EnergieGenossenschaft KaufungerWald eG: Bürger beteiligen sich an Windpark

Stichworte: Windkraft, Beteiligung, Kooperation, Stadtwerke, Netzkauf, Mieterstrom

Die EnergieGenossenschaft KaufungerWald eG und fünf andere Energiegenossenschaften haben sich 2017 am Windpark „Stiftswald“ bei Kaufungen der Städtischen Werke AG Kassel beteiligt. 2018 plant die EnergieGenossenschaft eine Beteiligung am Gemeindewerk Kaufungen.

Ende Juni 2017 war es soweit. Die EnergieGenossenschaft KaufungerWald eG in Nordhessen unterzeichnete den Beteiligungsvertrag an der "Windpark Stiftswald GmbH & Co KG" und erwarb einen Anteil von 6,6 % am Windpark. Die Städtische Werke AG in Kassel hatte die Anteile nach dem Zwiebelschalenprinzip vergeben, die Wünsche der direkten Anrainer wurden bevorzugt behandelt. Die notwendige Investitionssumme von etwa 1 Million Euro konnte die Energiegenossenschaft zum größten Teil aus freiem Eigenkapital decken. Dies war vor allem deshalb möglich, weil die Genossenschaft inzwischen ein Drittel Mitglieder dazu gewann, die sich mit Beträgen zwischen 500 und 20.000 Euro an der Energiegenossenschaft beteiligten. Für die verantwortlichen Genossen ist dies ein Zeichen, dass das Vorantreiben der Energiewende vor Ort von den Bürgerinnen und Bürgern der Region Kaufungerwald mitgetragen wird.

Projektiert und gebaut haben die Städtische Werke AG Kassel den Windpark „Stiftswald“. Nach Fertigstellung wurden 67 Prozent der Anteile des 27-MW-Projektes an sechs Bürgergenossenschaften, drei Stadtwerke und zwei Kommunen in der Region verkauft. Die neun Enercon-Anlagen des Typ E-115 mit einer Leistung von je drei MW sollen einen jährlichen Stromertrag von 73 Mio. kWh liefern. Nach der Inbetriebnahme des Windparks bekamen die Kaufunger Genossen das Exposé der Städtische Werke AG. Das ließen sie von einem externen Dienstleister prüfen, bevor sie sich für eine Beteiligung entschieden. Die Kosten für das Prüfbüro teilten sich die am Windpark beteiligten Energiegenossenschaften.

Durch die Bürgerbeteiligung soll zum einen die Wertschöpfung in der Region blieben, zum anderen die Akzeptanz von Windkraftprojekten erhöht werden. Die EnergieGenossenschaft KaufungerWald war von Beginn an in die Projektierung des Windparks eingebunden und stellte z.B. auf Informationsveranstaltungen die Bürgerbeteiligung durch die Genossenschaft vor. In Kaufungen war die Resonanz auf das Projekt weitgehend positiv, hier gewann die Energiegenossenschaft auch zahlreiche neue Mitglieder. Im benachbarten Helsa gründete sich eine Initiative gegen den Windpark und argumentierte sehr emotional mit „Umzingelung“ durch die Windräder, Lärm, Gesundheitsgefahren durch Infraschall und dem drohenden Wertverlust der Häuser nach dem Bau des Windparks. In Helsa gewann die EnergieGenossenschaft KaufungerWald weniger Mitglieder, die mit ihren Geschäftsanteilen das Projekt unterstützen.

Stadtwerke Union Nordhessen (SUN)

Die Stadtwerke-Partner aus Bad Sooden-Allendorf, Eschwege, Homberg (Efze), Kassel, Witzenhausen und Wolfhagen haben ein Bürgerbeteiligungsmodell entwickelt. Sie bieten bei ihren Projekten grundsätzlich eine weitgehende Bürgerbeteiligung. Das sorgt dafür, dass die erzielbare Wertschöpfung bei der Errichtung von Windparks möglichst weitgehend in der Region bleibt. Ein von regionalen Akteuren entwickelter Windpark stärkt die regionale Wertschöpfung fast achteinhalb Mal so stark wie ein Windpark, der von externen Projektierern gebaut wurde. Das wurde 2016 in einer Studie im Auftrag der SUN errechnet.

