26. Februar 2016

Studie zu Energiegenossenschaften: Erfolgreich mit neuen Geschäftsmodellen

Energieeffizienz, Nahwärme Plus und E-Mobilität sind lohnenswerte künftige Geschäftsmodelle von Energiegenossenschaften. Durch Diversifizierung der Ge-schäftsfelder, Kooperationen und weitere Professionalisierung können Energie-genossenschaften erfolgreich Wandel in die Zukunft vollziehen.

Energiegenossenschaften können zu wesentlichen Akteuren einer dezentralen Energieversorgung mit erneuerbaren Energien werden. Von entscheidender Bedeutung für ihren Erfolg wird sein, wie gut sie neue Geschäftsmodelle umsetzen. Dies ist das Fazit der aktuellen Studie „Geschäftsmodelle für Bürgerenergiegenossenschaften. Markterfassung und Zukunftsperspektiven“, die heute veröffentlicht wurde.

Das Netzwerk Energiewende Jetzt e.V., die 100 prozent erneuerbar stiftung und. StoREgio Energiespeichersysteme e.V haben die Studie im Auftrag der Energieagentur Rheinland-Pfalz und des Landesnetzwerkes Bürgerenergiegenossenschaften Rheinland-Pfalz e.V. erarbeitet. Dafür haben die Autoren in einer ausführlichen Markterfassung und in Experteninterviews zwischen Juni und Oktober 2015 zukunftsfähige Geschäftsmodelle identifiziert. Ein besonderes Augenmerk lag auf neuen, wenig verbreiteten Konzepten sowie aktuellen und zukünftigen Handlungsmöglichkeiten für Energiegenossenschaften.

Lohnenswerte zukünftige Geschäftsmodelle

Im Geschäftsfeld Photovoltaik bieten Direktverbrauch, Pachtmodelle sowie Mieterstrom bieten wirtschaftlich attraktive Möglichkeiten, günstig Ökostrom direkt vom Dach zu liefern. Liefern Energiegenossenschaften als Energieversorger Strom, runden sie das Angebot für ihre Mitglieder ab. Gibt es hier schon praktische Erfahrungen, ist die Elektromobilität noch weitgehend unerschlossen, so die Autoren der Studie. Dabei bietet sich die Verbindung von Verkehrs- und Energiewende an. Die Batterien von Elektro-Autos können überschüssigen, dezentral erzeugten Strom von erneuerbaren Energien speichern. Gerade in ländlichen und touristischen Regionen haben Energiegenossenschaften gute Chancen für E-Mobilitätsprojekte, wie das Projekt Weilermobil in Pfalzgrafenweiler im Schwarzwald zeigt.

Eine wachsende Zahl an Energiegenossenschaften möchte mit Contractingmodellen die zweite Säule der Energiewende, die Energieeffizienz, erschließen. Sie zielen dabei mit kleinen Unternehmen, Vereinen und Kommunen auf einen Markt, der von privatwirtschaftlichen Contractoren bisher kaum bearbeitet wurde. Schließlich sieht die Studie in „Nahwärme plus“-Konzepten ein erweiterbares Geschäftsmodell. Beispiele sind die Nutzung industrieller Abwärme, bio-solare Nahwärme bis hin zu Quartierslösungen.

Mittelfristige Optionen 

Dr. Peter Eckerle, Geschäftsführer StoREgio Energiespeichersysteme e.V., sieht mittelfristige und langfristige Optionen für Energiegenossenschaften, etwa in Speicherkonzepten, dem Spitzenlastmanagement, ganzheitlichen Quartierkonzepten, Immobilien- und Energiemanagement.

Neue Wettbewerbssituation für Energiegenossenschaften 

„Das Erneuerbare Energien Gesetz 2014 (EEG 2014) bedeutet eine energiewirtschaftliche Zäsur“, sagt Dietmar Freiherr von Blittersdorff, Vorstandsvorsitzender des Netzwerk Energiewende Jetzt e.V. „Der Systemwechsel zur verpflichtenden Direktvermarktung sowie die Umstellung auf das Ausschreibungssystem ändern die Wettbewerbssituation für Energiegenossenschaften völlig. Sie müssen sich nun in einem direkten Wettbewerb mit großen Energieunternehmen behaupten, die eine völlig andere personelle und finanzielle Ausgangssituation haben.“

Auf Stärken setzen

„Wenn sich Energiegenossenschaften ihrer Stärken besinnen, können sie sich für diesen Wettbewerb gut rüsten“, sagt Dr. René Mono, Geschäftsführer der 100 prozent erneuerbar stiftung. „Energiegenossenschaften haben in der Energiewirtschaft der Zukunft eine gute Chance, wenn sie insbesondere die genossenschaftliche Grundidee einer Erzeuger-Verbrauchergemeinschaft (Prosumer-Idee) effizient entwickeln.“

Bei der Dezentralisierung der Energieversorgung weisen Energiegenossenschaften laut Studie drei Stärken auf: Regionalität, Transparenz und Gemeinschaftlichkeit. Besonders die regionale Verankerung, die direkte Beziehung zu den Menschen in der Region und das aktive Mitgestalten der Mitglieder könnten zum wichtigen Vorteil im Wettbewerb werden. Die Studie ermittelte verschiedene Entwicklungstrends, mit denen Energiegenossenschaften den erfolgreichen Wandel in die Zukunft vollziehen können. Die Diversifizierung ihrer Geschäftsbereiche, Kooperationen, die weitere Professionalisierung und das konsequente Nutzen ihrer Stärken.

„Ein Kapitel liefert einen gut handhabbaren systematischen Ansatz, mit dem Energiegenossenschaften neue Geschäftsmodelle erschließen können“, sagt Dr. Peter Eckerle. „Eine Bewertungsmatrix hilft, das jeweilige Geschäftsmodell für die eigene Genossenschaft einzuschätzen.“

Die Studie zum Downloaden

Zusammenfassung der Studie

Presseinformation der Energieagentur Rheinland-Pfalz

Energieagentur Rheinland-Pfalz GmbH (Hrsg.):  „Geschäftsmodelle für Bürgerenergiegenossenschaften. Markterfassung und Zukunftsperspektiven“, 104 Seiten, Dezember 2015 (Stand rechtliche Situation).

Die Studie ist in der Druckfassung ist bei der Energieagentur Rheinland-Pfalz zu bestellen: https://www.energieagentur.rlp.de/service-info/publikationen/

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