartnerschaft: Genossenschaften sind ein starker regionaler Partner, Unternehmen sparen sich eigene Investitionen, haben langfristig planbar günstige Energiekosten und einen Imagegewinn. Bei zwei Unternehmen erproben die Urstromer momentan das Modell.

PV-Anlagen für Gewerbe: Direktstromlieferung vs. Pachtmodell
Photovoltaik-Projekte werden wieder interessant für Energiegenossenschaften, sagte Klaus Grieger, Vorstand der Urstrom eG Mainz. Wegen des geringen PV-Zubaus steigt nächstes Jahr die EEG-Vergütung, gleichzeitig sind die Modulkosten gesunken. Der Urstrom-Vorstand erläuterte auch differenziert, wann PV-Direktstrom- und wann PV-Pachtmodelle zu empfehlen sind und wann die Zahlung einer zusätzlichen Dachpacht sinnvoll ist

Windprojekte - Herausforderung bei der Planung und Finanzierung

Matthias Mattiza von der Energiegenossenschaft Leipzig berichtete aus der Perspektive eines „Wind-Neulings“ über die Erfahrungen der Genossenschaft bei der Vorplanung eines Windprojektes. Genossenschaften brauchen das Knowhow über die einzelnen Schritte der Windplanung und müssen mit Hilfe von (externen) Beratern z.B. Wirtschaftlichkeits- und Risikoprüfungen durchführen können. Bleibt die Frage, wie sie die hohe und risikoreiche Vorfinanzierung stemmen. Für die Beteiligung an Ausschreibungen ab 2017 werden sich Kooperationsmodelle mit Windprojektieren und finanzierenden Banken entwickeln. Für Projektierer können Energiegenossenschaften ein interessanter Partner für die Bürgerbeteiligung sein. Doch wie können Energiegenossenschaften die Kooperationsangebote verschiedener Projektierer bewerten? „Wir können Flächensicherung und Bürgerbeteiligung“, so ein Teilnehmer der Arbeitsgruppe in der lebhaften Diskussion.

Die Zusammenarbeit zwischen Stadtwerk und Energiegenossenschaft

„Energie in Gemeinschaft auf Verteilnetz-/Gasnetzebene statt teure Energie, das ist meine Vision für lokale Wertschöpfung und Prosperität.“ Stephan Rieping von der Bürger-Energie-Genossenschaft Sonnenwende in Harsewinkel hielt ein Plädoyer für die Kooperation von Stadtwerken und Energiegenossenschaften und stellte ein Modell der Sharing Economy vor.

Text: Rainer Lange, Netzwerk Energiewende Jetzt
Foto: Dietmar von Blittersdorff, Netzwerk Energiewende Jetzt

 

 

 

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