09. April 2014

Studie: EEG-Reform gefährdet Bürgerenergie

Setzt die Regierung ihre Pläne zur verpflichtenden Direktvermarktung und zu Ausschreibungen fort, kann dies das endgültige Aus für Bürgerenergie bedeuten. Dies meint eine aktuelle Studie der Leuphana Universität Lüneburg im Auftrag von Bündnis Bürgerenergie und BUND.

Vor allem Bürgerenergiegenossenschaften, Bürgerwindparkbetreiber und Privatpersonen sind von den vorgesehenen Änderungen im EEG-Gesetz negativ betroffen. Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Studie der Leuphana Universität Lüneburg zur Marktrealität von Bürgerenergie-Projekten im Auftrag des Bündnis Bürgerenergie und des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)

Eine der Gefahren für das Engagement der Bürger bei der Energiewende ist laut Studie die geplante „Verpflichtende Direktvermarktung“. Die Bundesregierung wolle Erzeuger von erneuerbarem Strom dazu bringen, die Vermarktung ihres Stroms an den Vorgaben der Strombörse auszurichten. Dies mache Bürgerenergie-Akteure von hochspezialisierten Vermarktungsunternehmen abhängig. „Bürgerenergie-Akteure sind aufgrund der geringen Größe für die Vermarktungsunternehmen nicht besonders attraktiv. Es ist daher zu erwarten, dass sie von den Vermarktern zuletzt und dazu mit den schlechtesten Konditionen bedient werden. Die Folge: Bürgerenergie wird es schwer haben, sich weiter auf dem Markt zu behaupten“, so Heinrich Degenhart, Professor für Finanzierung und Finanzwirtschaft an der Leuphana Universität Lüneburg.

Besonders bedrohlich für Bürgerenergiegenossenschaften, Bürgerwindparkbetreiber und Privatpersonen ist laut Untersuchung auch die geplante Regelung, wonach ab 2017 nur noch Marktteilnehmer Erneuerbare-Energien-Anlagen errichten dürften, die per Ausschreibung den Zuschlag erhalten. Dies könnte das endgültige Aus für die Bürgerenergie bedeuten. „Die volkswirtschaftliche Logik und sämtliche Erfahrungen aus der Praxis anderer Länder zeigen: Ausschreibungen begünstigen die größten Anbieter“, so Lars Holstenkamp von der Leuphana Universität. „Mit einer Ausschreibung entstehen Transaktionskosten und Risiken, die größere Unternehmen leichter abfangen können. Bürgerenergie-Akteure hingegen können weder die Risiken streuen, sie durch eigenes großes Kapital absichern oder die höheren Transaktionskosten zwischenfinanzieren. Bürgerenergie wird daher kaum eine Chance haben, sich im Ausschreibungsverfahren gegen größere Konkurrenten durchzusetzen.“

„Wir haben in Deutschland über eine Million Menschen, die privat viele Milliarden Euro in die erneuerbaren Energien investiert haben. Sie sind es, die uns schneller von riskanten Atom- und klimaschädlichen Kohlemeilern wegbringen. Energie in Bürgerhand garantiert eine von allen akzeptierte und sozial verträgliche Gestaltung der Energiewende“, sagte Hubert Weiger, BUND-Vorsitzender. „Der EEG-Reform-Vorschlag der Bundesregierung schafft zusätzliche Risiken für diesen wichtigen Motor der Energiewende. Wir fordern die Bundestagsabgeordneten auf, im weiteren Abstimmungsprozess diese Fehler zu korrigieren“.

„Bürgerenergie ist der Marktführer der Energiewende, und so soll es auch bleiben. Die Energiewende ist zu wichtig, um sie großen Konzernen zu überlassen“, ergänzte René Mono, Vorstand des Bündnis Bürgerenergie. „Die Bundesregierung muss endlich ein Marktumfeld entwickeln, in dem sich Bürgerenergie weiter dynamisch entwickeln kann. Denn dezentrale erneuerbare Energien sind längst konkurrenzfähig – vorausgesetzt, der Wettbewerb ist fair und nicht durch Subventionen für alte Atom- oder Kohlekraftwerke verzerrt.“

Die Studie „Marktrealität von Bürgerenergie und mögliche Auswirkungen von regulatorischen Eingriffen in die Energiewende“zum Downloaden.

Das Positionspapier des Bündnis Bürgerenergie zur EEG-Reform

@ 2014 Netzwerk Energiewende jetzt | Links | Impressum | Datenschutzerklärung | Kontakt
Ev. Arbeitsstelle Bildung und Gesellschaft
Dietmar Freiherr von Blittersdorff (Projektleitung)
Kronstraße 40 | 76829 Landau
Tel.: 06341-9858-16 | Fax: 06341-9858-25
info@energiegenossenschaften-gruenden.de