Schülergenossenschaft Öko-E: Ökostromvertrieb und sanfter Tourismus

Ausgezeichnet: Die SchülerInnengenossenschaft Oeko-E; Foto: Oeko-E

Stichworte: Vertrieb von Ökostrom, Umweltbildung

Die Schülergenossenschaft Öko-E an der Gesamtschule in Windeck/Sieg wirbt Stromkunden für die Bürgerwerke eG in Heidelberg, betreibt das Internetportal www.eco-ferien.de und betreut Streuobstwiesen in der Region. Der Gewinn für die Jugendlichen: Sie erleben in Schülergenossenschaften Selbstwirksamkeit.

Die Schülergenossenschaft Öko-E – Projektziele

Unsere Genossenschaftsmitglieder sind zurzeit 13 Schülerinnen und Schüler im Alter von durchschnittlich nur 12 Jahren. Sie handeln in ihrem genossenschaftlichen Unternehmen dennoch mit größter Ernsthaftigkeit.  

Die zugrundeliegende Idee der Schülergenossenschaften besteht darin, für Schülerfirmen eine Rechtsform zu schaffen, die ein sehr realitätsnahes Arbeiten ermöglicht. Das geschieht dadurch, dass ein Genossenschaftsverband (in unserem Falle der Rheinisch-Westfälische Genossenschaftsverband e.V., RWGV) den Geschäftsplan und die Einhaltung rechtlicher Vorgaben bei der Firmengründung prüft. Nach dem Gründungsprozess werden die Schülergenossen dann jeweils am Ende eines Geschäftsjahres von einem Wirtschaftsprüfer des Verbandes geprüft – wie eine echte Genossenschaft auch. Als weitere externe Partner solcher Schulprojekte spielen genossenschaftlich organisierte Unternehmen im Umfeld der Schulen eine wesentliche Rolle: Diese „Patengenossenschaften“ stehen den Schülerinnen und Schülern mit ihrem Praxiswissen beratend zur Seite und unterstützen den Gründungsprozess auch finanziell, da Schülerfirmen keine Kredite aufnehmen dürfen. Zu den Zielen der Schülergenossenschaften gehören vor allem eine vertiefte Berufswahlorientierung, der Erwerb wirtschaftlicher Grundkenntnisse und sozialer Kompetenzen sowie in unserem Falle auch eine praxisorientierte Umweltbildung.

„Patengenossenschaften“ und Ergebnisse des ersten Geschäftsjahres

Unsere „Patengenossenschaften“ sind die Rosbacher Raiffeisenbank eG und die Energiegenossenschaft Maxwäll eG. Für unseren Kooperationspartner, die Bürgerwerke eG, haben wir in unserem ersten (Rumpf-) Geschäftsjahr acht Stromkunden gewonnen. Unser Internetportal eco-ferien bietet derzeit 103 Unterkünfte mit Nachhaltigkeitskriterien an, außerdem konnten wir 94 Flaschen Apfelsaft verkaufen und auf einer Streuobstwiese der Gemeinde Windeck/Rosbach drei neue Obstbäume anpflanzen. Das ist fürs Erste nicht viel. Doch zunächst steht auch die Qualifizierung der jungen Schülergenossen im Vordergrund unserer Arbeit. Dabei werden wir – neben den Patengenossenschaften – auch noch vom Senior-Experten-Service aus Bonn unterstützt. 

Stromkunden werben für die Bürgerwerke eG

Bei der Einwerbung von Stromkunden für die Bürgerwerke eG gehen die Schüler folgendermaßen vor: Wir bieten (zunächst im Umfeld unserer Schule) im Rahmen unserer Unterrichtszeit jeden Donnerstag von 14:15 Uhr bis 16:15 Uhr eine persönliche Beratung anhand der letzten Stromabrechnung an. Diese ist zum Beratungsgespräch mitzubringen. Dabei versuchen wir die Interessenten davon zu überzeugen, dass es nicht nur darum gehen kann, den aktuell billigsten Anbieter zu finden, sondern auch auf andere Qualitäten zu blicken. Das sind z. B. unbefristete und gerecht bezahlte Arbeitsplätze, faire Kündigungsfristen, auf Dauer möglichst gleichbleibende Preise mit transparenter Kostenaufstellung und schließlich insbesondere eine möglichst geringe Umweltbelastung. Zudem haben wir die Einwohner Rosbachs mit Flyern der Bürgerwerke und Presseberichten auf unser Beratungsangebot aufmerksam gemacht.

Im neuen Schuljahr werden wir diese Form der Öffentlichkeitsarbeit mit selbst hergestellten Flyern in Form eines Newsletters noch einmal avisieren. Dabei soll dieser "Newsletter" dann auch aktuelle Nachrichten aufgreifen, z. B. die Schwierigkeiten bei der Suche nach einem atomaren Endlager, Neuigkeiten von den Bürgerwerken oder den Energiegenossenschaften in unserer Region, Protestaktionen gegen Braunkohletagebaue im Rheinland und so weiter. Darüber hinaus werben wir auch bei Veranstaltungen der Realschule Waldbröl, Sitz der Schülergenossenschaft Naschwerk, für unseren Bürgerstrom. Auch die Anbieter von Ferienunterkünften auf www.eco-ferien.de haben wir beim Versand unserer Rechnungen über das Angebot der Bürgerwerke informiert.