Hürde Kapitalanlagegesetz beim ersten Windprojekt

Schon mit der Gründung der EnergieGenossenschaft KaufungerWald eG hatten die Verantwortlichen die Beteiligung an Windparks im Blick. 2014 bekamen die Kaufunger mit anderen Energiegenossenschaften das Angebot, sich mit knapp sieben Millionen Euro am Windpark Söhrewald/Niestetal der Städtische Werke AG Kasel zu beteiligen.

Im gleichen Jahr verunsicherte das Kapitalanlagegesetz viele Genossenschaften. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) ging davon aus, dass Energiegenossenschaften als Investmentvermögen einzuordnen seien, sofern sie nicht operativ tätig sind und legte dies restriktiv aus. Teilweise reicht schon eine in der Satzung formulierte (genossenschaftsrechtlich konforme) Beteiligungsmöglichkeit, um nicht mehr als operativ anerkannt zu werden. Daran drohte auch die Kooperation beim Windpark Söhrewald/Niestetal zu scheitern. Die Kaufunger Energiegenossenschaft steckte viel Zeit, Energie und Geld in die Registrierung bei der Bafin – und erhielt schließlich Ende 2014 den Registrierungsbescheid.

Zukunftspläne: Beteiligung am Gemeindewerk und Mieterstrom

Die Gemeinde Kaufungen gründete 2014 mit dem strategischen Partner Städtische Werke AG aus Kassel die Gemeindewerk Kaufungen GmbH & Co. KG. Die EnergieGenossenschaft Kaufungerwald war als assoziierter Partner bei der Unterzeichnung der Verträge mit dabei. Die Kommune hatte das Ziel das Stromnetz zurückzukaufen.  Das Vorhaben hatte Erfolg. Seit Anfang 2016 ist das Gemeindewerk Eigentümer der Strom- Gas- und Straßenbeleuchtungsnetze. Die Städtische Werke Netz + Service (NSG ) betreibt die Netze zur Versorgung der Kommune.

Im Juni 2014 begann der Verkauf von Strom und Erdgas. Die EnergieGenossenschaft Kaufungerwald wirbt selbst für den Wechsel von Atomstrom zu sauberem Strom. Für jeden Kunden des Losse-Strom und Losse-Gas erhält sie eine Provision.

Neues Geschäftsfeld Mieterstrom

Die Energiegenossenschaft baut auf dem Dach eines kommunalen Mehrfamilienhauses mit zwölf Wohneinheiten im Kaufunger Neubaugebiet "Neue Mitte" eine Solaranlage mit 50 Kilowatt Nennleistung. Dort wird sie die Eigentümer und Mieter der Wohnungen zu einem günstigen Preis mit Solarstrom vom Dach beliefern. Das Projekt verwirklichen die Kaufunger Genossen zusammen mit dem jungen Unternehmen prosumergy aus Kassel, das bereits über Erfahrungen mit der Umsetzung von Mieterstrommodellen hat. Für die Installation der notwendigen digitalen Stromzähler und der Abrechnungstechnik erhält die Genossenschaft Fördermittel vom Land Hessen, die entsprechende Förderungszusage liegt vor.

Hürden und Risiken

  • Beim ersten Windparkprojekt ein hoher Aufwand für die Registrierung bei der Bafin. 
  • Die Unsicherheit durch das Kapitalanlagegesetz brachte Unruhe unter den Mitgliedern.
  • Eine Initiative gegen den Windpark Stiftswald versuchte das Projekt zu verhindern.

Erfolgsfaktoren

  • Die Partner Stadtwerke Union Nordhessen (SUN) setzen bei Windprojekten auf ein Bürgerbeteiligungsmodell und beteiligen Energiegenossenschaften in der Region.
  • Eine bewährte Kooperation mit der Städtische Werke AG in Kassel
  • Die Energiegenossenschaft hat stark für den Windpark „Stiftswald“ geworben. Zielmarke war, die Zahl der Mitglieder um ein Drittel zu steigern. Das gelang und die Genossenschaft zählte Ende 2016 320 Mitglieder.
  • Mit der höheren Mitgliederzahl steigerte sich die Zahl der verkauften Genossenschaftsanteile und die Kaufunger Genossen konnten eine höhere Investitionssumme aufbringen.

Material und Fotos

Zur Website des Windparks Stiftswald

Bericht:Windpark Stiftswald in Bürgerhand

Ansprechpartner für Fragen
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Kirchweg 3 34260 Kaufungen
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www.eg-kaufungerwald.de

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