06. Februar 2015

Fraunhofer ISE-Direktor: Katastrophe im Photovoltaikzubau

Der Zubau an Solaranlagen sinkt 2014 stark. Eicke Weber, Direktor des Fraunhofer ISE, macht dafür das neue EEG-Gesetz verantwortlich.

(c) omika fotolia.com

Im Jahr 2014 betrug der Zubau an Solaranlagen nur knapp 1900 Megawatt (MW) und sackte gegenüber 2013 (3300 MW Zubau) um über 40 Prozent ab. Damit wird der jährliche Zielkorridor von 2400 bis 2600 MW für Photovoltaik, wie er im Erneuerbare Energiengesetz 2014 (EEG 2014) festgelegt ist, weit verfehlt. Dabei hat die Bundesregierung den „Zubau-Korridor“ im EEG 2014 schon stark abgesenkt. 2013 lag er er noch 2500 Megawatt bis 3000 Megawatt.

Eicke Weber, Direktor Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme in Freiburg, hält dies in einem Kommentar für pv-magazine für eine „katastrophale Folge des neuen EEG“. Dabei sei Photovoltaik für alle Verbraucher in Deutschland eine wirtschaftlich interessante Investition geworden.

Hohe EEG-Umlage als politisches Kalkül

Verantwortlich dafür ist laut Weber die politische Verunsicherung in den vergangenen Jahren. 2009 seien rund zehn Milliarden Euro für die Einspeisung erneuerbarer Energien gezahlt worden – finanziert durch fast alle Stromkunden mit einer Umlage von 1,2 Cent pro kWh n. Zwischen 2009 und 2013 verdoppelten sich die Auszahlungen auf rund 20 Milliarden Euro, doch die EEG Umlage verfünffachte auf rund 6,2 Cent/kWh. Grund sei eine drastische Ausweitung der von der EEG-Umlage befreiten Industrie. „Mit einer EEG-Umlage von über fünf Cent/kWh wurde es möglich, auf die Photovoltaik einzudreschen mit den Schlagworten: unbezahlbarer Strom, zu rascher Zubau, Abzocke bei Hartz IV-Empfängern!“, kritisiert Eicke Weber das politische Kalkül dahinter.

Giftpille im neuen EEG

Für ihn ist im neuen EEG eine „Giftpille“ eingebaut. Selbstverbraucher von Solarstrom nehmen keine Förderung aus dem EEG mehr in Anspruch, müssen aber eine 40-Prozent-EEG-Umlage auf den selbstverbrauchten Strom von Anlagen über zehn kW Leistung leisten.„Die Bundesregierung ließ den selbstverbrauchten Solarstrom sich nicht subventionsfrei entwickeln, er wurde sofort belastet. Diese 2,4 Cent/kWh können die Wirtschaftlichkeit vieler nicht geförderter Photovoltaik-Anlagen gefährden“, so die Einschätzung des Fraunhofer ISE-Direktors.

Ein weiterer negativer Effekt des Paradigmenwechsels im System sei, dass er die Planbarkeit von neuen Anlagen beseitige. Im EEG gebe es für die Umlage auf PV-Strom keinen Bestandsschutz „Wer garantiert denn, dass eine neue Bundesregierung nicht plötzlich diese Abgabe auf selbsterzeugten Strom weiter erhöht?“

Zum Kommentar von Eicke Weber

 

 

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