12. November 2013

Bürgernah und effizient – Nahwärme

Ist Nahwärme als Geschäftsbereich einer Energiegenossenschaft sinnvoll? Was leistet eine solche Genossenschaft? W Welche Geschäftsmodelle gibt es? Ein Überblick.

Mit Hilfe von Nahwärmenetzen wird dezentral erzeugte Wärmeenergie zum Nutzer transportiert. Dabei werden mehrere Gebäude, ein Wohn- oder Gewerbegebiet oder eine ganze Gemeinde zu Heizzwecken bedient. Auf diese Weise lässt sich eine Energieerzeugung mit ausgeprägter Energieeffizienz bei hoher regionaler Wertschöpfung umsetzen. Nahwärmenetze können ein Baustein für die Ausweitung der Nutzung Erneuerbarer Energien sein.

Dezentrale Wärmeenergie für Haushalte
Nahwärme bezeichnet die Übertragung von Wärme zwischen Gebäuden über kurze Strecken, meist unter einem Kilometer. Die Verteilung erfolgt fast immer durch heißes Wasser, das durch unterirdi-sche Rohrleitungen gepumpt wird. Bei jedem Haushalt befindet sich eine Übergabestation. Deren zentrales Bauelement ist ein Wärmetauscher, der die Wärme auf den Wasserkreislauf im Haus überträgt. Für die Abrechnungen wird die entnommene Wärmemenge gemessen. Der angeschlos-sene Haushalt bezahlt pro bezogener Kilowattstunde und zusätzlich einen monatlichen Grundpreis. Darüber werden möglichst die verbrauchsunabhängigen Kosten gedeckt.  

Nahwärme ergänzt Geschäftsmodelle von Genossenschaften
Gegenüber anderen Technologien – etwa Heizungsanlagen in jedem Haus oder sogar jedem Haushalt – weist ein Nahwärmenetz erhebliche Vorteile auf:

  • Die Wärmeerzeuger in Nahwärmenetzen produzieren die Nutzwärme mit sehr hoher Energieeffizienz. Vor allem Anlagen mit hohem elektrischem Wirkungsgrad (BHKWs) nutzen die Primärenergie wesentlich besser, als wenn nur Heizkessel eingesetzt werden. 
  • Wird die Kraft-Wärme-Kopplung durch Nahwärmenetze eingesetzt, trägt diese vor allem zur Stromerzeugung im Winter bei. Das passt gut zum erhöhten Strombedarf im Winter und ist eine Kompensation der vermehrten Produktion der Photovoltaikanlagen im Sommer. Für Energiegenossenschaften mit Schwerpunkt Solarenergie ergänzt das ideal ihr bisheriges Geschäftskonzept.  
  • Zukünftige Verbesserungen oder auch ein Ersatz des Wärmeerzeugers lassen sich erheblich einfacher realisieren, wenn nicht viele kleine Heizkessel zu ersetzen sind. Zudem können Erneuerbare Energien aus Biomasse wie Holzpellets oder Hackschnitzeln gut genutzt werden: Die Abgasqualität eines großen Holzkessels ist besser, der Betriebsaufwand für die Brennstoffbeschaffung und Wartung geringer.

Welche Geschäftskonzepte sind denkbar? 
Für Energiegenossenschaften lassen sich fünf verschiedene Ansätze im Geschäftsfeld Nahwärme unterscheiden:

  • Die Genossenschaft beteiligt sich an der Finanzierung eines Nahwärmenetzes, ohne selbst Betreiber zu sein. Diese Option wird Energiegenossenschaften oft von Stadtwerken oder Kommunen angeboten. Ein solcher Ansatz muss mit den neuen Richtlinien des Kapitalanlagegesetzes (KAGB) vereinbar sein, das seit dem 22. Juli 2013 in Kraft ist. Da Nahwärme in der Regel nur ein Projekt von mehreren der Genossenschaft darstellt und zusätzlich fast immer Solaranlagen betrieben werden, trifft das voraussichtlich zu.
  • Die Genossenschaft errichtet und betreibt ein Nahwärmenetz als einziges Projekt ohne eigene Erzeugungsanlage. Ausgangspunkt sind meist eine Biogasanlage oder eine Industrieanlage, bei der die anfallende Wärme bisher in der Umwelt „verpufft“. Die Abhängigkeit vom Erzeuger bringt hier potentielle Risiken mit sich, die durch das geringere Investitionsvolumen und die niedrigeren Planungsrisiken relativiert werden. 
  • Das Betreiben einer oder mehrerer Produktionsanlagen in Zusammenhang mit einem Nahwärmenetz durch eine Einprojekt-Genossenschaft. Diese Ansätze werden überwiegend als Bioenergiedorf konzipiert. Durch die investive Verknüpfung mit einer Holzhackschnitzel- oder einer Biogasanlage ist die Planung aufwändiger, die Investition überschreitet meist die Millionengrenze. Bei diesen Genossenschaften sind die Mitglieder gleichzeitig Erzeuger und Verbraucher und setzen, häufig als Bioenergiedorf, eine eigenständige umweltfreundliche Energieversorgung um.
  • Die Energiegenossenschaft betreibt mehrere Projekte, darunter auch BHKWs in der Nahwärmeversorgung von Bestandswohnungen. Im Idealfall werden mehrere nebeneinander liegende Gebäude versorgt, die durch kleine Nahwärmenetze miteinander verbunden sind. Es bietet sich an, die Nutzer parallel auch mit Strom zu versorgen. Dies dürfte zukünftig immer häufiger umgesetzt werden, doch sind noch viele rechtliche Details im Zusammenhang mit der EEG-Umlage und der Stromsteuer zu klären.
  • Innovative Versorgungskonzepte für Neubauprojekte wie Kleinsiedlungen oder kleine Gewerbe-gebiete. Aufgrund ihrer geringen Größe wären sie als Einprojektgenossenschaften nicht rentabel, da der Niedrigenergiestandard der Gebäude den erzielbaren Umsatz begrenzt. Diese Ansätze sind zurzeit noch Zukunftsmusik. Sie werden jedoch ebenso wie BHKW-Projekte im Altbaubestand ein wichtiger Wachstumsmarkt für Energiegenossenschaften in den nächsten fünf Jahren sein.

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Text:  Burghard Flieger

 

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