Verstromung von Ökogas mit flexibler Erzeugung

Stichworte: BHKW, Biogas, Wärmespeicher, Stromlieferung  

Das Bioenergiedorf Jühnde eG betreibt eine Biogasanlage mit erhöhter BHKW-Leistung. Zusätzlich ist diese mit einem Gas- und Wärmespeicher ausgestattet, sodass die Anlage flexibel auf Bedarfs- oder Marktimpulse reagieren kann. Die effiziente Technik macht eine Vermarktung des erzeugten Stroms außerhalb des EEG möglich.

Das gesamte Projekt besteht aus 2 Blockheizkraftwerken mit einer Leistung von je 550 kW, einer ORC-Hochtemperaturanlage mit 120 kW Leistung, einer Ultraschall-Desintegrationsanlage mit 4 kW Leistung, zwei zusätzlichen Wärmespeicher mit je 50 m³ und einer weiteren Silokammer. Die ORC-Anlage erzeugt aus dem Abgas der BHKWs nochmal Strom und stellt damit eine Effizienzsteigerung des Gesamtbetriebs dar. Im Gegensatz zum üblichen Betrieb von BHKWs wird diese Anlage bedarfsorientiert betrieben. Das heißt, sie erzeugt in Abhängigkeit des Stromangebots an der Börse Strom erzeugt.

Der Anlass zum Bau dieser Anlage gab die Neuausrichtung der Genossenschaft. Das Bioenergiedorf Jühnde eG entschied sich aufgrund der nun mehr zehn Jahre alten Technik im Jahre 2013/2014 für ein Repowering bzw. Ausbau der Anlagen in Jühnde.

Die Projektpartner ergaben sich aus einem Antrag seitens des Projektkonsortiums im Rahmen des Programms „Energetische Biomassenutzung“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi). Nach Erhalt der Fördermittel ist das Konsortium auf die Genossenschaft aufmerksam geworden. Bei dieser Projektpartnerschaft erhält die Genossenschaft keine Förderung aus dem Antrag.

In der Folge kam es zur Neukonzipierung der Anlage. Die Projektpartner brachten das Know-how für diese technisch moderne Anlage. Die Genossenschaft stellt dem Konsortium bzw. dem Gesamtprojekt des Konsortiums wiederum die entstehenden Daten zur Verfügung.

Der Realisierungszeitraum betrug zwei Jahre, die Anlage wurde kürzlich fertig gestellt und ist in Betrieb. Zur Realisierung waren viele regionale Partner sowie das Netzwerk der Genossenschaften bedeutsam. Daneben bestand insbesondere mit dem Konsortiumspartner Cube Engineering eine enge Partnerschaft. Dieses Unternehmen lieferte die erforderlichen Fahrprogramme für die Anlage.

Das Investitionsvolumen beläuft sich auf 1,3 bis 1,4 Millionen, wobei der überwiegende Teil fremdfinanziert wurde. Allerdings konnte ein beachtlicher Teil aus der Genossenschaft heraus finanziert werden. Dabei stellte sich die anvisierte Ausbaustufe der Anlage gegenüber den Banken als sehr gut wirtschaftlich darstellbar heraus.

Hürden und Risiken

Es existierten mehrere Risiken bei der Realisierung, denn es bestanden Unsicherheiten bezüglich der Bewahrheitung des erstellten technischen Konzepts. So war die implementierte Fahrweise der Anlage neu und es fehlten schlichtweg Erfahrungswerte. Ebenso bestand ein gewisses technisches Risiko bei der Anlage. Auch hinsichtlich des  Wartungskonzepts lagen keine Vorerfahrungen vor.

Des Weiteren war mit dieser Anlage eine hohe Investition verbunden. Banken, aber auch die Genossenschaft mussten erstmal von dem Konzept überzeugt werden.

Erfolgsfaktoren

Die Realisierung des Pilotprojekts durch die Genossenschaft stellt eine gute Leistung dar. Der erfolgreiche Betrieb der Anlage erhöht die Reputation der Genossenschaft. Damit wird das Bioenergiedorf Jühnde eG nach außen hin als verlässlicher Partner von aktuellen und potenziellen Projektpartnern wahrgenommen. Die Energiegenossenschaft hat das Projekt mit wirklich verlässlichen und guten Projektpartnern realisieren können.

Herauszustellen sind die Einigkeit und der Zusammenhalt in der Genossenschaft sowie dem Dorf Jühnde. Die aktuell 193 Mitglieder der Genossenschaft stellen 70 Prozent der Dorfgemeinschaft dar, denn ein Mitglied repräsentiert im Regelfall einen Haushalt, da nur eine Person aus dem gesamten Haushalt Mitglied der Genossenschaft sein muss. Diese 70 Prozent der Dorfgemeinschaft können sehr gut durch die Genossenschaft versorgt werden, eine höhere Versorgung wäre ohne Probleme möglich. Aktuell erzeugt die Anlage 5 Mio. kWh pro Jahr, der Ort braucht etwa 2,2 Mio. kWh pro Jahr und eine Ausweitung der Erzeugungsmenge bis zu 6 Mio. kWh pro Jahr ist technisch realisierbar.

Demnächst wird noch eine weitere Ausbaustufe realisiert werden. Sie hat das Ziel, eine an der Jahreszeit orientierte Produktion zu ermöglichen, im Gegensatz zur aktuell an der Tageszeit orientierten Erzeugung. Dafür wird die Anlage um eine Hydrolyse erweitert, die die flexible Produktion von Biogas nach sich zieht.

Mit diesem Stand der Technik lässt sich dann ein Langfristeffekt realisieren, da die effiziente Technik eine Vermarktung des erzeugten Stroms außerhalb des EEG möglich macht. Der in der Zukunft überschüssige Strom könnte beispielsweise für die Dorfbewohner für die Nutzung von Elektromobilen zur Verfügung stehen, sodass der gesamte Strom eigens genutzt würde.

Material und Fotos

Biogas flexibel nutzen mit Fahrplanmanagement, Vortrag von Dirk Filzek, Tag der offenen Tür Bioenergiedorf Jühnde, 18.06.2016. 

Ansprechpartner für Rückfragen
Bioenergiedorf Jühnde eG
Eckhard Fangmeier
Koppelweg 1
37127 Jühnde
Tel.: 05502-998485
Fax: 05502-998385
info@bioenergiedorf.de
www.bioenergiedorf.de

 

 

 

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