Energiegemeinschaft Weissacher Tal eG: Nachhaltige Kooperation mit der Kommune

Stichworte: Kooperation mit Kommune, Photovoltaik, Stromlieferung,

Die Energiegemeinschaft Weissacher Tal eG im Rems-Murr-Kreis wurde von den Bürgerinnen und Bürgern gemeinsam mit der Kommune Weissach im Tal gegründet. Später schlossen sich die Nachbargemeinden Auenwald und Allmersbach im Tal an. Die Gemeinden verstehen „ihre“ Genossenschaft“ als dauerhafte Einrichtung für die Bürgerschaft.

Die Geschichte der Energiegemeinschaft Weissacher Tal ist eng mit der Kommune Weissach im Tal verbunden. Diese hat die Gründung der Genossenschaft 2008 mit initiiert. Die örtliche Raiffeisenbank, Gemeinderat und Genossenschaftsverband erstellten die Satzung. Die Gemeinde beteiligte sich mit 5000 Euro an der Energiegenossenschaft, bei einem größeren Betrag hätte die Kommunalaufsicht Einspruch erhoben. Der Bürgermeister der Kommune, Ian Schötzel, ist ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Energiegenossenschaft. So erfährt die Kommune von den Planungen und Projekten aus erster Hand.

Geburtsstunde der Genossenschaft war eine Bürgerversammlung im November 2008 in Weissach im Tal mit 120 Teilnehmern, zu der der Bürgermeister eingeladen hatte. Über 80 Teilnehmer erklärten sich spontan bereit, Geschäftsanteile zu übernehmen. Bereits im darauf folgenden Jahr 2009 traten die Gemeinden Auenwald und Allmersbach im Tal der Genossenschaft bei. Sie erklärten sich bereit, sich verstärkt in ihren Gemeinden für die Förderung von regenerativen Energien und die Mitgliederwerbung für die Genossenschaft einzusetzen. Die Bürgermeister wurden zu Mitgliedern des Aufsichtsrates gewählt, ein wichtiges Bekenntnis der Gemeinden zu „ihrer“ Genossenschaft. Die Genossenschaft bietet den Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit, sich an der regenerativen Energieerzeugung zu beteiligen und die Energiewende voranzubringen.

Bei den ersten Photovoltaikanlagen stellte die Kommune die Dächer mietfrei zur Verfügung. Bis Ende 2016 errichtete die Energiegemeinschaft Weissacher Tal zwölf PV-Anlagen, anfangs überwiegend auf kommunalen Dächern, inzwischen verstärkt auf privaten Industriedächern. Bei den Unternehmen wird ein hoher Anteil der erzeugten Energie in den Betrieben verbraucht.

Aktuell hat sich die Energiegemeinschaft Weissacher Tal für die Errichtung einer Energiezentrale in einem neuen Wohngebiet mit „Mietercontracting“ für 80 Wohnungen beworben. Weitere Projekte sind in Planung mit der Gemeinde, zum Beispiel ein E-Bürgerbus.

Die Energiegemeinschaft Weissacher Tal hat bei den Bürgerinnen und Bürgern großen Zuspruch. Ca. 80 Personen haben 2008 die Energiegemeinschaft gegründet, heute sind es über 320 Mitglieder. Die Energiegenossenschaft schüttet derzeit eine jährliche Rendite von drei Prozent aus.

Hürden und Risiken der Kooperation

Vor allem die Netzbeteiligung durch die Energiegenossenschaft stieß auf großen Widerstand des Netzbetreibers, so dass die Frage letztlich lautete: Entweder die Gemeinde selbst oder gar keine Netzbeteiligung.

Hürden ergeben sich auch aus Interessenkonflikten, wenn z. B. im Gemeinderat die Auffassung besteht, die Gemeinde könne das fragliche Projekt selbst wirtschaftlich betreiben. Der Widerstand entzündet sich dann an der − manchmal nur vermeintlichen − Tatsache, der Genossenschaft könne ein ungerechtfertigter Vorteil eingeräumt werden.

Schwierigkeiten können auch auftreten, wenn in den Gemeinden Bürgerinitiativen gegen geplante Projekte entstehen, etwa der Windkraft.

