13. Mai 2020

Podcast: Energiewende geschlechtergerecht

Bürgerenergie will alle an der Transformation des Energiesystems zu beteiligen. Doch aktive Frauen kommen viel zu selten vor. Woran es liegt und wie sich mehr Geschlechtergerechtigkeit herstellen lässt, ist Thema eines Podcasts des Bündnis Bürgerenergie.

In Zeichen von Corona hat das Bündnis Bürgerenergie (BBEn) eine Podcastreihe #kannstduauch gestartet. Unter dem Titel „Schnelle Energiewende – mit allen, für alle“ geht es um Geschlechterge-rechtigkeit in der Energiewende und speziell in der Bürger*innenenergie. Krisztina André, BBEn-Vorständin und Rainer Lange vom Netzwerk Energiewende jetzt beleuchten verschiedene Facetten des Themas.

Bürgerenergie hat die Idee, alle an der Transformation des Energiesystems zu beteiligen. „Das lösen Bürgerenergiegenossenschaften nicht ein. Sie haben bei weitem nicht ihr Potenzial erreicht“, sagt Rainer Lange. Nur acht Prozent der Vorstände sind laut Studien weiblich. Nach einem Policy Paper aus Hessen zu Bürgerenergiegenossenschaften sind es in nur 8,6 Prozent der Fälle Frauen, wenn Bürgerenergieakteur*innen in den Medien auftauchen. „Das öffentliche Bild in Presse und Rundfunk signalisiert: Bürgerenergie ist männlich“ Und das, was wir hören und sehen, prägt unsere Meinung“, konstatiert Rainer Lange.

„Die Energiebranche ist vielfach technisch orientiert. Da können Frauen viel schwieriger Fuß fassen“, meint Krisztina André. „Zudem haben sie viel weniger Zeit, weil sie in Erziehung, Haushalt usw. ein-gebunden sind. Deshalb können sie an Bürgerenergiebewegungen weniger teilhaben.“

Wenn nicht alle angesprochen werden, fühlen sich auch nicht alle angesprochen

„Es ist wichtig, dass Frauen explizit und direkt angesprochen werden“, so Krisztina André weiter. Es werde in Bürgerenergiegenossenschaften wenig aktiv an Frauen adressiert, bestätigt Rainer Lange aus seiner Erfahrung als Coach von Verantwortlichen von Genossenschaften. „Bei den männlichen Vorständen wird das Fehlen von Frauen häufig nicht als Problem gesehen. Sie sagen eher: Wir brau-chen mehr Aktive.“ Es fehle nicht nur an der Denke sondern auch an Strategien, wie weibliche Mit-streiter*innen zu gewinnen sind. Krisztina André und ihre BBEN-Vorstandskollegin Katharina Habers-brunner planen Trainings für Bürgerenergiegenossenschaften. Dazu gehöre auch, Strategie zu entwi-ckeln, „wie die Türen geöffnet werden können in Richtung Frauen oder Communities nichtdeutscher Abstammung.“ Außerdem erarbeitet das Bündnis aktuell eine Datenbank von Frauen, die in Bürger-energiegesellschaften, der Mobilitätswende u.a. aktiv sind. „Diese sollen gezielt sichtbar werden und können auch angefragt werden, etwa für Veranstaltungen.“ 

Was können Handlungsoptionen sein? 

„Die Einführung einer Quote in Vorstandspositionen wäre ein erster Schritt in die richtige Richtung. Das wird mehr Frauen ermutigen mitzumachen auf allen Ebenen“, schlägt Krisztina André vor. Rainer Lange sieht ein hohes Bedürfnis neue Personen einzubinden, weil viele Bürgerenergiegenossenschaf-ten das Thema Nachfolge haben. Bei der HEG Heidelberger Energiegenossenschaft, wo er Aufsichts-ratsvorsitzender ist, ist das Thema Geschlechtergerechtigkeit mittlerweile auf der Agenda. Bisher sind fünf Männer und eine Frau im Aufsichtsrat. Zwei Männer und die Frau hören auf. Die Genossenschaft hat Kriterien entwickelt: Frauen und zudem ein wissenschaftlicher Hintergrund, Erfahrung als Unter-nehmerin oder kommunale Anbindung. „Wir waren erstaunt, wie schnell wir eine Liste von bald 15 Frauen hatten.“ Drei Kandidatinnen hat die Genossenschaft mittlerweile gewonnen. 

Krisztina André hat den Traum, „dass die jungen Aktivistinnen von Friday for Future zusammen mit den Bürgerenergiegenossenschaften die Zukunft gestalten. Da sehe ich große Potentiale.“

Was wäre der Gewinn für die Energiewende? „Eine Verdopplung der Akteur*innen, 

Hören Sie sich hier den Podcast an. 

Die #kannstduauch Webinare

In den kostenfreien Webinaren berichten Praktiker*innen der Bürgerenergie von den Möglichkeiten, die dezentrale Energiewende zu gestalten. Die Mitschnitte der schon stattgefundenen Webinare „Energy Sharing einfordern“, „dezentrale und versorgungssichere Energiewende“, und „steckbare Solargeräte“ finden Sie hier:      

20.05.2020: Erneuerbare Wärmeversorgung #kannstduauch
In diesem interaktiven Webinar geht es um erneuerbare Wärmeoptionen, mit denen Kommunen und Stadtquartiere zu 100 Prozent fossilfrei beheizt werden können. 

28.05.2020: Welche Chancen und Risiken bringt die Digitalisierung? Intelligente Bürgerenergie #kannstduauch
In dem Webinar wird die Rolle neuer, gemeinschaftsbasierter Versorgungsmodelle mit Erneuerbaren Energien eingegangen und dabei thematisiert, unter welchen Rahmenbedingungen die Vielzahl kleiner Solaranlagen in Deutschland von der Einführung intelligenter Messsysteme profitieren kann.  

03.06.2020: Mit Solar-Selbstbau-Gemeinschaften die Bürgerenergie voranbringen #kannstdu-auch
Die Schweizer Energiewende-Genossenschaft hat mit ihrem Selbstbau-Modell in 5 Jahren über 300 Solaranlagen realisiert und etliche Nachahmer in der Schweiz. Auch in Deutschland gibt es erste Selbstbau-Initiativen und Bürgerenergie-Gesellschaften, die sich dem Selbstbau zuwenden. 

 

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