01. Dezember 2016

Verstromung von Ökogas mit flexibler Erzeugung

Mit erhöhter BHKW-Leistung und einem zusätzlichen Wärmespeicher für die Biogasanlage kann das Bioenergiedorf Jühnde eG flexibel Strom vermarkten.

Foto: Bioenenergiedorf Jühnde eG

Im Gegensatz zum bislang üblichen Dauerbetrieb von BHKWs wird die Anlage bedarfsorientiert betrieben. Das heißt, sie erzeugt während des Tages in Abhängigkeit des Stromangebots an der Börse Strom. Das Gesamtkonzept führt damit zu einer höheren Effizienz bei der Nutzung der Biomasse, höheren Einnahmen über die Stromvermarktung und geringeren Kosten für die Wärmebereitstellung.

Den Anlass zum Bau dieser Anlage gab die Neuausrichtung der Genossenschaft. Das Bioenergiedorf Jühnde eG entschied sich aufgrund der zehn Jahre alten Technik im Jahre 2013/2014 für ein Repowering bzw. Ausbau der Anlagen in Jühnde.

Projektpartner fand die Energiegenossenschaft in einem Konsortium aus Wissenschaft und Wirtschaft, das im Rahmen des Programms „Energetische Biomassenutzung“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) Fördermittel für das Projekt „BioPower2Gas“ erhalten hatte. Die Projektpartner brachten das Know-how zur Entwicklung der technisch modernen Pilotanlage ein. Die Genossenschaft stellte dem Konsortium wiederum die benötigten Daten zur Verfügung. Besonders eng war die Zusammenarbeit mit dem Konsortialpartner Cube Engineering (bzw. Ramboll) aus Kassel. Das Unternehmen führte techno-ökonomische Simulationen zur Auslegung der Anlage durch und lieferte die erforderlichen Fahrprogramme für die Anlage. Die tägliche Lieferung optimierter Fahrpläne wird auch nach Projektabschluss fortgesetzt.

Das Bioenergiedorf Jühnde eG ging mit dem Projekt Risiken ein. Die Fahrweise der Anlage war neu, Erfahrungswerte fehlten. Auch beim Wartungskonzept gab es keine Vorerfahrungen.

Nach zwei Jahren Planung und Realisierung ist die Anlage seit dem 18. Juli 2016 in Fahrplanbetrieb mit Direktvermarktung des erzeugten Stroms. Das Investitionsvolumen von etwa 1,4 Millionen wurde überwiegend fremdfinanziert. Die Genossenschaft konnte jedoch einen beachtlichen Teil selbst finanzieren.

Die Realisierung des Pilotprojekts durch die Genossenschaft stellt eine gute Leistung dar. Der erfolgreiche Betrieb der Anlage erhöht die Reputation der Genossenschaft. Damit wird das Bioenergiedorf Jühnde eG nach außen hin als verlässlicher Partner von aktuellen und potenziellen Projektpartnern wahrgenommen. Andere Bioenergiedörfer können nun von den Erfahrungen aus dem Pilotvorhaben profieren.

Zusammenhalt in der Genossenschaft und dem Dorf

Wichtig ist auch der Zusammenhalt in der Genossenschaft sowie dem Dorf Jühnde. Die aktuell 193 Mitglieder der Genossenschaft stellen 70 Prozent der Dorfgemeinschaft dar. Sie können sehr gut durch die Genossenschaft versorgt werden. Eine Ausweitung der Erzeugungsmenge bis zu 6 Mio. kWh pro Jahr ist technisch realisierbar. Aktuell erzeugt die Anlage 5 Mio. kWh pro Jahr, der Ort braucht etwa 2,2 Mio. kWh pro Jahr.

Vermarktung außerhalb des EEG

Die Genossenschaft wird eine weitere Ausbaustufe realisieren, um eine an der Jahreszeit orientierte Produktion zu ermöglichen. Dafür wird die Anlage um eine Hydrolyse erweitert, die die flexible Produktion von Biogas nach sich zieht. Im Sommer wird dann weniger Gas produziert und weniger überschüssige Wärme in den BHKW erzeugt. Im Winter hingegen wird die Gasproduktion gesteigert und ein größerer Wärmeanteil in Kraft-Wärme-Kopplung erzeugt, was auch den Einsatz des Holzhackschnitzel-Kessels weiter reduziert.

Mit diesem Stand der Technik lässt sich dann ein Langfristeffekt realisieren. Die effiziente und flexibel steuerbare Technik ermöglicht eine Vermarktung des erzeugten Stroms außerhalb des EEG und sichert dem Bioenergiedorf damit mit Blick auf die Zukunft deutlich verbesserte Chancen für eine gute Wirtschaftlichkeit. Den zukünftig überschüssigen Strom könnten beispielsweise die Dorfbewohner für Elektromobile nutzen.

Technische Details

Das gesamte Projekt besteht aus 3 Blockheizkraftwerken, zwei Zubau-BHKW mit einer elektrischen Leistung von je 550 kW und dem Bestands-BHKW mit 716 kWel, einer ORC-Hochtemperaturanlage mit 120 kW elektrischer Leistung, einer Ultraschall-Desintegrationsanlage mit 4 kW Leistung, zwei zusätzlichen Wärmespeicher zur zeitlichen Entkopplung von Stromerzeugung und Wärmeentnahme mit je 50 m³, die den bestehenden Wärmespeicher auf 200 m³ vergrößern, und einer weiteren Silokammer. Die ORC-Anlage erzeugt aus dem Abgas der BHKWs nochmal Strom und stellt damit eine Effizienzsteigerung des Gesamtbetriebs dar.

Weitere Informationen

Kontakt
Bioenergiedorf Jühnde eG
Eckhard Fangmeier
info@nospambioenergiedorf.de
www.bioenergiedorf.de

 

 

 

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