04. Juli 2016

Erfolgreiche Arbeit für die Energiewende in Bürgerhand

Neue Geschäftsmodelle im Fokus. Netzwerk Energiewende Jetzt diskutiert auf Mitgliederversammlung aktuelle Energiepolitik: Eine breite Allianz für die dezentrale Energiewende in Bürgerhand ist nötig.

Das Netzwerk Energiewende Jetzt e.V. blickt zufrieden auf die Arbeit des vergangenen Jahres zurück. „Der Verein ist aufgebaut, die Prozesse haben sich eingespielt und wir arbeiten an unseren Themen“, sagte der Vorsitzende Dietmar Freiherr von Blittersdorff auf der Mitgliederversammlung am 24. Juni in Mainz. Das seit 2010 bestehende Netzwerk hatte sich 2015 die Organisationsform eines Vereins gegeben. Das Netzwerk hat eine dezentrale und erneuerbare Energieversorgung in Bürgerhand als Ziel und fördert deshalb die Gründung und Weiterentwicklung von Energiegenossenschaften.

Ein Schwerpunkt der Arbeit lag 2015 beim Thema „Neue Geschäftsmodelle für Energiegenossenschaften“. Durch das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG 2014) ist der Bau von Photovoltaikanlagen, das wichtigste Geschäftsfeld vieler Energiegenossenschaften, deutlich erschwert worden. In einer gemeinsamen Studie mit der 100 prozent erneuerbar stiftung und StoRegio Energiespeichersysteme hat das Netzwerk Energiewende Jetzt in einer Studie zukunftsfähige Geschäftsmodelle dargestellt. Auftraggeber waren die Energieagentur Rheinland-Pfalz und des Landesnetzwerk Bürgerenergiegenossenschaften Rheinland-Pfalz. Derzeit baut der Verein auf der Website www.energiewende-jetzt.de eine Praxisplattform mit Best-Practice-Beispielen auf

Neue Gesetze gegen die Bürgerenergie

EEG 2016, Energiewirtschaftsgesetz, Stromsteuergesetz. „Die aktuellen Gesetzesvorhaben der Bundesregierung schaden der Bürgerenergie“, sagt René Mono, Vorstandsvorsitzender des Bündnis Bürgerenergie in seinem Vortrag am Ende der Mitgliederversammlung. Die Umstellung auf das Ausschreibungsverfahren im neuen EEG 2016 bevorzuge größere Unternehmen, die Deckelung des Zubaus der Erneuerbaren Energien laufe den Beschlüssen des Klimaschutzabkommens von Paris zuwider. Die Neuregelung des Energiewirtschaftsgesetzes gebe Kommunen kaum Spielraum bei der Ausschreibung von Netzkonzessionen, Bürgerenergiegenossenschaften oder Eigenbetriebe zu berücksichtigen. „Gewinner der verschiedenen Gesetze sind die Übertragungsnetzbetreiber“, so Mono weiter. So würden bei der flächendeckenden Einführung von Smartmetern die Netzbetreiber Informationen über das Stromverbrauchsverhalten von Millionen von Haushalten und Firmen erhalten. Big Data sei das „Gold des 21. Jahrhunderts".

Die EU-Kommission bewerte die Entwicklung, wie u.a. Deutschland, sehr kritisch. Die Bundesregierung setze bürgerfreundliches Europarecht nicht um, etwa die Befreiung vom Ausschreibungsverfahren für kleine Akteure bei Wind an Land. „Prosumer-Modelle sind ein Keyword in der energiepolitischen Diskussion in Brüssel“, sagte Mono. Doch gebe es auch Lichtblicke. So plane die EU-Kommission einen Rechtsrahmen für die dezentrale Entwicklung von Erneuerbaren Energien. Allerdings erst bis 2020.

„Wir brauchen eine Allianz aller Organisationen, die an eine dezentrale Energiewende in Bürgerhand glauben“, schloss René Mono. Trotz des Ärgers und Frustes über die aktuelle Energiepolitik zeigten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Mitgliederversammlung sich kämpferisch im Hinblick auf den Bundestagswahlkampf 2017. Die Energiewende in Bürgerhand werde weitergehen. „Wir werden uns nicht in eine Nische drängen lassen“.

Qualifizierungsoffensive für Energiegenossenschaften

Das Netzwerk Energiewende Jetzt plant für 2017 neben der wichtigen politischen Einflussnahme zahlreiche Fort- und Weiterbildungsangebote. Angesichts des Rückganges der Neugründungen von Energiegenossenschaften wird das Netzwerk wieder einen Gründungslehrgang anbieten. Dabei erwerben die Teilnehmer die Kompetenz, um Energiegenossenschaften auf den Weg zu bringen, von der Satzung bis zur Identifizierung von Geschäftsfeldern und dem Businessplan. Auch das Thema „Neue Geschäftsmodelle“ wird in Workshops und Tagungen weiter im Fokus bleiben.

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