18. Juni 2013

Strom direkt vom Dach zum Verbraucher

Die Heidelberger Energiegenossenschaft eG (HEG) setzt ein PV-Direktverbrauchsprojekt um. Das Modell ist auch für andere Energiegenossenschaften interessant.

(c) Heidelberger Energiegenossenschaft eG

Auf dem Dach des Bettenhauses „Betten Knoll“ im Süden Heidelbergs hat die HEG eine Photovoltaikanlage mit einer Leistung von 46 kWp realisiert. Etwa ein Viertel des erzeugten Stroms sollen dabei direkt im Gebäude verbraucht werden, womit die Gebäudeeigentümerin etwa 60 Prozent ihres Strombedarfs decken kann. Die Gebäudeeigentümerin erhält so neben einer bürgerfinanzierten Photovoltaikanlage für die nächsten 20 Jahre günstigen Strom. Die HEG kann durch den Verkauf des Solarstroms vor Ort ein Projekt realisieren, das mit dem Marktintegrationsmodell des EEG 2012 (volle Vergütung nur für 90 Prozent des erzeugten Stroms) kaum wirtschaftlich gewesen wäre.

Direktverbrauch ist eine Mischung zwischen Eigenverbrauch und Direktvermarktung und beschreibt die Stromlieferung in direkter räumlicher Nähe ohne Netzdurchleitung. Bei diesem Modell muss die um zwei Cent verringerte EEG-Umlage (Grünstromprivileg) und die Umsatzsteuer bei der Preisgestaltung berücksichtigt werden. Die HEG kann „Betten Knoll“ somit den Solarstrom für 20,33 ct/kWh (brutto) anbieten. Den „Reststrom“ bezieht das Unternehmen weiter zum normalen Tarif über das Netz. Der überschüssige PV-Strom wird wie bisher ins Netz gespeist und über das EEG vergütet.

Strompreis, Bürgerbeteiligung und ein externer Spezialist
Der günstige Solarstrom war für das Unternehmen ein wichtiges Argument, das Projekt gemeinsam mit der HEG umzusetzen. Wie bei vielen anderen Gewerbebetrieben liegt der aktuelle Strompreis über dem möglichen Solarstrompreis. Die Bürgerbeteiligung bietet für den Gebäudeeigentümer zudem die Chance, Mitarbeiter und Kunden einzubinden und das Projekt breit zu kommunizieren. Schließlich ist es für Gebäudebesitzer vorteilhaft, Planung, Betrieb und Finanzierung in die Hände eines externen Spezialisten - wie einer Energiegenossenschaft - zu legen.

Technisch unterscheidet sich die Anlage kaum von einer gewöhnlichen Photovoltaikanlage: Neben dem Erzeugungs-Zähler ist ein Zweirichtungszähler installiert, der für die Abrechnung benötigt wird. Beim Netzbetreiber muss die HEG anstatt einer Volleinspeisung die Überschusseinspeisung anmelden. Das Modell ist nach Stromsteuergesetz von der Stromsteuer befreit, das sollte dennoch beim zuständigen Hauptzollamt angemeldet werden. In jedem Fall muss der Direktverbrauch mit Inbetriebnahme unter www.eeg-kwk.net angemeldet werden, um das Grünstromprivileg in Anspruch nehmen zu können. Mit dem Gebäudeeigentümer hat die Heidelberger Energiegenossenschaft einen Stromliefervertrag abgeschlossen, für den die Deutsche Gesellschaft für Solarenergie (DGS)  Franken eine Vorlage entwickelt hat („Dritte vor Ort beliefern“).

Wirtschaftlich darstellbar
Durch den Direktverbrauch kann die HEG auch die nach EEG nicht mehr vergüteten letzten zehn Prozent erwirtschaften, wodurch das Projekt auch mit den aktuellen Rahmenbedingungen wirtschaftlich darstellbar wird. Die HEG orientiert sich bei der Berechnung des Strompreises an der jeweils gültigen EEG-Vergütung. So erhält der Gebäudeeigentümer günstigen Solarstrom und die HEG eine langfristige Perspektive diesen Strom verkaufen zu können.

Risiken im Blick haben
Das Risiko eines Ausfalls der Stromlieferung, etwa aufgrund eines Leerstands des Gebäudes oder Änderungen der gesetzlichen Rahmenbedingungen darf jedoch nicht außer Acht gelassen werden. In jedem Fall sollte sich die Anlage bei 90Prozent Volleinspeisung und Vergütung nach EEG rechnen. Das genaue Kriterium für diesen „worst case“ muss jedoch jeder Anlagenbetreiber für sich selbst definieren. Die HEG hat beim Dach für die Firma „Betten Knoll“ verschiedene Modellrechnungen  zur möglichen Rendite  mit und ohne Direktverbrauch aufgestellt.  Der Vorstand ist der Überzeugung, dass das Geschäftsfeld PV für Energiegenossenschaften unter neuen Voraussetzungen auch weiterhin interessant bleibt.

Die HEG entwickelt derzeit Unterlagen und Tools, um anderen Genossenschaften den Einstieg in den Direktverbrauch zu vereinfachen. Mit einem Online-Tool, das ab Juni verfügbar ist, kann für jedes Projekt eine Kundendarstellung sowie eine interne Wirtschaftlichkeitsrechnung erstellt werden.

Text: Felix Schäfer,  Nico Ferchl

Kontakt
HEG Heidelberger Energiegenossenschaft eG 
c/o Pädagogische Hochschule Heidelberg
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www.heidelberger-energiegenossenschaft.de

 

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