Wolfhagen: Energiewende demokratisch

Stichworte: Kooperation, Beteiligung an Stadtwerken, Energieeffizienz, Energiesparfonds

Die Stadt Wolfhagen in Nordhessen hat über eine BürgerEnergie-Genossenschaft die Bürger an ihren Stadtwerken beteiligt – und die Energieversorgung demokratisiert. Ein Energiesparfonds unterstützt die Mitglieder bei der Reduzierung der Stromkosten.

Kunden werden zu Miteigentümern und gestalten die lokale Energieversorgung mit. Das ist die Idee der BürgerEnergieGenossenschaft Wolfhagen eG. Die Genossenschaft ist seit September 2102 mit 25 Prozent an den Stadtwerken Wolfhagen GmbH und derer Tochtergesellschaften beteiligt. Zwei Vertreter der Genossenschaft sind im neunköpfigen Aufsichtsrat der Stadtwerke und bestimmen so wichtige Entscheidungen über die Ausrichtung des Stadtwerks mit.

Die Initiative zu mehr Bürgerbeteiligung kam vom langjährigen Geschäftsführer der Stadtwerke, Martin Rühl. Die Gesellschaftsform der Genossenschaft hielt er für ideal, „sie bringt eine dauerhafte Demokratisierung der lokalen Energieversorgung – und mehr Identifikation.“ Stadtwerke und Kommune setzten darauf, mit der Genossenschaft die Bürger mit ins Boot zu holen bei der Gestaltung der Energiezukunft Wolfhagens. „Wir wollen die Bürger durch die genossenschaftliche Beteiligung nicht nur zu Miteigentümern und Mitverdienern machen, sondern durch die Form einer direkten Beteiligung an den Stadtwerken auch zu Mitentscheidern. Bei zukünftigen Projekten sitzen die Bürger und Stromkunden also von Anfang an mit am Tisch“, so Martin Rühl 2011.

2008 hatte die Stadt Wolfhagen beschlossen, ihren Stromverbrauch bis 2015 aus regenerativen Energien vor Ort zu erzeugen. Dabei setzte die Kommune auf ein Zusammenspiel von Sonne, Wind und Biomasse setzen. Ein Teil des Konzeptes war der Windpark auf dem Rödeser Berg nahe Wolfhagen. Noch vor der Genehmigung des Windparks beschloss das Stadtparlament eine Bürgerbeteiligung an den kommunalen Stadtwerken. Motive waren eine stärkere Kundenbindung an die Stadtwerke, eine höhere Akzeptanz der Bevölkerung etwa bei Windprojekten und die Erhöhung des Eigenkapitals. Das Geld, das die BürgerEnergiegenossenschaft in die Beteiligung an den Stadtwerken investierte, steckten die Stadtwerke wiederum in erneuerbare Energie-Projekte. Der Wolfhager 10 MW Solarpark wurde so finanziert.

Im März 2012 gründeten 264 Personen die Bürgerenergiegenossenschaft Wolfhagen eG (BEG Wolfhagen). Alle Stromkunden der Stadtwerke können Mitglied der Genossenschaft werden. 500 Euro kostet ein Anteil, aktuell können Mitglieder maximal fünf Anteile zeichnen. Die rund 2,3 Millionen Euro für den 25prozentigen Gesellschafteranteil an den Stadtwerken brachte die BEG bis zum Frühjahr 2013 auf.

Energiesparfonds für Mitglieder

Ein Teil der Erlöse aus der Beteiligung an den Stadtwerken fließt als Dividenden den Mitgliedern zu. Seit 2013 schüttet die BEG eine Dividende aus, 2016 waren es vier Prozent. Der andere Teil fließt in den Energiesparfonds der Genossenschaft. Hieraus entwickelt der Energiebeirat der BEG gezielte Förderangebote zur Steigerung der Energieeffizienz bei den Mitgliedern. Alle Mitglieder der Genossenschaft können so ihren Energiebedarf reduzieren, dauerhaft Geld sparen und die Umwelt entlasten. Im „Fachbeirat Energieeffizienz“ der BEG Wolfhagen sind neun Mitglieder der Genossenschaft und je eine Personen aus der Stadt, dem Stadtwerk und der lokalen Energieagentur.

Mitglieder erhalten zurzeit einen Zuschuss für den Kauf energiesparender Haushaltsgeräte, die Anschaffung programmierbarer Heizkörperthermostate und die BAFA-geförderte Vor-Ort-Energieberatung. Für den Kauf neuer Haushaltsgeräte mit höchster Energieeffizienzklasse haben über 130 Mitglieder Anträge gestellt und bekamen bis zu zehn Prozent der Anschaffungskosten erstattet, maximal 50 Euro. Aktuell fördert die Energiegenossenschaft den Kauf eines Elektrofahrrads mit zehn Prozent des Kaufpreises, maximal 150 Euro pro Mitglied.

2015 hat die Stadt Wolfhagen das Ziel „100 % Erneuerbare Energien“ erreicht. Wind, Sonne und Biomasse in erzeugten in der Stadt so viel Strom wie Bürger und Wirtschaft verbraucht haben. Laut Stadtwerke Wolfhagen wurden 50,4 Millionen Kilowattstunden (kWh) erneuerbare Energie erzeugt. Dem stand ein Verbrauch von 47,6 Millionen kWh durch Wolfhagener Haushalte, Industrie und Gewerbe gegenüber. Größter Stromproduzent war der Wolfhager Windpark mit 26,8 Millionen kWh mehr Strom, als alle Wolfhager Haushalte verbrauchten. Der Wolfhager Solarpark trägt mit rund 18 Prozent zum 100-Prozent-Ziel bei und spart 5.700 Tonnen Kohlendioxid ein 

Die BEG Wolfhagen hatte Ende 2016 814 Bürger Mitglieder und ein Genossenschaftsvermögens von mehr als 3,9 Millionen Euro.

Sie ist seit 2016 einem Anteil von 8,3 Prozent Gesellschafterin am Windpark Rohrberg im Kaufunger Wald. Sie ist zudem seit 2013 an der BürgerWind Westfalen eG beteiligt.

Material und weitere Informationen

Die Stadtwerke Wolfhagen haben 2015 den Deutschen Solarpreis von Eurosolar erhalten

Ebenfalls 2015 erhielten sie den „Energy Award 2015“. Auch die Jury der „Energy Academy“ würdigte das innovative Bürgerbeteiligungsmodell.

Best-Practice Beispiel des Landesnetzwerk BürgerEnergieGenossenschaften Hessen e.V.

Kontakt
BürgerEnergieGenossenschaft Wolfhagen eG
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Vorstand: Wilfried Steinbock (Vorsitzender), Ralf Hecker, Iris Degenhardt-Meister, Karl-Heinz Kraft
Tel.: 05692-99 605 12
E-Mail: info@beg-wolfhagen.de 
www.beg-wolfhagen.de  

Stand: April 2017

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