17. Dezember 2014

Speicher als Zukunftslösung für Genossenschaften

Geschäftsmodelle mit Speicherlösungen sind für Energiegenossenschaften Neuland. Was ist denkbar, was ist machbar – und wann?

Lokale Strom-Wärmelösungen für Liegenschaften und Quartiere, Mietmodelle von Speichern, die Versorgung der E-Mobil-Fahrzeugflotte von Kommunen, der Einsatz von Speichern bei der Direktvermarktung. Für intelligente Speicherlösungen gibt es viele Ideen, einige Modellprojekte und zahlreiche Akteure, die an zukünftigen Geschäftsmodellen arbeiten.

Deshalb beschäftigten sich Verantwortliche aus Energiegenossenschaften in Mainz einen Tag lang mit dem Thema Speicher. Das Landesnetzwerk Bürgerenergiegenossenschaften Rheinland-Pfalz e. V. und das Netzwerk Energiewende Jetzt hatten zu einem Innovationsworkshop eingeladen.

Speicherlösungen werden zukünftig eine wichtige Rolle spielen, das ist für Dr. Peter Eckerle, Geschäftsführer des StoREgio Energiespeichersysteme e.V., klar. „Denn Flexibilität ist die wichtigste Größe in einem zukünftigen Energiesystem“. In seinem einleitenden Vortrag gab Dr. Eckerle einen Überblick über verschiedene Speichertechnologien von mechanischen über elektrochemische bis zu Power-to-Gas. Effizienz der Systeme, Energiedichte, Sicherheit und Lebensdauer sowie der Entwicklungsstand waren seine Bewertungskriterien. Lithium-Ionen-Batteriezellen hält Eckerle für das technologisch interessanteste Modell, auch wenn die Hochleistungsbatterien teuer sind. Doch die Dynamik des Marktes könne schnell zu sinkenden Preisen und einer weiter steigenden Qualität führen.

„In den Energiemarkt kommt Schärfe“, sagte Thorsten Henkes, Referent der Energieagentur Rheinland-Pfalz GmbH. Energiegenossenschaften empfahl er deshalb Kooperationsmodelle mit anderen starken Partnern wie Kommunen, Stromanbietern und Unternehmen. Henkes stellte Fördermöglichkeiten für Strom- und Wärmespeicher dar und kündigte an, dass Rheinland-Pfalz ein eigenes Förderprogramm aufsetzen will.

Speicher im Gesetz – komplex und nicht geregelt

 „Der Gesetzgeber hat die Speichersysteme nicht im Auge“, sagte Anika Titze, Referentin für Energierecht der Energieagentur Rheinland-Pfalz GmbH, in ihrem Vortrag. Es sei an keiner Stelle klar festgelegt, was ein Speicher ist. Entsprechend gebe es nur punktuelle Regelungen. Die herrschende – und durchaus kritisierbare – Meinung des Bundesgerichtshofes: Stromspeicher sind Stromverbraucher. Das hat Auswirkungen auf Umlagen, Abgaben und Entgelte wie EEG-Umlage, Stromsteuer, Netzentgelte u.a.

Es habe auch Vorteile, wenn nicht alles geregelt sei, so Titze. Allerdings sei jede Lösungen individuell zu prüfen und zu bewerten. Das macht im Einzelfall Kalkulation sowie Realisierung schwierig.

Geschäftsmodelle mit Speicherlösungen

Dezentralisierung, Fragmentierung des Marktes, die großen Energiekonzerne unter Druck. Energiebewusste Kunden, wachsender Eigenverbrauch, die Kopplung von Wärme und Strom. Wer Geschäftsmodelle mit Speicherlösungen entwickelt, agiert in einem sehr dynamischen Umfeld.

Welche technischen Innovationen gibt es, wie verändert sich das Verhalten der Marktteilnehmer? Wie entwickelt sich die Marktstruktur? Diese Fragen seien für ein tragfähiges Geschäftsmodell zu klären, so Dr. Peter Eckerle in seinem Vortrag am Nachmittag.

Erst einmal machen Speicher den Strom teurer. Deshalb müssen Lösungen über die reine Speicherung hinausgehen. „Die Koppelung von Strom und Wärme macht Sinn“, so Eckerle. Er stellte zwei lokale Strom-Wärme-Versorgungsprodukte vor, die auch für Genossenschaften realisierbar seien. Die Versorgung einer Liegenschaft, im Beispiel elf Parteien einer Reihenhaussiedlung, erlaubt durch die Kombination Photovoltaik, BHKW und Speicher eine fast vollständige Eigenversorgung. Ein ganzes Quartier mit Strom und Wärme zu versorgen, hält Eckerle mittelfristig für sehr attraktiv, aktuell wegen der Netzentgelte noch für unwirtschaftlich. StoREgio arbeitet an weiteren Projekten, etwa „StoREnt“, einem Angebot von Mietspeichern.

Welche Modelle für Genossenschaften infrage kommen, diskutierten die Teilnehmenden anschließend in Arbeitsgruppen. Im ersten Schritt sind einfache Modelle wichtig, so eine Gruppe, etwa die Versorgung von Objekten mit konstantem Lastgang wie Seniorenheime. Genossenschaften können mit Wohnungsbaugenossenschaften und kommunalen Wohnungsbauunternehmen kooperieren und Strom-Wärme-Lösungen realisieren. Eine andere Gruppe identifizierte Kommunen als Kooperationspartner z.B. für Contracting-Modelle, da diese wenig Geld für die energetische Sanierung von Schulen, Gemeindehäusern oder Schwimmbädern haben. Über die Genossenschaft als Carsharing-Anbieter, die gleichzeitig eine „grüne Stromtankstelle“ betreibt, dachte eine andere Gruppe nach.

Als Hindernisse sahen die Teilnehmer, dass Speicherlösungen komplex und zeitaufwändig sind, Vernetzung und Kooperation erfordern. Zudem ist der konsequente Aufbau von neuen Geschäftsmodellen für viele Genossenschaften Neuland. Doch haben die Bürgerenergie-Akteure auch Vorteile im Wettbewerb, etwa ihr grünes Image, die besondere Kundenbindung und lokale Verankerung.

Ein nächster Schritt sollen vertiefende Workshops oder Arbeitsgruppen sein. „Unsere Idee ist, dass einzelne Energiegenossenschaften modellhafte Projekte auf den Weg bringen, von denen andere Genossenschaften profitieren“, so Dietmar von Blittersdorff, Vorsitzender des Landesnetzwerk Bürgerenergiegenossenschaften Rheinland-Pfalz e. V. zum Abschluss des Workshops.

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