08. Januar 2017

Klimaschutz und Wärmeversorgung durch nachhaltige Nutzung von Mooren

In Deutschland sind die meisten Moore trockengelegt und Hotspots für Treibhausgasemissionen. Das Vernässen der Moore reduziert den CO2-Ausstoß..

Fotos: T. Dahms /Greifswald Moor Centrum

Moorböden bestehen aus Torf, d.h. aus abgestorbenen Pflanzenresten. Diese werden unter Ausschluss von Sauerstoff durch permanente Wassersättigung unvollständig zersetzt und reichern sich langfristig an. Naturnahe, wassergesättigte Moore sind klimakühlend. Moorböden stellen mit 1,2 Milliarden Tonnen Kohlenstoff den größten terrestrischen Kohlenstoffspeicher Deutschlands dar.

Bei der konventionellen Nutzung für Land- und Forstwirtschaft und Torfabbau werden Moorböden entwässert. Dabei gelangt Sauerstoff in den Boden, wodurch der Torf mikrobiell zersetzt und Kohlendioxid (CO2) und Stickstoffdioxid (N2O) freigesetzt werden. Entwässerte Moore sind daher Hotspots für Treibhausgasemissionen. Die Moorflächen in Deutschland sind fast vollständig entwässert. Moore haben einen Anteil von 7,3 Prozent an der landwirtschaftlich genutzten Fläche Deutschlands, sind jedoch verantwortlich für die Freisetzung von gut vier Prozent der gesamten deutschen Treibhausgasemissionen. Dies entspricht in etwa dem Doppelten der Emissionen des gesamten Flugverkehrs von und nach Deutschland.  

Vernässen der Moore reduziert CO2-Emissionen

Um die Treibhausgas-Emissionen aus Mooren zu reduzieren, müssen Moore wieder vernässt werden.

  • Kohlenstoffverluste vermeiden: Das Potenzial für Emissionsminderungen durch Wiedervernässung in Deutschland wird auf mehr als 25 Millionen Tonnen CO2-Äq. pro Jahr geschätzt.
  • Kohlenstoff festlegen & festhalten: Wachsende Moore legen einen Teil der produzierten Biomasse dauerhaft als Torf fest. Die jährliche Festlegung von Kohlenstoff ist nicht hoch, aber mittel- bis langfristig bedeutsam.
  • Kohlenstoff binden & nutzen: Nach Wiedervernässung entzieht dem an nasse Bedingungen angepassten Pflanzenbestand CO2 aus der Atmosphäre und wandelt es in Biomasse um. Wird diese Biomasse genutzt um fossile Rohstoffe- und Energieträger zu ersetzen, führt dies zu einer zusätzlichen Minderung der Emissionen.

Moore nachhaltig nutzen

Paludikultur (palus – lat.: Sumpf) bezeichnet die Bewirtschaftung nasser bzw. wiedervernässter Moore. Der Torfkörper wird durch ganzjährig hohe Wasserstände konserviert und kann sich bei idealen Bedingungen neu bilden. Die oberirdische Biomasse von Schilf, Erle, Rohrglanzgras und anderen angepassten Pflanzen wird als nachwachsender Rohstoff geerntet und stofflich oder energetisch verwertet. Landwirtschaftliche Nutzflächen auf Mooren werden so erhalten und tragen zur regionalen Wertschöpfung bei. Zudem dienen sie dem Nährstoffrückhalt, Artenschutz und als Puffer für Extremwetter-Ereignisse.

