28. Juli 2015

Strommarkt 2.0: Bundeswirtschaftsministerium hat Weißbuch vorgelegt

Impulse für eine dezentrale Energieversorgung sind Fehlanzeige. Mehr Flexibilisierung, kein vergüteter Kapazitätsmarkt.

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Das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) hat das Weißbuch „Ein Strommarkt für die Energiewende“ mit 20 konkreten Maßnahmen zur Weiterentwicklung des Strommarkts vorgelegt.

Der Strommarkt 2.0 zielt auf die Flexibilisierung des bestehenden Marktes. Einem vergüteten Kapazitätsmarkt erteilt das Ministerium eine Absage. Die vorgeschlagene Kapazitätsreserve sichere den Markt ab, dürfe aber nicht an diesem teilnehmen. "Der Strommarkt 2.0 gewährleistet Versorgungssicherheit, ist kostengünstiger als ein Kapazitätsmarkt, schafft Anreize für Innovationen und ermöglicht die Integration hoher Anteile erneuerbarer Energien“, so Staatssekretär Rainer Baake.

Das Bündnis Bürgerenergie kritisiert, dass die großen Chancen der dezentralen Versorgung im Weißbuch ignoriert werden. „Kaum Impulse zur Dezentralisierung der Energieversorgung“ sieht auch Stephan Franz vom Büro F in einem Kommentar für pv magazine.

Die Marktforscher zu erneuerbaren Energien haben in einer Kurzanalyse die Statements aus einer Expertenbefragung mit den konkreten Maßnahmen im BMWi-Weißbuch verglichen. Das Fazit: „Ein Paradigmenwechsel hin zu dezentraler Energieversorgung mit hoher Akteursvielfalt wird klar ausgebremst.“ So enthalte das Weißbuch keine Maßnahmen zur Regionalisierung des Großhandels, der Stärkung des Eigenverbrauchs sowie der Integration von Speichern.

Damit steht der geplante Strommarkt 2.0. des Bundeswirtschaftsministeriums im Gegensatz zu den aktuellen klima- und energiepolitischen Vorschlägen der Europäischen Kommission. Intelligente Stromnetze, Eigenerzeugung, Speichervorrichtungen usw. bringen die Bürger in die Lage, den Wandel des Energiemarkts selbst in die Hand zu nehmen und zu aktiven Marktteilnehmern werden, so die Kommission. Verbraucher müssten deshalb unter fairen Bedingungen ihre eigene Energie erzeugen und verbrauchen können

Das Weißbuch wird nach der Sommerpause auf der „Plattform Strommarkt“ diskutiert. Stellungnahmen sind bis zum 24. August möglich. Im Herbst soll die Bundesregierung den Entwurf des Strommarktgesetzes beschließen.

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