20. September 2016

Bürgerenergiekonvent: Wir brauchen eine echte Energierevolution

Bündnis Bürgerenergie fordert auf zweitägigem Konvent energiepolitische Kurskorrektur.

Intensive und kontroverse Diskussion mit Energie-Staatssekretär Rainer Baake. Foto: Bündnis Bürgerenergie

Berlin, 17.9.2016. Er begann kämpferisch, der dritte Bürgerenergiekonvent des Bündnis Bürgerenergie (BBEn) am Wochenende in Berlin. „Wir eröffnen heute den Wahlkampf für eine dezentrale und demokratische Energiewende, die die Klimaziele des Pariser Abkommens konsequent umsetzen“, sagte Dietmar von Blittersdorff, der Aufsichtsratsvorsitzende des BBEn.

„Deutschland wird aufgrund der Energiepolitik der Bundesregierung seine Klimaschutzverpflichtungen dramatisch verfehlen.“ Prof. Dr. Volker Quaschning von der Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin stellte die aktuelle Studie „Sektorkopplung durch die Energiewende“ vor. Laut Studie muss der Ausbau von Erneuerbare-Energie-Anlagen deutlich beschleunigt werden, damit Deutschland seine Klimaschutzziele erreichen kann. Demnach braucht Deutschland spätestens im Jahr 2040 jährlich 1.320 Terawattstunden an erneuerbarem Strom. Das ist mehr als doppelt so viel wie heute.

Quaschning kritisierte pointiert die Energiepolitik des „Ministeriums für Wirtschaft und Kohlestrom“, weil sie den Interessen der vier großen Energieversorgern nütze und den Ausbau der erneuerbaren Energien abwürge. „Wir brauchen eine echte Energierevolution! Herr Baake, nehmen Sie Ihre Bürger dabei mit!“

Die Regierung habe den Bürgerenergiegesellschaften einiges zugemutet, nämlich Veränderung, sagte Energiewendeplaner Staatssekretär Rainer Baake zu Beginn seines Vortrages: „Das war unvermeidlich.“ Die deutsche Energiewende sei eine große Erfolgsgeschichte, die Erneuerbaren seien mittlerweile die dominierende Energiequelle. Nun seien die Erneuerbaren in den Markt zu integrieren und der Markt auf einen wachsenden Anteil an Erneuerbaren vorzubereiten. „Energiewende wird nur mit Wettbewerb funktionieren“, so Baake. Allerdings verschwieg Baake, dass die Bundesregierung mit der massiven Deckelung des Ausbaus der Erneuerbaren Energien Wettbewerb einschränkt.

Das Bündnis Bürgerenergie richtete einen eindringlichen Appell an die Politik: „Die nächste Bundesregierung muss die dramatischen energiepolitischen Fehlentscheidungen der schwarz-roten Koalition sofort korrigieren“, sagte René Mono, Vorsitzender des BBEn-Vorstands.

„Die Atmosphäre wird als kostenlose Deponie für CO² genutzt“, räumte Staatssekretär Baake in der Diskussion ein. Doch werde die Internalisierung der externen Kosten bei den Fossilen nicht kommen. Darauf würde sich die Politik in Europa nicht einigen. Baakes persönliche Exitstrategie für die fossilen Energien ist eine Dekarbonisierung auf ordnungsrechtlichem Weg.“ Kein Öl, keine Kohle, kein Gas! Völliger Verzicht auf fossile Investitionen, die über 2050 hinausgehen.“

Unter dem Motto „Bürgerenergie hat Zukunft“ kamen über 100 Bürgerenergie-Akteure aus ganz Deutschland am 16. und 17. September in Berlin zusammen, um in Impulsvorträgen, Diskussionen und Workshops die wichtigsten Perspektiven einer dezentralen Energiewende in Bürgerhand zu diskutieren. „Bürgerenergie ist eine Quelle der sozialen, technischen und ökonomischen Innovationen. Egal ob Mieterstrom, regionale Sektorkopplung oder Energieeffizienz-Contracting – die zukunftsweisenden Lösungen der Energiewende kommen aus der Bürgerenergie“, resümiert René Mono den Konvent.

Am Samstag wurde ein neues Projekt des Bündnis Bürgerenergie vorgestellt und die dazugehörige Website veröffentlicht, das Bremer Manifest (www.bremer-manifest.de ). „Wir wollen den Strom selbst erzeugen - umweltfreundlich und sozial“, ist die Kernthese des Manifests. Das Bündnis hält die dezentrale und demokratische Energiewende für ein zentrales gesellschaftliches Vorhaben, das den Interessen des Klimaschutzes und dem Gemeinwohl dient.

Das Bündnis Bürgerenergie (BBEn) e.V. setzt sich für die dezentrale Energiewende in Bürgerhand ein. Mit rund 150 Mitgliedern vereint es über 500.000 Energiebürger aus ganz Deutschland, die sich einzeln als Privatpersonen oder gemeinschaftlich als Genossenschaftsmitglieder oder als Mitglieder in Organisationen für eine Stärkung der Energiewende in Bürgerhand engagieren.

 

 

 

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