Erfolgsfaktoren der Kooperation

Die enge Zusammenarbeit von Kommune und Energiegenossenschaft war zum beiderseitigen Gewinn. Garanten der langfristigen Kooperation sind vor allem die Mitgliedschaft der Bürgermeister im Aufsichtsrat der Genossenschaft, die Bereitstellung von geeigneten Dachflächen für Photovoltaikanlagen, die Vermittlung weiterer energiepolitischer Aktivitäten und nicht zuletzt die Wahrnehmung der Geschäftsstellenfunktion für die Genossenschaft (Mitgliederverwaltung).

Die Gemeinde hat zudem die Gründung der Genossenschaft mit einer Bürgerversammlung auf den Weg gebracht und den Start der Energiegenossenschaft unterstützt, indem sie die fachlichen Vorarbeiten leistete.

Die Kommune kann so auch Einfluss auf die lokale und regionale Energiepolitik nehmen, ohne eigenes Kapital einzusetzen.

Die Energiegenossenschaft

  • gestaltet vor Ort die Energiewende durch zielgerichtete Investitionen (ohne Einsatz öffentlicher Mittel,
  • hat vor Ort bei den Bürgerinnen und Bürgern Kapital akquiriert und Projekte realisiert,
  • leistet einen Beitrag zur lokalen Wertschöpfung(Aufträge für Planer und Handwerker u.a.),
  • bietet den Bürgerinnen und Bürgern attraktive Anlagemöglichkeiten,
  • und sorgt letztlich für höhere Steuereinnahmen

Zudem können gemeinsame Ziele wie mehr Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern und Klimaschutz realisiert werden.

Weiterentwicklung der Genossenschaft

Mit Ökostrom Plus bietet die Energiegemeinschaft seit 2014 als Mitglied der Bürgerwerke einen Bürgerstromtarif vor Ort an und wirbt mit bekannten Personen im Ort wie dem Bürgermeister Ian Schötzel: „Ich habe gewechselt, weil ich vor Ort Stromverbrauch und Energieversorgung zusammenbringen möchte.“ Der Genossenschaft ist das Bekenntnis der Multiplikatoren wichtig, weil es Vertrauen schafft. Inzwischen hat sie 160 Stromkunden gewonnen und verweist mit Stolz darauf, dass sie den Ökostrom für ihre Kunden zumindest rechnerisch auch selbst produziert.

Die Energiegemeinschaft hat inzwischen hohe Rückflüsse aus den Anlagen. Aufgrund der EEG-Novellierungen ist das anfängliche Renditeniveau stark rückläufig und die Risiken gestiegen. Die Genossenschaft hat sich entschieden, die frei werden Mittel im Interesse der Energiewende auch für weniger attraktive Investitionen einzusetzen. Aktuell hat die Energiegemeinschaft zwei Industrieunternehmen gewinnen können und Analgen von 75 kWp und 99 kWp errichtet. Sie sind 2016 ans Netz gegangen bzw. gehen 2017 ans Netz.

Die Entwicklung der Energiegemeinschaft ist stark eingeschränkt durch die Blockaden bei der Windkraft. Die Energiegemeinschaft Weissacher Tal ist an zwei Projekten beteiligt, die beide aufgrund sehr fragwürdiger Einwände der Flugsicherung „auf Eis gelegt“  sind.

Aktuell steht eine personelle Erneuerung an mit Personen, die neue Ideen und Impulse in die Genossenschaft bringen. So sucht die Genossenschaft konkret Personen für die Nachfolge im Vorstand, den Stromvertrieb, Industriedächer und Mobilität.

Material

Bericht über die Energiegemeinschaft 

Vortrag Reinhard Knüdeler auf Veranstaltung „Kommunaler Klimaschutz – zusammen mit den Bürgern“

Ansprechpartner für Fragen
Energiegemeinschaft Weissacher Tal eG
Vorstand: Reinhard Knüdeler
Kirchberg 2-4 71554 Weissach im Tal
Tel: 07191-3531-19
www.energie-wt.de

 

 

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