Die Wiedervernässung von landwirtschaftlich genutzten Moorflächen führt dazu, dass die gängige Produktion von Nahrungsmitteln, Rohstoffen und Energieträgern dort aufgegeben werden muss. Aus Sicht des Klimaschutzes ist dies zu begrüßen. „Biogas“ aus Mais, der auf Moorböden angebaut wird, verursacht etwa 8-mal so viel an Treibhausgasemissionen wie Steinkohle. Auch beim Anbau von Nahrungsmitteln ist auf Moorflächen dem Klimaschutz Vorrang zu gewähren. In Teilen ist dies angepasst auf wiedervernässten Mooren möglich (z.B. Wasserbüffel). Deshalb ist es sinnvoll und notwendig, die Landnutzung standortbezogen zu optimieren: Nahrungsmittelproduktion vor allem auf Mineralböden, Produktion von Rohstoffen und Energiepflanzen vor allem in Paludikultur. Stofflich kann die Biomasse zu Bau- und Dämmstoffen veredelt werden. Die energetische Verwertung erfolgt thermisch zur Bereitstellung von CO2-neutraler Wärme oder als Co-Substrat in Biogasanlagen.

Pilotanlage Heizwerk Malchin in Mecklenburg-Vorpommern

Seit 2014 versorgt das erste Paludi-Biomasse-Heizwerk mit einem 800 kW-Kessel über 500 Haushalte und mehrere öffentliche Gebäude ganzjährig mit Wärme (rd. 4000 MWh/a, Grund- und Mittellast). Der Biomassekessel ist eine etablierte Technik für die Verfeuerung von Stroh und wurde auf besondere Eigenschaften bei der Zuführung und Verbrennung von Paludi-Biomasse angepasst. Etwa 1200 t Brennstoff werden auf rund 200 Hektar wiedervernässten Flächen als Rohrglanzgras- und Seggenheu produziert. Damit wird jährlich das Äquivalent von 350.000 l Heizöl eingespart. Die erzeugte Wärme wird über einen Pufferspeicher in das Fernwärmenetz eingespeist. Die Spitzenlast deckt ein Erdgaskessel ab. Im Vergleich zu Bioenergiedörfern mit Wärmeversorgung aus Biogasanlagen wird in einem Paludi-Heizwerk kein Strom erzeugt.

Genossenschaftliche Wärmenetze als Option

Wir suchen vor allem in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg weitere Standorte für Paludi-Heizwerke, die in mittelbarer Entfernung zu den Moorflächen liegen sollten, auf denen die Biomasse geerntet wird. Der Neubau von Fernwärmenetzen stellt kleine Kommunen jedoch vor finanzielle Herausforderungen. Eine Energiegenossenschaft, die lokal die Wärmeversorgung plant, finanziert und umsetzt, kann hier ein Lösungsansatz sein. Für die kleine Stadt Tribsees im Landkreis Vorpommern-Rügen planen wir mit kooperierenden Partnern den Neubau eines Wärmenetzes und einem Paludi-Heizwerk, an das 13 Mehrfamilienhäuser, eine Schule und ein Bildungszentrum angeschlossen werden könnten. Der Wärmebedarf sollte 3000 MWh/a nicht unterschreiten. Offen ist bisher noch die Finanzierung bzw. Trägerschaft des Wärmenetzes.

Greifswald Moor Centrum

Das Greifswald Moor Centrum ist eine Kooperation der Universität Greifswald, der Michael Succow Stiftung und DUENE e.V. Über 50 Moorkundler aller Disziplinen arbeiten hier an der Schnittstelle von Wissenschaft, Politik und Praxis. Das Moor Centrum erarbeitet u.a. Analysen zur Klimawirkung von Mooren, forscht und berät über Wiedervernässung und Paludikultur (u.a. Aufbau von Verwertungsstrukturen von Paludi-Biomasse). Zudem entwickelt es neuartige Instrumente und Methodologien zum Klimaschutz durch Moore. Mehr Information zum Greifswald Moor Centrum: www.greifswaldmoor.de

Text: Anke Nordt, Greifswald Moor Centrum, Projektentwicklerin für Energiegenossenschaften,
E-Mail: anke.nordt@nospamgreifswaldmoor.de

Fotos: T. Dahms /Greifswald Moor Centrum

 

 

 

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