27. Juni 2019

Gemeinsam gegen die Klimakrise: Energiegenossenschaften und Fridays for Future

Die Fridays for Future-Bewegung ist groß und diskursbestimmend geworden. Das ist eine Chance für alle, die seit vielen Jahren für den Klimaschutz kämpfen - auch für Aktive in Energiegenossenschaften. Ein Gespräch mit Philipp Veit, Klimaaktivist und Vorstand der UrStrom BürgerEnergieGenossenschaft Mainz eG.

Urstrom-Mobil bei Streik für das Klima in Mainz

Welche guten Gründe gibt es für eine Kooperation von Energiegenossenschaften und #Fridays for Future (#FFF) vor Ort?

Philipp: Wir haben die gleichen Ziele, auch wenn der Fokus unterschiedlich ist. Die meisten Bürgerenergiegenossenschaften fokussieren auf die Energiewende, wir in Mainz auch auf die Verkehrswende. Die Friday for future-Bewegung hat zusätzlich die Agrarwende und den Konsum im Blick. Bei konkreten Forderungen und Maßnahmen erzeugt es zurzeit einen zusätzlichen Druck, wenn #FFF dahintersteht. Das gilt es zu nutzen.

Was können Energiegenossenschaften und #Fridays for Future (#FFF)-Aktive vor Ort gemeinsam tun?

Philipp: Das erste ist natürlich, dass die Energiegenossenschaft die Klimademonstrationen aktiv unterstützen und mitlaufen. Das zweite ist, gemeinsam konkrete Projekte anzugehen. Jede Regionalgruppe von #FFF kann Forderungen an die Stadt stellen, etwa Photovoltaikanlagen auf alle Schuldächer. Das Gegenargument ist dann oft: „Wir haben kein Geld dafür“. Hier können Energiegenossenschaften einspringen und die Anlage mit den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt bauen. Zwar muss die Stadt die Anlagen ausschreiben, doch haben Kommunen dabei Spielraum, und können zum Beispiel Bürgerbeteiligung aufnehmen.

Wir haben zum Beispiel in Mainz ein Premiumdach auf der neuen, modernen Feuerwache, das noch keine PV-Anlage hat. Das haben wir auf einer Demonstration gefordert. Hier wäre es wichtig, länger dranzubleiben, der Forderung mit einer Unterschriftenliste Nachdruck zu verleihen. Drittens kann man gemeinsam fordern, dass die Kommune den Klimanotstand ausruft und konkrete Maßnahmen ergreift.

Sind Schülergenossenschaften auch eine Möglichkeit?

Philipp:Ich halte Schülergenossenschaften für eine gute Idee und sehe eine gemeinsame Schnittmenge. Schülerinnen und Schüler können in ihren Schulen konkrete Projekte umsetzen. Die Energiegenossenschaft kann bei der Gründung unterstützen und Know-how weitergeben.Philipp: Ich halte Schülergenossenschaften für eine gute Idee und sehe eine gemeinsame Schnittmenge. Schülerinnen und Schüler können in ihren Schulen konkrete Projekte umsetzen. Die Energiegenossenschaft kann bei der Gründung unterstützen und Know-how weitergeben.

Wie bekannt sind Energiegenossenschaften bei Fridays for Future (#FFF)-Aktiven?

Philipp: In der Regel sind Energiegenossenschaften bei #FFF-Aktiven kein Begriff. Genossen-schaften sollten persönlichen Kontakt zu den Fridays for Future (#FFF)-Aktiven knüpfen und sich selbst bekannt machen: Was Sie vor Ort für den Klimaschutz tun, etwa PV-Anlagen bauen, Ökostrom vertreiben, die Verkehrswende mit e-Carsharing voranbringen.

Viele Aktive in Energiegenossenschaften sind älter. Wie können Energiegenossenschaften für junge Menschen interessant werden, die sich für Klimaschutz engagieren?

Philipp: Energiegenossenschaften brauchen junge, engagierte Leute. Ich bin zum Beispiel bei UrStrom mit Abstand der Jüngste. Meiner Erfahrung ist für manche der Klimaaktivist*innen die Mitarbeit an konkreten Projekten wichtig. Sie können als Genossenschaft anbieten, dass sie zum Stammtisch kommen, bei einer Arbeitsgruppe mitmachen, ein Projekt umsetzen usw.

Mittlerweile laufen auch Student*innen, Eltern, Großeltern, Wissenschaftler bei den Klimademonstrationen mit, die Sie für eine Mitarbeit in der Energiegenossenschaft ansprechen können, für den Wechsel zu Ökostrom interessieren, als Mitglieder oder Darlehensgeber bei Projekten gewinnen.

Wie sollten Energiegenossenschaften Kontakt aufnehmen?

Philipp: Wichtig ist, dass Sie sich vorher anmelden und absprechen, was Sie z.B. bei der Klimademonstration tun möchten: Mit den eigenen T-Shirts dabei sein, eine Rede halten, Flyer verteilen. Diese Absprache ist wichtig, denn die Gruppen wollen nicht für Ziele anderer Organi-sationen vereinnahmt werden. 

UrStrom hat in Mainz bei den Klimademonstrationen im Januar und Februar das UrStromMobil, eines unserer e-Carsharing Fahrzeuge, für den Transport der Lautsprecher und der Bühne zur Verfügung gestellt.

Auf fridaysforfuture.de/regionalgruppen/ finden Sie die Kontaktdaten der Ortsgruppen. Schreiben Sie eine E-Mail, eine Nachricht auf Facebook oder bitten den Administrator, in die örtliche WhatsApp-Gruppe aufgenommen zu werden. Auf der Website erfahren Sie auch, wann der nächste Klimastreik in Ihrer Stadt oder Region ist.

Vielen Dank für das Gespräch

Interview: Rainer Lange

Fotos: UrStrom BürgerEnergieGenossenschaft Mainz eG.

Das Interview wurde zuerst im Newsletter und auf der Website des Landesnetzwerkes BürgerEnergiegenossenschaften Rheinland-Pfalz veröffentlicht. Vielen dank für die Genehmigung zur Nutzung.

 

You Tube Video: 18.1.2019 mit Urstrom-Mobil (nach 20 sec): Streik für das Klima - Mainz

Philipp Veit ist Doktorand und seit 1. Januar 2019 Vorstand der UrStrom BürgerEnergieGenos-senschaft Mainz eG. Er hat die Friday for Future Gruppe in Mainz mitgegründet und die De-monstration #RiseForClimateMainz mit organisiert.

 

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