16. November 2018

Gemeinsam Auto teilen im Quartier

Die Mainzer Bürgerenergiegenossenschaft UrStrom will mit dem E-Carsharingprojekt "UrStromMobil" eine umweltfreundliche Mobilität in Bürgerhand fördern.

CO2-frei mobil sein und Autos teilen statt sie zu besitzen. Das ist die Idee des e-CarSharing Projektes  UrStromMobil der Bürgerenergiegenossenschaft UrStrom eG in Mainz. Im Juni 2018 hat sie die erste e-CarSharing Station mit zwei vollelektrischen Renault ZOE und einer Ladesäule in Betrieb genommen. Das Projekt ist in enger Kooperation mit engagierten Bewohner*innen der Wohnprojekte VIS-a-VIS und „Am Cavalier Holstein“ auf dem Mainzer Hartenberg entstanden.

Wohnprojekte vor Ort als Treiber der Idee

Entscheidender Erfolgsfaktor waren für UrStrom-Vorstand und Projektleiter Klaus Grieger die Bewoh-ner*innen der Wohnprojekte. Die UrStromer*innen arbeiten schon länger an der Idee eines bürgerschaftlichen E-Carsharing, haben Anfang 2017 ihre Idee in verschiedenen Quartieren in Mainz vorgestellt und stießen auf Interesse bei umweltbewussten Bewohner*innen. „Voraussetzung ist, dass Mieter das klimafreundliche Carsharing als ihr Projekt sehen und sich dafür einsetzen“, sagt Klaus Grieger.

Die Ziele klar haben

 „Wollen wir, dass Menschen elektrisch Autofahren, auch wenn wir dafür unbezahlte Zeit investieren oder ein e-CarSharing etablieren, welches sich wirtschaftlich trägt?“ Für letzteres hat sich UrStrom entschieden.  Nur so lässt sich das Modell auf weitere Wohnquartiere und Gemeinden übertragen und ein wachsender Beitrag zur Verkehrswende erzielen. Konkret heißt das: Das Mainzer e-CarSharing-Projekt macht erst ab 5-10 Fahrzeugen wirtschaftlich Sinn.

Was sind unsere Kernkompetenzen? Welche Teile der Wertschöpfung wollen wir in der Genossenschaft realisieren? Was bringt uns Mehrwert? Was kaufen wir zu? Die Urstromer*innen stellten sich weitere strategisch wichtige Fragen. Eine Handy-App selbst zu erstellen kam ebenso wenig in Frage wie das Flottenmanagement, eine eigene Rund-um-die-Uhr Hotline oder die Anschaffung der Fahrzeuge. Da fanden die Energiegenoss*innen mit dem Anbieter Mobileeee einen kompetenten Partner, der die Fahrzeuge inklusive Buchungsplattform und 24-Stunden-Hotline bereitstellt. 

UrStrom übernahm die Projektentwicklung, traf sich mit Vertreter*innen der Wohnprojekte, klärte Stromanschluss sowie Gestattungsvertag für die Stellplätze und kaufte die Ladesäule. Außerdem übernimmt UrStrom die differenzierte Tarifgestaltung und die Abrechnung, versorgt die Ladesäule mit dem eigenen Ökostromprodukt UrStromPur.  „Die Nutzer*innen sollen alle Leistungen direkt von ihrer UrStrom eG erhalten. Denn wir genießen ihr Vertrauen und wollen mit ihnen das Projekt weiterentwickeln“, sagt Klaus Grieger.

„Wir wollen Qualitätsführer sein“

In einem Workshop erarbeitete das UrStromMobil -Projektteam das Wertversprechen an die Kunden. „Wir wollen Qualitätsführer sein“, sagt Projektleiter Klaus Grieger. Viele Menschen hätten die Sorge, dass Auto teilen Verzicht sei, die Mobilität erschwere. „Es geht nicht um Verzicht. Es geht um 0 Prozent Emission und 100 Prozent Fahrspaß und Service“, so Klaus Grieger. Deshalb will die Energiegenossenschaft mit Qualität und hochprofessionellem Service Menschen für das e-CarSharing begeistern. Das beginnt bei hochwertigen Fahrzeugen mit guter Reichweite, Tempomat, Klimaanlage, Einparkhilfe und weiteren Extras. Zudem werden die Fahrzeuge häufig gereinigt. Der Zugang zum Elektroauto und die Rückgabe funktionieren mit einer Smartphone-App und die Fahrzeuge stehen „direkt vor der Tür“, mitten im Quartier. Es gibt einen Premium-Tarif mit Verfügbarkeitsgarantie. Die UrStrom-Aktiven unterstützen zudem bei der Einrichtung der Smartphones, informieren über Lademöglichkeiten unterwegs und geben Tipps für die Urlaubsfahrt. „Wir bieten die komplette Mobilitätsdienstleistung“, sagt Klaus Grieger.

Die passende Zielgruppe finden

Kommunen, Unternehmen, Menschen in der Innenstadt, Studenten? Für wen bieten wir das E-CarSharing an, fragte sich das UrStromMobil -Projektteam. Denn jede Zielgruppe hat ganz unterschiedliche Bedürfnisse, Fahrgewohnheiten und die Marktsituation ist verschieden. Die UrStromer*innen entschieden sich für ein Angebot in Wohnquartieren. „Für uns als Bürgerenergiegenossenschaft war dies der direkteste Anknüpfungspunkt. Für Menschen in großen Wohnanlagen oder Quartieren mit wenigen Stellplätzen ist die Anschaffung eines Elektroautos mit Ladestation schwierig. Eine gemeinschaftliche Lösung ist naheliegender und zugleich umweltfreundlicher und kostengünstiger“, sagt Klaus Grieger,

Der zeitliche Aufwand: hoch

„Die größte Hürde ist der Aufwand“, sagt Klaus Grieger. Ein Team von fünf bis sechs Personen hat Ur-StromMobil mit sehr viel ehrenamtlicher Zeit auf den Weg gebracht. Für das Projekt hat die Energiegenos-senschaft neue Aktive aus dem Kreis der Mitglieder geworden, die das Thema interessiert und die  an der Verkehrswende teilhaben möchten. 

