19. August 2015

Weilerwärme macht E-mobil

Die Energiegenossenschaft Weilerwärme eG hat das Carsharingprojekt „WeilerMobil“ mit Elektrofahrzeugen aufgebaut. Diese nutzen überschüssigen Strom der Genossenschaft.

Foto: Weiler Wärme eG

Wärme, Strom und umweltschonende Mobilität zusammenbringen: Das ist das Konzept der Energiegenos-senschaft Weilerwärme aus Pfalzgrafenweiler im Schwarzwald. Im Sommer 2014 hat die Energiegenossenschaft ihr Carsharing Konzept WeilerMobil gestartet. Aktuell gehören zur Fahrzeugflotte zehn elektrisch betriebene Autos – vom kleinen Smart Fortwo Cabrio bis zum BMW i3 - sowie sechs E-Bikes. Die ambitionierte Zahl der Autos hat seinen Grund. „Carsharing funktioniert nur, wenn möglichst jederzeit Fahrzeuge verfügbar sind, sonst springen die Menschen schnell wieder ab“, sagt Vorstand Klaus Gall.

Inzwischen haben sich über 100 Personen bei WeilerMobil registrieren lassen. Im ersten Halbjahr 2015 kam die Genossenschaft auf ca.10500 Buchungsstunden, eine Steigerung um das Zweieinhalbfache gegenüber dem Startjahr 2014. Kontinuierlich nutzt zum Beispiel die örtliche Sozialstation die Elektrofahrzeuge und hat dauerhaft morgens fünf und nachmittags drei Autos fest gebucht.

„Wir wollen mit unserem Carsharing-Angebot den Zweitwagen ersetzen“, sagt Klaus Gall. Anfangs seien die Bürger skeptisch gewesen, man komme nicht weit mit den Fahrzeugen. Mittlerweile wachse die Akzeptanz, die Fahrzeuge werden täglich genutzt, am Wochenende sind oft alle vergeben. Viele Bürger nutzen die E-Mobile für kurze Erledigungen, Einkäufe und Ausflüge. Bei den allermeisten Fahrten sei die Reichweite kein Thema. 120 bis 190 Kilometer weit kommt man mit den Elektroautos von WeilerMobil.

Mitglieder profitieren

Die Registrierung als Nutzer bei WeilerMobil ist kostenlos. Die Abrechnung erfolgt rein nach Zeit, ohne Kilometerbegrenzung. Genossenschaftsmitglieder und Wärmebezieher bekommen einen günstigeren Tarif. Für zwölf Stunden bezahlen sie beispielsweise nur 22 Euro statt 25 Euro Fahrzeugmiete. Zudem können Familienangehörige von Genossenschaftsmitgliedern auch die Elektro-Autos fahren.

Registrierte Nutzer buchen online auf www.weilerwaerme.de. Wer sich mit dem persönlichen Zugangscode eingeloggt hat, kommt zum Buchungskalender und kann sich eintragen. Der Schlüssel liegt in einem Fach bereit, das man mit einer Codenummer öffnen kann. Die Autos und Fahrräder stehen an drei Standpunkten mit Ladesäulen. Von dort werden diese abgeholt und müssen nach der Nutzung auch wieder zum Aufladen angeschlossen werden. Über mobile Apps können die Nutzer für Langstrecken im ganzen Land Ladesäulen zum Zwischentanken finden.

Bis Ende 2015 bezuschusst das Karlsruher Institut für Technologie das-Modell-Projekt. Das habe über die Anfangsphase geholfen, so Vorstand Klaus Gall. „Unser Ziel ist, dass der Betrieb sich im nächsten Jahr wirtschaftlich selbst trägt.“

Strom, Wärme und umweltschonende Mobilität

Die Energiegenossenschaft Weilerwärme arbeitet an einem unabhängigen, nachhaltigen und umweltschonenden Gesamtkonzept in der Energiegewinnung und -versorgung. Ihr Ziel ist es, die Gemeinde vollständig mit Nahwärme und regenerativer Energie zu versorgen. Auf E-Mobilität kam der Vorstand, um den überschüssigen Strom aus den Blockheizkraftwerken (BHKW) und Solaranlagen der Genossenschaft zu nutzen, wenn der Bedarf gering ist. Für die Gas-BHKWs, die in der Grundlast der Wärmeversorgung mitlaufen, erhält die Genossenschaft nur drei Cent für die Einspeisung. Da bot es sich an, den Strom selbst als Ladestrom für die Elektro-Fahrzeuge zu nutzen. Elektrofahrzeuge eignen sich gut zur Stromspeicherung, weil sie eine hohe Batteriekapazität haben und schnell geladen werden können. Bei acht der zehn Fahrzeuge von WeilerMobil beträgt die Ladezeit maximal zwei Stunden.

Das rechtliche Konstrukt für die Stromlieferung ist eine Eigenstrom GbR, an der die Genossenschaft ebenso Mitglied ist wie Firmen und Privathaushalte. Der Strom, den die Mitglieder der Eigenstrom GbR beziehen, ist Eigenverbrauch mit einer geringeren EEG-Umlage und ohne Stromsteuer.

Start mit Nahwärme

2007 hat die Weilerwärme mit dem Bau des Nahwärmenetzes begonnen, um unabhängig von fossilen Brenn-stoffen und fremden Konzernen zu werden. Mittlerweile ist das Leitungsnetz auf über 24 Kilometer gewach-sen und versorgt mit 470 Hausanschlüssen über 800 der knapp 1000 Haushalte sowie die kommunalen Ge-bäude mit Nahwärme, Tendenz wachsend. 87 Prozent der Wärme wird regenerativ über nachwachsende Rohstoffe erzeugt, über eine Biogasanlage, ein Holzhackschnitzel-Kraftwerk und – im Winter - mehrere Kessel mit Holzhackschnitzeln und Holzspänen. Seit 2011 ist Pfalzgrafenweiler das größte Bioenergiedorf Baden-Württembergs und vermeidet jährlich 5000 Tonnen klimaschädliches CO².

Ziel eigenes Stromnetz

Die Genossenschaft hat schon begonnen, Mitglieder über ein eigenes Stromnetz zu versorgen. Eine 99 kWp-Anlage versorgt die Schule, Schwimmbad, Sporthallen, Rathaus und Sozialstation. Sie liefert im Sommer,wenn das Gas-BHKW nicht läuft, Strom über das eigene Netz an die gemeindeeigenen Gebäude. So kann die Weilerwärme zusammen mit dem BHKW ganzjährig Strom liefern. Die Genossenschaft könnte Pfalzgrafenweiler komplett mit Wärme, Strom und Mobilität versorgen – und dies günstiger als der übliche Marktpreis. Die EEG-Umlage auf Eigenverbrauch und das teure öffentliche Netz erschweren diese Pläne. Deshalb arbeitet die Genossenschaft an einem langfristigen Zukunftsprojekt – das eigene Stromnetz. Beim Ausbau des Wärmenetzes lässt die Genossenschaft gleichzeitig Stromkabel verlegen. So wächst im Ort ein autarkes Stromnetz.


Kontakt
WeilerWärme eG
Im Lehnle 15
72285 Pfalzgrafenweiler
Fragen zur Elektromobilität: 07445- 854 73 19
Fax: 07445- 855 93 06
E-Mail: info@weilerwaerme.de
www.weilerwaerme.de

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