04. Oktober 2015

„Mit Mut und Überzeugungskraft die dezentrale Energiezukunft weiterentwickeln“

2. Bürgerenergiekonvent des Bündnis Bürgerenergie (BBEn) am 25. und 26.9. in Erfurt – die Erfolgsgeschichte der Energiewende weiterschreiben.

Foto: Farys / Bündnis Bürgerenergie e.V.

Der Auftakt war ein entschiedener Aufruf: „Wir brauchen diesen Konvent, um mit Mut, Überzeugungskraft und Ausdauer die dezentrale Energiezukunft weiter zu entwickeln und zu verteidigen.“ So eröffnete Dietmar von Blittersdorff, Aufsichtsratsvorsitzender des Bündnis Bürgerenergie e.V. (BBEn), den 2. Bürgerenergiekonvent vom 25. – 26. September in Erfurt. Rund 150 Akteurinnen und Akteure der Bürgerenergie aus Genossenschaften, Vereinen sowie Einzelpersonen diskutierten zwei Tage lang auf dem wichtigsten bundesweiten Treffen der Bürgerenergie.

Scharf kristisierten die Teilnehmenden die aktuelle Politik der Bundesregierung als „Sanierungsprorgamm für die vier großen fossilen Stromkonzerne“. Im Fokus der Kritik stand de geplante Einführung der Ausschreibungspflicht. „Ausschreibungen setzen auf zentrale Steuerung und Verwaltung – und gängelt Bürgerinnen und Bürger“, sagte der Vorstandvorsitzende René Mono. „Jede und jeder sollte das Recht haben, die öffentlichen Güter Wind und Sonne zur Erzeugung und dem Verbrauch von Energie zu nutzen.“

Resignation war auf dem Konvent nicht zu spüren. „Die Rahmenbedingungen sind schlechter als uns lieb ist. Deswegen müssen wir nicht in Depression verfallen“, sagte Stromrebell Michael Sladek in der Podiumsdiskussion am ersten Tag des Konvents. „Wir haben erreicht, dass die Atomenergie abgeschafft wird – und wir werden auch bei der elementaren Umkehrung des Energiesystems erfolgreich sein.“ Das Energiesystem werde sicher, dezentral und erneuerbar funktionieren. Das in die Köpfe der Menschen zu bringen, sei die große Aufgabe der Bürgerenergie.

Vorrang für Bürgerstrom

Der derzeitige bundespolitische Trend ist klar: Weg von dezentralen Vermaktungskonzepten für Strom aus Erneuerbaren Energien. Aktuelles Beispiel ist das geplante neue Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz, das keine Förderung von direktgenutzten Strom vorsieht. Die Politik fürchte den Kontrollverlust, so die Einschätzung des BBEn-Vorstandsvositzenden René Mono. „Direktversorgung mit Bürgerstrom soll Vorrang haben“, ist hingegen die Position des Bündnisses Bürgerenergie. Eine persönliche Beziehung der Menschen zum Gut Strom sei wichtig – und „dafür ist Bürgerstrom eine fantastische Gelegenheit.“

Neue Chancen für die Bürgerenergie sieht BBEn-Vorstand Thomas Banning vor allem im Wärme- und dem Effizienzmarkt. Das bestätigt die aktuelle Studie „Energiesparen in Bürgerhand“ im Auftrag von BUND und Bündnis Bürgerenergie, die Martin Pehnt vom Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (ifeu) vorstellte. Bürgerschaftliches Engagement habe ein enormes Potenzial bei der „Energieeffizienzwende“, sei es bei der energetischen Sanierung von Schulgebäuden, bei stromsparender Beleuchtung in Unternehmen und öffentlichen Liegenschaften oder dem Bau und Betrieb von Nahwärmenetzen.

Bürgerenergie bringt es

Zehn gesellschaftliche und wirtschaftliche Nutzeffekte der Bürgerenergie hat eine aktuelle Studie im Auftrag des BBEn und Greenpeace Energy ermittelt. „Harte, nachweisbare Vorteile“, wie Marcel Keiffenheim, Aufsichtsrat des Bündnisses, referierte: Bürgerenergie erhöht  die Akzeptanz von Erneuerbaren Energien Projekten. Sie sorgt für Mitbestimmung und Identifikation mit der eigenen Kommune oder Region und bringt Intelligenz und Innovationskraft in die Energiewirtschaft. Zudem erhält oder schafft Bürgerenergie durch Erneuerbare Energien-Projekte jährlich bis zu 113.600 Vollzeitarbeitsplätze, und hat allein im Jahr 2012 eine Wertschöpfung von 5,3 Milliarden Euro in die Regionen gebracht.

