04. März 2014

Strom aus dem eigenen Keller

Die Solar-Bürgergenossenschaft in Freiburg hat ihr erstes Blockheizkraftwerk in einem Mehrfamilienhaus realisiert. 45 Haushalte können mit Wärme und Strom versorgt werden.

Etwa drei Millionen Wohngebäude mit drei oder mehr Wohnungen gibt es in Deutschland, viele mit schlechter Energiebilanz. „Besonders der Altbau mit vielen Parteien ist der größte unerschlossene Bereich für effiziente Energiegewinnung und -nutzung“, sagt Kaj Mertens-Stickel, Vorstand der Solar-Bürgergenossenschaft.

Schon seit zwei Jahren tüftelt eine Arbeitsgruppe der Solarbürger an einem gangbaren Modell. Nun hat die Genossenschaft ein Projekt zusammen mit der Eigentümergemeinschaft zweier Häuser in Gundelfingen bei Freiburg umgesetzt. Seit Mitte Dezember 2013 werden die 45 Haushalte mit Wärme und optional mit Strom aus dem Blockheizkraftwerk versorgt. Erwirtschaften soll die Anlage rund 70.000 Kilowattstunden Strom im Jahr. 

Komplexes Eigenverbrauchsmodell

Baut eine Eigentümergemeinschaft selbst ein Blockheizkraftwerk (BHKW) und möchte, dass die Mieter den Strom nutzen, dann wird sie zum Energieversorger. Das ist aufwändig und teuer, weil einige bürokratische Anforderungen zu erfüllen sind und die EEG-Umlage abgeführt werden muss.

Dies umgeht das Modell in Gundelfingen. Die Genossenschaft hat die 70.000 Euro teure Anlage finanziert, ist Eigentümerin der Anlage und vermietet sie an die Bewohner. Alle Bewohner, die im Haus Wärme und Strom nutzen, sowie die Genossenschaft haben eine Betreibergesellschaft als GbR gegründet. Diese Betreibergesellschaft wiederum beauftragt die Genossenschaft mit der Betriebsführung. Den Strom aus dem BHKW, den die Mitglieder beziehen, ist Eigenverbrauch. Somit wird nach § 37 EEG keine EEG-Umlage fällig und Stromsteuer gespart. Entwickelt hat das Modell die „EnergyConsulting Christian Meyer“.

Viele Variablen

Wie viele Bewohner beziehen wieviel Strom? Wie entwickelt sich ihr Stromverbrauch? Wieviel wird geheizt? Wie stark steigen Strom- und Gaspreise und wie entwickelt sich das Verhältnis zwischen den beiden? „Bei dem Projekt gibt es viele Unsicherheiten“, sagt Kaj Mertens-Stickel. Schwierig ist auch der lange Prognosezeitraum. Die KWK-Zulage läuft nach zehn Jahren aus. Dann ist die Anlage, die 15 bis 16 Jahre laufen soll, noch nicht refinanziert. „Wir sind mit dem BHKW-Projekt ein Risiko eingegangen.“

Gewinner auf allen Seiten

Das stromerzeugende Blockheizkraftwerk vermeidet Wärmeverluste an die Atmosphäre, schont so Ressourcen und vermeidet CO2. Die Eigentümer werden von Kosten und Aufwand entlastet, da die Genossenschaft die Investition und Realisierung übernimmt. Die Bewohner bekommen ohne Mietsteigerung eine moderne Heizung. Sie reduzieren ihre Energiekosten, beziehen günstig Wärme und selbst erzeugten Strom. „Die Bewohner sparen zum Teil zehn Prozent und mehr“, sagt Mertens-Stickel. Auf Dauer soll der Strompreis um zwei Cent günstiger als beim regionalen Versorger sein. Schließlich haben die örtlichen Gemeindewerke das Projekt unterstützt, obwohl sie nur den Reststrom liefern, den das BHKW nicht erzeugt. Das Projekt bürgernaher, dezentraler Energieerzeugung bringt Renommee.

Vertrauen schaffen

80 Prozent der 45 Haushalte will die Genossenschaft als Stromabnehmer gewinnen, zwei Drittel hat sie schon nach zwei Monaten Betrieb überzeugt. „Viele haben gesagt, das Konzept klingt für sie sinnvoll“, sagt Kaj Mertens-Stickel. „Doch entscheidend ist das Vertrauen.“ Türöffner war einer der Verwaltungsbeiräte, der tatkräftig das Projekt unterstützte und selbst Stromabnehmer warb.

Hoher Aufwand

Verbrauchsdaten prüfen, Eignungsanalyse, Förderbedingungen ermitteln, Kalkulation erstellen, Ausschreibungen machen, Stromkunden werben, Organisation von Bau, Abschluss, Anmeldung usw. Zwar haben die Solarbürger einen Planer für die Realisierung beauftragt, doch im Projekt steckt sehr viel ehrenamtliche Arbeit. „Mit diesem Aufwand können wir nicht viele weitere BHKW-Projekte realisieren“, sagt Kaj Mertens Stickel. Man brauche Tools, um möglichst viel zu automatisieren.

Sorgen machen den Solarbürgern derzeit die EEG-Pläne von Wirtschaftsminister Gabriel. Im „EEG 2.0.“ soll der Eigenverbrauch mit der EEG-Umlage belegt werden. Das wäre das wirtschaftliche Aus für genossenschaftliche KWK-Modelle so wie in Gundelfingen. Die Solarbürger rechnen schon Szenarien mit Stromspeichern durch. Damit ließe sich der Verbrauch im Haus erhöhen, doch müssten auch mehr Parteien den Strom abnehmen.

Die Solar-Bürgergenossenschaft bleibt dran an der dezentralen, bürgernahen und effizienten Energiegewinnung und –nutzung in Altbauten.

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Kontakt 
Solar-Bürger-Genossenschaft eG
Kaj Mertens-Stickel
Gerberau 5, 79098 Freiburg
Tel.: 0761 / 89629224
E-Mail: info@nospamsolargeno.de
www.solargeno.de

 

 

 

 

 

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