Außerdem findet Anfang Juli wieder unser Schulfest statt, genannt "Der Rosbacher Sommernachtstraum". Dort werden wir zum zweiten Mal die Gelegenheit nutzen, Eltern, Großeltern und das Lehrpersonal unserer Schule auf unser Öko-Strom-Angebot aufmerksam zu machen und möglichst viele E-Mailadressen für die Versendung unseres Newsletters einzusammeln. Eine weitere Aktion auf diesem Schulfest könnte eine Tombola sein, die den Anreiz für den Umstieg für potenzielle Kunden aus dem Schulumfeld erhöhen kann.

Wir sind insgesamt mit einem engen Zeitfenster und schmalem finanziellen Budget aufgestellt, dennoch von der Nützlichkeit unseres Tuns überzeugt und starten mit gleichbleibend hoher Motivation ins zweite Geschäftsjahr.

Internetportal www.eco-ferien.de

Auf unserem Internetportal können sich ausschließlich Anbieter von Naturcampingplätzen, Bio-Pensionen und Bio-Hotels eintragen, damit Urlauber bei ihrer Feriengestaltung auch auf Umweltaspekte (z.B. Ökostrom, ökologische Bauweise von Gebäuden, energetische Gebäudesanierung, umweltschonende Freizeitangebote etc.) achten können.

Hürden und Risiken

Für eine Investition in umfangreiche Marketingmaßnahmen und eine ordentliche Büroausstattung reichen die Gewinne der Öko-E aus dem ersten Geschäftsjahr noch nicht, sodass wir im Lehrerzimmer unserer Schule tagen müssen. (Wer als Lehrer tätig ist oder wer sich an die eigene Schulzeit erinnern mag, weiß, was das bedeutet!) Dies ist also eine Hürde: Schülergenossenschaften müssen sich zunächst über die Ausgabe von Genossenschaftsanteilen finanzieren. In unserem Fall haben wir aber auf einen höheren Betrag je Genossenschaftsanteil der Mitglieder verzichtet, damit auch z. B. Flüchtlingskinder Zugang zu diesem Projekt haben. Deshalb stammt auch eines unserer Vorstandsmitglieder aus Aleppo.

Ansonsten ist unser Geschäftsmodell sehr risikoarm, da wir für die einzelnen Geschäftsfelder keine hohen laufenden Geschäftskosten haben. Lediglich die Rechnungen der Provider unserer Homepage oeko-e.de und unseres Internetportals eco-ferien.de stellen laufende Belastungen dar. Im Gegensatz zu „echten“ Firmen müssen Schülergenossenschaften ja auch keine Löhne zahlen. Zeitkonten zu führen ist dennoch sinnvoll, damit es bei der Verteilung der zu leistenden Arbeit gerecht zugeht.

Erfolgsfaktoren

Eine Schülergenossenschaft kann zum Motor der Regionalentwicklung werden. Durch eine praktische Zusammenarbeit mit dem Schulträger/der Kommune lernen Jugendliche früh die Mitarbeiter in der Verwaltung sowie politische Amtsträger kennen. So nehmen wir z. B. nach den Landtagswahlen in NRW Kontakt zu den Abgeordneten aus unserer Region auf und laden diese zu einer Diskussionsrunde ein. Umweltpolitische Themen in NRW sind z. B. der Abbau der Braunkohle im Tagebau sowie die Sorge um Arbeitsplatzverluste im Bereich der Kohlekraftwerke im Zuge der Energiewende. Auch auf der Ebene der Kreispolitik gewinnen unsere Schülergenossen einen tiefen Einblick in die Ursachen und Folgen des demographischen Wandels. Der macht sich unter anderem dadurch bemerkbar, dass ehemalige Kulturlandschaften nicht mehr bewirtschaftet werden und „verwildern“. Meine These lautet: Junge Menschen, die gelernt haben, wie Wirtschaft funktioniert und wie man politische Forderungen formuliert und adressiert, werden sich als junge Erwachsene eher ehrenamtlich für öffentliche Belange einsetzen als solche, die Erkenntnisse dieser Art nicht im Rahmen ihrer Schulbildung gewinnen konnten. Denn Jugendliche erleben in Schülergenossenschaften Selbstwirksamkeit.

Weitere Informationen

Homepage der Schülergenossenschaft Öko-E
Bürgerwerke eG
Patengenossenschaft Maxwäll-Energie Genossenschaft eG

Ansprechpartner für Fragen
Holger Siems, projektbetreuender Lehrer
Gesamtschule Windeck
Hurster Str. 12
51570 Windeck-Rosbach
Tel.: 02292 5162
E-Mail: siems-wissen@t-online.de

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