„Wir haben bei dem Leuchtturmprojekt den Perfektionismus gehabt, ein ausgereiftes Konzept auf den Weg zu bringen, an dem sich andere Energiegenossenschaften orientieren können.“ Bausteine wie das Marketingmaterial, die Darstellung auf der Website möchte UrStrom auch anderen Energiegenossenschaften zur Verfügung stellen. Außerdem überlegen die Energiegenoss*innen, ihr Know-how und Servicedienstleitungen Energiegenossenschaften anzubieten, wenn sich das Mainzer Projekt konsolidiert hat. 

Auslastung der Fahrzeuge

Bei den ersten Kunden, die UrStrom gewonnen hat, sind viele Personen, die nur gelegentlich das e-CarSharing nutzen. Für das Klima ist das gut, doch nicht für die Auslastung der Fahrzeuge. Deswegen senkt UrStromMobil  zum 1. November 2018 die Preise, um mehr Vielfahrer zu gewinnen und diesen eine wirtschaftliche Alternative zum eigenen Fahrzeug zu bieten.  

Nutzer*innen gewinnen

Ein Auto hinstellen und den Tarif erklären, reiche nicht. „Man muss die Leute abholen“, so Klaus Grieger, mit Öffentlichkeitsarbeit, Veranstaltungen vor Ort und mit - und: „UrStromMobil  e-CarSharing in Bürgerhand kombiniert die praktischen Vorteile des e-CarSharings mit dem guten Gefühl, gemeinsam mit anderen Teil einer Veränderung zu sein.“ „Ich muss kein Geld für ein Auto ausgeben, das im Unterhalt noch Arbeit macht“, sagt die Nutzerin Gaby Engels zufrieden. Keine Reparaturen, kein Tanken, kein Parkplatzsuchen. Die Fahrzeuge stehen mitten im Wohnquartier.

Ein Projekt zieht Kreise

Die Verkehrswende und E-Mobilität sei ein Hypethema, das sich schnell verbreite. Im November hat die UrStrom eine Veranstaltung in einem weiteren Stadtteil Mainz. Dort möchte ein Team von 10 Personen ein weiteres Quartier-eCarSharing aufbauen, entwirft eigene Plakate, wirbt Interessenten. Bald könnten hier zwei weitere vollelektrische Fahrzeuge mit Ladesäule zum Einsatz kommen. UrStrom wird wieder die Rolle des Projektentwicklers übernehmen. 

Zudem ist UrStrom mit einem Unternehmen in Kontakt, das die Zahl der Dienstfahrzeuge reduzieren und mit zwei E-Autos von UrStromMobil beginnen möchte. Hier sind die Anforderungen völlig anders als bei Privatpersonen. Wie werden die Personen registriert, wie die Dienstfahrten mit der Reisekostenstelle abgerechnet, wie ist die private Nutzung von der dienstlichen zu trennen? Die Kooperation ist für UrStrom attraktiv, weil das Unternehmen eine hohe Auslastung der Fahrzeuge verspricht und seinen Sitz in der Nähe eines Neubauquartiers hat. Abends und am Wochenende wären die Fahrzeuge für die private Nutzung im Quartier frei.

Bis Ende Oktober haben sich über zwanzig Nutzer/innen bei  UrStromMobil  registriert. Die Nutzung deckt die laufenden Ausgaben bereits zu über 70 Prozent. Bis Ende des Jahres sollen die Einnahmen die Ausgaben decken. Für 2019 ist das erklärte Ziel der UrStromer*innen, die Flotte auf fünf bis zehn Fahrzeuge und entsprechende Ladesäulen zu steigern. Für Klaus Grieger hat sich die Pionierarbeit schon jetzt gelohnt. “Wir können eine Vorbildfunktion haben und zeigen: e-CarSharing reduziert die Zahl der Autos und klimaschädigende Emissionen.“ Vier Nutzer*innen haben mittlerweile ihr eigenes Auto verkauft und setzen auf eine Kombination von Fahrrad, ÖPNV und e-CarSharing. 

Sehenswert: UrStrom der Film

Der professionell gemachte Kurzfilm „e-Carsharing in Bürgerhand zeigt, wie Menschen zu überzeugten Nutzern von e-Carsharing werden. Darüber hinaus erzählt der Film unterhaltsam, warum Elektro-Autos besser sind, als die Verbrenner. Die Geschichten der UrStromMobil-Kunden machen Art deutlich: Das Teilen von elektrisch angetriebenen Autos macht richtig Sinn. Mit dem Film will UrStrom interessierte BürgerEnergieGenossenschaften Deutschlands informieren und motivieren, ein e-CarSharing-Projekt in Bürgerhand vor der eigenen Haustür zu starten. Hier geht es zum Kurzfilm.

Foto: UrStrom BürgerEnergieGenossenschaft Mainz eG

Kontakt 

UrStromMobil „e-CarSharing in Bürgerhand“ ist Teil des Programms 100 Prozent Klimaschutz Mainz 

UrStrom BürgerEnergieGenossenschaft Mainz eG
Klaus Grieger, Projektleiter
info@urstrom-mobil.de 
www.urstrom-mobil.de

 

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