28. Mai 2017

Die Genossenschaft erfolgreich weiterentwickeln

Neue Ideen, fachlicher Austausch und frische Motivation. Etwa 50 Verantwortliche von Energiegenossenschaften arbeiteten einen Tag lang an zukunftsfähigen Geschäftsfeldern.

Foto: Bürgerwerke eG

„Wieder Durchstarten“ haben die Bürgerwerke eG und das Netzwerk Energiewende Jetzt e.V. den gemeinsamen Praxisworkshop am 19. Mai betitelt. Durchstarten war programmatisch gewählt. Trotz bürgerenergiefeindlicher Energiepolitik machen sich Energiegenossenschaften auf den Weg, entwickeln ihre Organisation weiter und erproben neue Geschäftsmodelle. Mit kurzen Impulsen, Praxisbeispiele von Energiegenossenschaften und Handlungsleitfäden wollten die Veranstalter konkreten Nutzen bieten.

„Wir entziehen uns mit dem Klimawandel selbst die Grundlagen unseres Lebens.“ Martin Rühl, neuer Vorstandsvorsitzender des Bündnis Bürgerenergie e.V. erinnerte im Eröffnungsvortrag daran, worum es bei der Energiewende geht und wie wichtig der massive Ausbau der Erneuerbaren Energien ist. Er skizzierte zudem Trends bis 2025. Die Energiewende werde zellulärer, so werde ein großer Teil des Energiebedarfs in Häusern zukünftig vor Ort erzeugt. Deshalb sei es ein positives Zeichen, dass die Europäische Union stark das Recht auf Prosuming betont. Die große Bedeutung der Bürgerenergie sieht Rühl in der Gemeinwohlorientierung und dem Beitrag zu demokratischen Prozessen.

In den Workshops am Vormittag ging es darum, wie sich Energiegenossenschaften intern weiterentwickeln können. Welche handelnden Personen brauchen Genossenschaften? Wie lassen sich Kompetenzen weiterentwickeln und neue hinzugewinnen, wie bezahlte Kräfte finanzieren? Wie Genossenschaften strukturiert neue Mitglieder und Projekte gewinnen, war Thema eines Workshops. Ein wichtiger Punkt dabei ist das eigene Selbstbewusstsein. Statt „Wir sind doch nur Ehrenamtliche“ – „Wir sind ein professionell handelndes ehrenamtliches Unternehmen.“

Erfolgreich Stromkunden gewinnt, wer konkrete Ziele setzt, ein klares Wertversprechen hat, Verantwortliche für das Geschäftsfeld Stromlieferung benennt und weiß, welche Zielgruppen er anspricht. „Die regionale Wahrnehmung der Genossenschaft zu pushen“ hält Thomas Nußbaum von den Bürgerwerken für einen weiteren Erfolgsfaktor.

Einen großen Zulauf erhielt der Workshop am Nachmittag zum Zukunftsthema Elektromobilität. Die Verantwortlichen der Inselwerke eG stellten den Aufbau einer Ladesäuleninfrastruktur auf Usedom vor. „Wir wollen nicht den konventionellen großen Energieversorgern die Infrastruktur überlassen, so Frank Haney, Vorstand der Inselwerke. Um zukunftsfähige PV-Modelle von Direktverbrauch über Pachtmodelle bis zum Mieterstrom ging es in einem weiteren Workshop. Photovoltaik lohnt sich wieder, so das Fazit– und lässt sich koppeln mit der Lieferung von Reststrom oder integrierten Konzepten von Wärme, Strom und Speichern. Ein solches energetisches Gesamtkonzept stellte Jörn Burger von der BürgerEnergie RheinMain eG im vierten Nachmittagsworkshop anhand eines Kindergartenneubaus vor.

Das Fazit des Praxisworkshops: Wieder Durchstarten im Jahr 2017 ist komplexer als die Projekte zu Zeiten von 100 Prozent EEG-Vergütung. Doch es gibt Spielräume und Energiegenossenschaften nutzen diese. „Neue Ideen, ein guter fachlicher Austausch und frische Motivation“ so lautete das Resümee eines Teilnehmers.

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