02. Oktober 2019

Bioenergiegenossenschaft Mengsberg: Deutschlands größtes genossenschaftliches Solarthermiefeld

Die Bewohner von Mengsberg werden CO2-neutral über eine Hackschnitzelheizung sowie ein 3000 Quadratmeter großes Solarthermiefeld mit Wärme versorgt.

Das Solarthermie-Feld deckt zwischen 18 und 20 Prozent des gesamten Wärmebedarfs der angeschlossenen  Haushalte ab. In den Sommermonaten liefern die Kollektoren praktisch 100 Prozent des Wärmebedarfs. Die Holzkessel bleiben ausgeschaltet, das spart Brennstoff und erleichtert die jährliche Wartung der Kessel. Nach dem das Nahwärmenetz im August 2018 in den Vollbetrieb ging, zeigen sich die Vorstände über das erste Jahr zufrieden: Die Sonnenkollektoren lieferten knapp 20 Prozent des Wärmebedarfs.

Solarwärme sei heute schon eine wirtschaftliche Alternative, meint Thomas Pauschinger vom Steinbeis Forschungsinstitut Solites in Stuttgart in einem Beitrag auf dem Portal Erneuerbare Energien: „Solarthermie setzt sich in immer mehr Energiedörfern als verlässlicher und wirtschaftlicher Wärmeerzeuger durch, denn solche Anlagen sind eine zukunftssichere Investition und genießen bei den Bewohnern eine hohe Akzeptanz.“ Durch größere Speicher werde es zukünftig möglich, mehr als 20 Prozent des Wärmebedarfs decken. 

Dorf mit Zukunft

2011 gewann Mengsberg den Regionalentscheid beim Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“, dann den Landesentscheid und schließlich 2013 Gold im Bundesentscheid. 2600 Orte aus ganz Deutschland hatten am Wettbewerb teilgenommen,  24 davon am Bundesentscheid. „Schon Ende 2012 war das Bioenergiedorf Thema bei uns“, sagt Karlheinz Kurz, Ortsvorsteher in Mengsberg und Vorstand der Bioenergiegenossenschaft Mengsberg BEGM eG.

Zuerst hatten die Mengsberger eine landwirtschaftliche Biogasanlage in Verbindung mit einem Hackschnitzelkessel geplant und 2013 eine Machbarkeitsstudie beauftragt. Doch die Änderungen im Erneuerbaren Energien Gesetz 2014 (EEG 2014) warfen die Planung über den Haufen. Nachdem in Büsingen am Bodensee eine erstes Bioenergiedorf auf Basis von Holzhackschnitzeln und Solarthermie realisiert worden war, wurde die Machbarkeitsstudie in Mengsberg auf Solarthermie ausgeweitet. „Die Wirtschaftlichkeitsberechnungen sahen positiv aus“, so Karlheinz Kurz. Am 23. November 2014 gründete die Initiativgruppe die Bioenergiegenossenschaft Mengsberg BEGM eG. 

Im April 2017 unterschrieben die Verantwortlichen der BEGM eG den Vertrag mit der Firma Viessmann über das 5,5 Millionen Euro Projekt. Über das Programm „Erneuerbare Energien Premium“ der bundeseigenen KfW-Bank konnten die Mengsberger 30% der Kosten finanzieren, 3,5 Millionen Euro wurden über die Hausbank beigesteuert. Jedes Mitglied der Bioenergiegenossenschaft leistete eine Einlage von 4.000,- Euro und erhielt dafür die Nahwärmleitung bis in den Keller, Übergabestation inklusive. 

„Wir haben die Leute zukunftsfähig gemacht“

Um das Projekt wirtschaftlich zu betreiben, waren die Zusagen von mindestens 150 Haushalten nötig. Zwei Jahre lang sind die Vorstände von Haus zu Haus gezogen, um die Mengsberger zu überzeugen. „Anfangs war es schwer, die Wärmelieferverträge zu bekommen“, sagt Karlheinz Kurz. Doch mit der Idee der lokalen Energiewende habe man die Menschen überzeugt. Auch wenn die Heizölpreise zurzeit günstiger sind als in den Jahren 2012-2014, das Nahwärmenetz ist eine langfristige Investition. Keiner im Ort wolle am Nahwärmenetz verdienen, „wir machen alles ehrenamtlich“. Mit der Schuldentilgung nach zehn bis 15 Jahren werde auch der kWh-Preis sinken.

Die Realisierung

Die Heizzentrale besteht aus drei Komponenten

  • einem Holzhackschnitzelkessel mit einer Leistung von 1,1 MW,
  • einem Niedertemperatur-Heizkessel auf Basis von Bio-Propan als Redundanzkessel,
  • sowie einem großen Solarthermiefeld mit 3000 Quadratmeter Bruttokollektorfläche mit zwei Puffer-speichern a 150 Kubikmeter.

In den Wärmelieferverträgen verpflichten sich die Haushalte, jährlich mindestens 4000 Kwh abzunehmen. 

Erfolgsfaktoren

Zufriedenstellend war die Zusammenarbeit mit dem Generalunternehmer Viessmann Deutschland GmbH. „Was sie versprochen haben, haben sie gehalten. Und wir hatten keine Kostensteigerungen zu befürchten“, so Karlheinz Kurz. Durch viel Eigenleistung der Bioenergiegenossen konnte der geplante Kostenrahmen von 5,5 Millionen Euro sogar unterschritten werden. Thomas Groll, der Bürgermeister der Stadt Neustadt, unterstützte das Nahwärmeprojekt von Anfang an. Die Stadt finanzierte die Machbarkeitsstudie, stellte eine Bürgschaft. Vorstandskollege Klaus Schwalm  betont die gute Dorfgemeinschaft in Mengsberg, ohne die das Projekt nicht möglich gewesen wäre. 

Die Mengsberger Bioenergiegenossen haben einen langen Atem bewiesen von den ersten Ideen bis zur Realisierung. „Das war eine immense Arbeit“, resümiert Karlheinz Kurz. Man habe sich mehr Zuspruch vom Land und vom Bund erhofft,  „schließlich tragen wir als Bürger den großen Teil der Energiewende.“

Mehr Informationen über solare Wärmenetze gibt es hier: 

Kontakt

Bioenergiegenossenschaft Mengsberg BEGM eG
Karlheinz Kurz, Klaus Schwalm, Thomas Theiss, Susanne Wilhelm, Michael Rudewig
Zur Wolfsdelle 11 35279 Neustadt
Telefon: 06692- 7550
E-Mail: begmengsberg@outlook.de    https://www.begmengsberg.de/ 

Foto: Bioenergiegenossenschaft Mengsberg BEGM eG 

 

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