18. März 2014

Mieter kaufen Solarstrom direkt vom Dach

Die Heidelberger Energiegenossenschaft eG (HEG) setzt eine soziale Innovation um. Sie verkauft den vor Ort produzierten Ökostrom günstig an Mieterinnen und Mieter.

Die Heidelberger Energiegenossenschaft eG (HEG) hat auf sieben Mehrfamilienhäusern Solaranlagen mit einer Gesamtleistung von 445 kWp realisiert und verkauft den dort produzierten Strom an die Bewohner. „Die Mieterinnen und Mieter können vom günstigen Solarstrom von ‚ihrem‘ Dach profitieren“, erklärt Felix Schäfer, Vorstand der Heidelberger Energiegenossenschaft.

Echtes Gemeinschaftsprojekt

Das Projekt wurde anlässlich des Jahres der Genossenschaft im Jahr 2012 angestoßen. Die Heidelberger Energiegenossenschaft und die Baugenossenschaft Familienheim Heidelberg eG als Gebäudeeigentümerin vereinbarten eine Kooperation. Finanziert wurden die Anlagen gemeinsam von Bewohnerinnen und Bewohnern vor Ort und weiteren Heidelberger Bürgern. Das Grüner Strom Label, ebenfalls begeistert von der Idee, förderte das Projekt mit Mitteln aus ihren zertifizierten Ökostromprodukten.

Solarstrom  direkt: 100 % Ökostrom

Die Heidelberger Energiegenossenschaft betreibt die Anlagen mit einer Nennleistung von 445 Kilowatt und kann damit rechnerisch alle der über 100 Haushalte versorgen. Ziel ist, so viel Solarstrom wie möglich vor Ort zu verbrauchen. „Wir werden den Mietern den Solarstrom immer vorrangig anbieten, bevor wir ihn in das Stromnetz einspeisen“, sagt Nicolai Ferchl, Vorstand der HEG. Im ersten Schritt sind bereits 10 Prozent der Mieter zur HEG gewechselt, das ist nach den Vorstellungen des Vorstands jedoch erst der Anfang.

Den günstigen, eigens erzeugten Solarstrom bietet die Genossenschaft in Kombination mit zugekauftem Ökostrom der Naturstrom AG den Mieterinnen und Mietern in einem Paket an. Die Mieter bekommen so alles aus einer Hand. Die HEG bietet ihren Tarif „Solarstrom Direkt“ mit einem Arbeitspreis von 25,40 Ct/kWh und einer Grundgebühr von 6,95 €/Monat (Brutto) an. Damit ist die HEG mit einem reinen Ökostromtarif deutlich günstiger als die (konventionellen) Tarife des örtlichen Versorgers.

Genossenschaft als Energieversorger

Mit dem Projekt „Solarstrom direkt“ wurde die HEG zum Energieversorger mit den damit verbundenen Pflichten. Um die Mieterinnen und Mieter beliefern zu können, waren zahlreiche technische und rechtliche Fragen zu klären. So musste sich die Energiegenossenschaft zunächst mit dem Netzbetreiber auf ein Messkonzept einigen und zahlreiche Fragen bezüglich der gesetzlichen Abgaben bei der Stromlieferung klären. Außerdem entwickelte die Genossenschaft Stromlieferverträge und Rechnungen für die Stromkunden. Auch der Wechsel der Kunden vom bestehenden Versorger zur HEG war herausfordernd. Für jeden Kunden mussten die bestehenden Zähler gegen eigene Zähler der HEG ausgetauscht werden. Dieser Vorgang ist kein Standardprozess der Energiewirtschaft. Deshalb waren viele Gespräche mit Netzbetreiber und Versorger nötig, bis die Kunden Solarstrom von der HEG beziehen konnten. „Bei dem Pilotprojekt mussten wir neue Wege gehen und dementsprechend viele Steine wegräumen. Das war spannend aber auch anstrengend“, meint Nicolai Ferchl. Ihre Erfahrungen plant die Heidelberger Energiegenossenschaft mit anderen Genossenschaften zu teilen. Dazu wird die Genossenschaft Ende Februar eine Dokumentation auf ihrer Website veröffentlichen.

Für die Zukunft hofft die HEG, dass die innovativen Modelle des Direktverbrauchs durch die geplante EEG-Reform nicht im Keim erstickt werden, sondern vereinfacht werden. „Direktverbrauch  entlastet das EEG-Umlagekonto und ist ein weiterer Schritt zu einer regionalen und bürgernahen Energiewende von unten“, sagt Felix Schäfer. „Das Ziel ist, Produktion und Konsum von Energie in Bürgerhand zu vereinen. Aus reinen Verbrauchern entwickeln sich so mündige Prosumer.“

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www.heidelberger-energiegenossenschaft.d

 

 

 

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