21. Juni 2016

Gemeinsam die Energiewende in der Region voranbringen

Die BürgerEnergie Solingen eG (BESG) kooperiert mit den örtlichen Stadtwerken bei einem gemeinsamen Stromprodukt und einem gemeinsamen Unternehmen, das Erneuerbare Energien Anlagen projektierten soll.

Foto: BürgerEnergie Solingen eG

Die Kooperation zwischen Energiegenossenschaften und Stadtwerken ist naheliegend. Beide sind lokal verbunden und engagiert und wollen – je nach Ausrichtung des Stadtwerkes – die Energiewende vor Ort aktiv gestalten. Dennoch ist eine enge und konstruktive Zusammenarbeit eher die Ausnahme.

Welche Kooperationsmöglichkeiten es gibt zeigen die BürgerEnergie Solingen eG (BESG) und die Stadtwerke Solingen (SWS). Ein gemeinsames Stromprodukt, ein gemeinsames Unternehmen, das Erneuerbare Energien Anlagen planen und errichten soll, sind die ersten konkreten Ergebnisse der Zusammenarbeit.

Gemeinsames Stromprodukt BESG - Bürgerstrom

Seit 1. Januar 2016 vertreibt die Bürgerenergie Solingen eG (BESG) exklusiv den BESG - Bürgerstrom, erst einmal ausschließlich an Solinger Privatkunden. Dieser 100% Grünstrom richtet sich nach den Kriterien des OK-Power-Label. Der Preis beträgt 27,55 Cent je Kilowattstunde, der Grundpreis 8,33 Euro pro Monat. Damit liegt der Bürgerstrom etwas unter dem Niveau des Grundversorgungstarifs für Privathaushalte. Im Preis enthalten ist der „Solinger Sonnenpfennig“ von 0,5 Cent pro kW/h. Das so gesammelte Geld wird – jeweils nach Zustimmung der Generalversammlung der Energiegenossenschaft – in den Ausbau bürgereigener Anlagen zur regenerativen Stromerzeugung in Solingen investiert oder in andere spezielle Maßnahmen zur Unterstützung der Energiewende vor Ort. "Es ist uns wichtig, dass die BürgerInnen sehen können, dass etwas passiert", sagt Ingeborg Friege, Vorstandsvorsitzende der BESG.

Die BürgerEnergie Solingen eG übernimmt die Ansprache der KundInnen, Verkauf und Marketing. Die Stadtwerke kümmern sich um die Verträge, die Abrechnung, Kundenbetreuung und den Einkauf. Von der Marge profitieren Stadtwerke wie die BESG. Der BESG - Bürgerstrom sei ein guter erster Grundstein der Zusammenarbeit mit den Stadtwerken, so Ingeborg Friege. Auch die Stadtwerke zeigen sich zufrieden. Eine Konkurrenz sehen sie nicht, obwohl sie einen eigenen Ökostromtarif anbieten. Mit dem BESG-Bürgerstrom erreiche man "ökologisch anspruchsvolle Kunden". Dieses Kundensegment sei den Stadtwerken bisher weitgehend verschlossen

Etwa 100 bis 200 Kunden hat sich die BESG für das erste Jahr zum Ziel gesetzt. Im April 2016 sind es bereits 76. Die Genossenschaft ist aktiv im Vertrieb, spricht die eigenen Mitglieder an und ist auf Veranstaltungen präsent: Bei Kirchen, dem Frühjahrsempfang der Grünen, Immobilienmessen der Stadtsparkasse, Stadtfesten usw.

Kooperationsvertrag

Die Vorgeschichte der Kooperation begann mit der Rekommunalisierung der Stadtwerke im Jahr 2012. Der Solinger Stadtrat hatte zudem beschlossen eine Bürgerbeteiligung an den Stadtwerken, etwa über eine Energiegenossenschaft oder einen Bürgerfond zu ermöglichen. Im März 2014 gründete sich die BürgerEnergie Solingen iG (BESG), um eine dezentrale, möglichst lokale Erzeugung von Energie aus erneuerbaren Quellen voranzubringen. Das Ziel, Anteile an den Stadtwerken zu erwerben, scheiterte allerdings vorerst am Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB). Trotzdem blieb die Genossenschaft mit den Stadtwerken im Gespräch.

Ende Oktober 2015 schlossen die BürgerEnergie Solingen und die Stadtwerke Solingen einen Kooperationsvertrag. „Dies ist ein Meilenstein, weil beide Seiten trotz anfänglicher Skepsis eine Schnittmenge der Interessen und damit auch einen Weg zur Zusammenarbeit gefunden haben“, erläuterte SWS-Chef Andreas Schwarberg. Beide Unternehmen, die SWS und die BESG, hätten gemeinsame Ziele.

Gemeinsames Unternehmen – Energie für Solingen

Ende Januar 2016 gingen die Energiegenossenschaft und die Stadtwerke den nächsten Schritt in ihrer Kooperation und gründeten die gemeinsame Kommanditgesellschaft Energie für Solingen GmbH & Co. KG (EfS). Die Gesellschaft wird Anlagen zur Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energien planen, errichten und betreiben. An der Gesellschaft ist die BESG als Kommanditist zu 20 Prozent beteiligt. Die „Energie für Solingen“ wird sich mit einer Million Euro an der Mitte 2015 gegründeten Trianel Erneuerbaren Energie GmbH (TEE) beteiligen. Die TEE ist ein Gemeinschaftsunternehmen, an dem rund 40 Stadtwerke, Regionalversorger und Genossenschaften beteiligt sind. Die TEE will bis 2019 voraussichtlich etwa 400 Millionen Euro für den Ausbau und Betrieb von Onshore Windparks und Freiflächen - Photovoltaikanlagen in Deutschland investieren. „Über die Energie für Solingen können wir uns schneller an nachhaltigen Erzeugungsprojekten beteiligen“, so Ingeborg Friege. „Auf mittlere Sicht wollen wir die Solinger Bürgerinnen und Bürger virtuell mit selbstproduziertem erneuerbaren Strom versorgen können.“ Zudem habe die Genossenschaft die Aussicht auf eine „vernünftige Rendite“.

Die BESG will auch selbst die Erzeugung von Ökostrom steigern. Bisher betreibt die BürgerEnergie Solingen zwei PV-Anlagen. Weitere Anlagen auf kommunalen Dächern könnten evtl. folgen. “Wir können durch ehrenamtliche Arbeit mit niedrigeren Renditen kalkulieren und deshalb Projekte realisieren, die sich für die Stadtwerke nicht lohnen.“ Ein weiteres Standbein der Genossenschaft sind öffentliche Informationsveranstaltungen. Zum Energiewendestammtisch kommen z.B. regelmäßig 20 bis 40 Personen. „Wir wollen so auch das Wissen über die Notwendigkeit einer dezentralen Energiewende weiter verbreiten“, sagt Ingeborg Friege.

Kontakt
BürgerEnergie Solingen  eG
c/o Ingeborg Friege
Westerwaldstr.7
D-42719 Solingen
E-Mail: info@nospambuergerenergie-solingen.de
www.buergerenergie-solingen.de

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