In den Vorträgen und Foren oder auf dem „Open Stage“ zeigte sich. Die Menschen vor Ort bringen die dezentrale Energiewende mit Ideenreichtum und Engagement voran. „Wir müssen radikaler werden“, sagte „Sonnenflüsterer“ Erhard Renz in einem Forum am Samstag, als er die Kampagne „Solar2go“ vorstellte. Das Steckdosenmodul „Solar2go“ ist die Solaranlage für den Balkon, mit der auch Mieter direkt Strom produzieren und verbrauchen können, ganz ohne EEG. Renz berichtete von den teilweise skurrilen Argumenten und Hürden, mit denen Netzbetreiber den „Guerillastrom“ verhindern wollen.

Die Macht der Verbundenheit

Wie die gebündelte Kraft von Menschen „PROKON für die Energiewende in Bürgerhand gerettet hat“, berichtete Wolfgang Siegel, Vorsitzender der „Freunde von PROKON e.V.“ und stellvertretender Aufsichtsrat der PROKON Regenerative Energien eG. Er beleuchtete, wie durch ein klares Kozept und vor allem die Macht der Verbundenheit aus einem insolventen Unternehmen die größte Energiegessenschafts Deutschlands wurde. Die Erfolgsgeschichte ist für Siegel übertragbar: „Die bewusste Gestaltung von Gemeinsamkeit, die sich nicht gegen Dritte richtet und die mit den Dissonanzen und Ängsten gut umzugehen versteht, zieht die Menschen an.“

Neue Räte für Bürgerenergie

Am Samstag wählte der Konvent sechs neue Räte für Bürgerenergie. Im nun 14köpfigen Rat sind Menschen, die sich wissenschaftlich oder praktisch mit Bürgerenergie beschäftigen. Sie geben dem Bündnis wichtige Impulse und tragen das Thema Bürgerenergie in viele gesellschaftliche Bereiche. Die neuen Ratsmitgieder sind: Iris Degenhardt-Meister (BEG BürgerEnergieGenossenschaft Wolfhagen), Beate Petersen (mehrere Genossenschaften, Wuppertal), Daniel Knoll (EnerGeno Heilbronn-Franken eG), Wolfgang Siegel (Prokon eG), Malte Zieher (solar popular eG, Bremen sowie Bürgersolaranlagen Sandhausen Gbr), Volker Quaschning (Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin).

Bündnis als Transmitter

„Wir haben es geschafft, dass Bürgerenergie eine Größe in der öffentlichen Diskussion geworden ist“, blickte der Vorstandsvorsitzende Dr. Rene Mono am Samstag selbstbewusst auf die Gründungsphase des Bündnisses zurück. Nun sieht der Zusammenschluss der Bürgerenergie-Akteure seine Rolle vor allem als Transmitter. „Unsere Aufgabe ist einserseits, der Politik die Innovationskraft und das große demokratische und energiewirtschaftliche Potential der Bürgerenergie zu vermitteln“,so René Mono. „Sie ist andererseits, die Praktiker der Energiewende vor Ort über die politischen Entwicklungen zu informieren und wie Bürgerenerge damit umgehen kann.“

Bürgerenergie ist nicht zu stoppen

Zum Ende des Konvents versammelten sich mehr als 100 Bürgerenergie-Akteure zu einer großen Fotoaktion im Zentrum Erfurts. „Bürgerenergie ist Klimaschutz!“ war die Botschaft anlässlich des internationalen Klima-Aktionstags. Bürgerinnen und Bürger tragen im ganzen Land mit der Errichtung von Erneuerbaren-Anlagen direkt zur Reduktion von klimaschädlichem CO² bei.

Wie sagte Gastgeber Michael Welz vom Netzwerk BürgerEnergie Thüringen am ersten Tag des Konventes in Erfurt: „Das Wesen von Bürgerenergie ist, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen.“ Auch das große Thema Klimaschutz.

 Quelle: Bündnis Bürgerenergie e.V.

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