16. Oktober 2015

PV-Anlage auf Pfarrhaus nein - Abriss wegen Braunkohle ja

Ziviler Ungehorsam: Die evangelische Kirchengemeinde in Atterwasch an der Lausitz hat gegen den Willen des Denkmalschutzamts eine Solaranlage auf das Dach des Pfarrhauses gebaut – und erhält dafür den Ökumenischen Umweltpreis. Das Dorf mitsamt Kirche und Pfarrhaus sind vom Abriss durch den Braunkohletagebau bedroht.

Foto: Christian Huschga

Die PV-Anlage auf der denkmalgeschützten Pfarrkirche in Atterwasch setze an einem besonderen Ort ein Zeichen gegen die Braunkohle, würdigte die Jury des Ökumenischen Umweltpreises des Ökumenischen Rates Berlin Brandenburg das Projekt. „Die christliche Botschaft verpflichtet uns, das Geschenk der Schöpfung Lebensraum für uns, alle Mitgeschöpfe und die zukünftigen Generationen zu bewahren.“ Die Jury verlieh der Evangelischen Kirchengemeinde Region Guben den zweiten Preis. Der Ort ist vom geplanten Braunkohletagebau Jänschwalde Nord bedroht – auch das Pfarrhaus wird dann abgerissen. Fast gleichzeitig lief am 30.9.2015 eine Frist der Denkmalschutzbehörde des Landkreises zum Rückbau der Solaranlage aus.

Die Evangelische Kirchengemeinde wollte gegen die drohenden Zerstörung des ganzen Dorfes auf eigene Weise protestieren. Sie beschloss 2010, eine Photovoltaikanlage auf das Dach des Pfarrhauses zu setzen, als Zeichen gegen den Klimawandel. Weil Kirche und Pfarrhaus unter Denkmalschutz stehen, stellte die Kirchengemeinde einen Antrag bei der Denkmalschutzbehörde des Landkreises. Doch die lehnte ab. Die geplante PV-Anlage veränderte das Dach vollkommen und könne deshalb nicht genehmigt werden.

Die Kirchengemeinde legte Widerspruch ein, der ebenfalls abgelehnt wird. Im Herbst 2013 installiert die Kirchengemeinde die Anlage dann ohne Genehmigung. Die Anlage müsse wieder abgebaut werden, so die Reaktion des Landkreises. Die optische Beeinträchtigung des Denkmals müsse auf ein Minimum reduziert werden. Eine Einigung kam bis heute nicht zu Stande.

Wenn ein rechtswidriges Verhalten einer Kirchengemeinde auch noch honoriert werde, sei das ärgerlich, so der zuständige Baudezernent Olaf Lalk in einem Hörfunkbeitrag des RBB. Es bleibe dabei, die Solaranlage müsse vom Pfarrdach.

Die Jury des Ökumenischen Umweltpreises setzt eine andere Gewichtung. „Der Klimaschutz ist die größte Herausforderung, vor der die Menschheit und vor allem Menschen in den reichen Staaten unserer Erde stehen. Viele kleine und große Schritte sind nötig.“

Zum Hörfunkbeitrag des RBB „Sonne statt Braunkohle"

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