12. Juli 2018

Tübingen: Solarstrom auf jedes neue Dach

Als erste deutsche Stadt führt Tübingen die Photovoltaik-Pflicht ein. Wer ein neues Haus baut, muss darauf eine Solaranlage installieren, wenn der Betrieb wirtschaftlich ist.

© Majivecka/123rf.com

Der Stadtrat hat mit großer Mehrheit dafür gestimmt, dass in neuen Baugebieten jedes Haus eine Solaranlage haben muss. Die Vorschrift betrifft sowohl private wie gewerbliche und öffentliche  Gebäude. „Photovoltaik ist in der Stadt die billigste und beste Stromquelle. Eine Pflicht, sie zu nutzen, ist zum Vorteil aller. Nötig ist sie trotzdem, denn viele beschäftigen sich damit nicht und lassen die Chance daher aus“, sagte Oberbürgermeister Boris Palmer gegenüber pvmagazine. Das Potential in der Universitätsstadt ist riesig. Bislang seien nur etwa fünf Prozent der Dachflächen genutzt.

Beim Kauf eines Grundstückes von der Stadt wird die Pflicht in den Grundstückskaufverträgen festgelegt, ansonsten in einem städtebaulichen Vertrag. In Tübingen werden neue Baugebiete nur ausgewiesen, wenn alle Grundstücke an die Stadt verkauft sind. So betrifft das die meisten Neubauten. Die Stadt beruft sich auf das Baugesetzbuch, jedoch gibt es noch keine Urteile, ob eine solche Auflage rechtlich zulässig ist.

Die Pflicht soll nur dann bestehen, wenn sich die Solaranlage für Bauherren oder Mieter wirtschaftlich rechnet. Davon sei in den meisten Fällen auszugehen, so der Tübinger Oberbürgermeister, vor allem wenn der Sonnenstrom vom Dach selbst verbraucht wird. „Strom vom eigenen Dach ist billiger als aus dem Netz.“

Wer eine neue Photovoltaik-Anlage nicht selbst finanzieren kann oder möchte, kann auch ein Pachtmodell nutzen, das auch Energiegenossenschaften häufig praktizieren. In Tübingen finanzieren, bauen und betreiben die Stadtwerke PV-Anlagen als Pachtmodell. Hauseigentümer bezahlen die Anlage über die Stromrechnung ab. Palmer rechnet mit einem um zwei Cent je Kilowattstunde günstigeren Preis als Strom aus dem Netz.

Die Stadt Tübingen hat das Modell im aktuell größten Baugebiet in den vergangenen zwei Jahren erprobt. „Dort wird jedes Haus auf sechs Hektar Fläche eine Solaranlage haben. Wir erwarten eine Gesamtleistung der Kraftwerke von etwa zwei Megawatt. Das sind 20 Prozent der installierten Photovoltaik-Leistung im Rest der Stadt“, so Palmer weiter.

Tübingen will bis 2022 die CO2-Emissionen pro Kopf bis 2022 um ein Viertel gegenüber 2014 senken. Dies sei nur möglich, wenn die Bürgerinnen und Bürger mitwirken.

 

@ 2018 Netzwerk Energiewende jetzt | Links | Impressum | Datenschutzerklärung | Kontakt
Ev. Arbeitsstelle Bildung und Gesellschaft
Dietmar Freiherr von Blittersdorff (Projektleitung)
Kronstraße 40 | 76829 Landau
Tel.: 06341-9858-16 | Fax: 06341-9858-25
info@energiegenossenschaften-gruenden.de